
Wunstorf (ds). Der nach dem Hauptbahnhof Hannover am stärksten frequentierte Bahnhof in der Region Hannover und einer der wichtigeren Verkehrsknotenpunkte im Norden verfügt über keine öffentliche Toilette – dieser Zustand verursachte seit Jahrzehnten Kopfschütteln in Wunstorf, nicht nur bei den direkt betroffenen Pendlern und Reisenden. Anfang der 1990er Jahre war die Bahnhofstoilette geschlossen worden, als die Bahn insgesamt vom Konzept der Bahnhofstoiletten zugunsten der Anlagen in den Zügen abrückte und es außerdem zu Problemen bei der Betriebssicherheit kam – seitdem gab es noch eine stationäre Toilettenmöglichkeit am benachbarten ZOB, deren Benutzung sich jüngst jedoch verkomplizierte.
Nach erneuten längeren Verhandlungen mit der Deutschen Bahn erhält der Bahnhof Wunstorf aber nun wieder eine öffentliche Toilette. Dies hatte der Rat in seiner Sitzung am 14. Juli einstimmig beschlossen und damit den Weg frei gemacht für die Kooperation zwischen Deutscher Bahn und der Stadt. Die Bahn hätte von sich aus trotz der anstehenden Bahnhofsumgestaltung keine Toilette installiert – entsprechende Anlagen gehören weiterhin nicht zur Agenda der Deutschen Bahn beim Gebäudemanagement. Es ist der Wunsch der Stadt, dass die Toilette entsteht.
Das Thema Bahnhofstoilette habe ihn selbst – genau wie die Nordumgehung – seine gesamte Amtszeit über begleitet, rekapitulierte Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt beim heutigen Pressetermin anlässlich der Vertragsunterzeichnung im Wunstorfer Rathaus – sichtlich zufrieden. „Das schafft der Eberhardt nie“, sei die Ansicht in der Stadt gewesen. Und auch Eberhardt persönlich war zuletzt skeptischer geworden. Bereits anlässlich der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover und entsprechend anstehenden Infrastrukturmaßnahmen bei der Bahn hatte der Bürgermeister versucht, den Bau einer Toilette im Bahnhof zu forcieren – was damals jedoch aus mangelndem Platz im Bahnhof gescheitert war.
Doch mittlerweile waren die Voraussetzungen gegeben. In jüngster Zeit hatte dann vor allem das Hindernis nicht auflösbar scheinender Haftungsfragen einer Errichtung im Weg gestanden. Was geschieht bei einer größeren „Havarie“? Geplatzte Wasserleitungen oder Ähnliches hätten mittelbar an der Technik der Bahnanlagen größere Schäden nach sich ziehen können, die schnell in die Millionen hätten gehen können – dieses Risiko war Wunstorf nicht bereit zu tragen – und hätte auch kaum einen Versicherer gefunden. Aber man wurde sich einig. Die Haftung bei Schäden und Folgeschäden für die Stadt ist nun auf 50.000 Euro gedeckelt, die Bahn übernimmt das Restrisiko.
50.000 ist besser als 50 Millionen
Rolf-Axel Eberhardt
Für die Errichtung wurde ein Gestattungsvertrag ausgehandelt, in welchem die Regelungen zum Bau und zur Nutzung der öffentlichen Toilette festgehalten werden. Laut Berechnungen entstehen für den Bau der Toilette Kosten in Höhe von ca. 100.000 Euro, an denen sich die Region Hannover voraussichtlich zu 50 Prozent im Rahmen eines Zuschusses beteiligen wird. Die Bahn übernimmt Strom, Wasser und Abwasser – und stellt die Räumlichkeiten. Die Stadt übernimmt neben dem Bau künftig jährlich rund 31.000 Euro Reinigungs- und Versicherungskosten.

Zur Vertragsunterzeichnung war Jörn Tunat, Leiter des Bahnhofsmanagements Hannover der Deutschen Bahn, ins Wunstorfer Rathaus gekommen. „Wir zeigen mal, dass es geht“, ordnete Tunat die Baumaßnahme als pilotcharakterhaft ein und umriss damit auch die Investitionen, die für das Bahnhofsgebäude in den kommenden Jahren dank Bundesförderung anstehen.
Eine Automatiktoilette wollte die Bahn nicht im Bahnhof, daher wird es eine klassische, vandalismussichere Bauweise. Aufgrund der Platzverhältnisse kann nur eine Toilette gebaut werden – es wird sich daher um eine Unsisextoilette handeln. Die Benutzung sollte ursprünglich kostenlos sein – ein Kassensystem zu installieren und zu warten wäre wahrscheinlich teurer als die zu erwartenden Einnahmen – doch die Politik wünscht sich trotzdem eine Bezahllösung, um die Kosten zu reduzieren. Über die Kostenpflichtigkeit ist daher das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Zugang soll später idealerweise über einen Schlüssel erfolgen, den man am Bahnhofsladen erhält. Solange dieser noch nicht existiert, soll die Toilette ohne Zugangskontrolle zwischen 6 und 21 Uhr nutzbar sein.
Einen kleinen Haken gibt es: Die Bahn könnte irgendwann den nun geschlossenen Vertrag auch wieder kündigen. Sollte das in den nächsten 20 Jahren geschehen, bekommt die Stadt allerdings ihr investiertes Geld zurück. Davon geht die Bahn jedoch nicht aus: In den kommenden Jahrzehnten sei das gesamte Areal wieder in einem guten Zustand und würde als Ganzes wirken, prognostizierte Tunat.
Die Toilette wird im vorderen Bereich des Bahnhofs direkt hinter dem Eingang rechts errichtet werden, an der Stelle, wo früher das Bahnsozialwerk untergebracht war, an der Wandseite zu Gleis 4. Baubeginn könnte im kommenden Jahr sein, innerhalb von zwei Jahren soll man dann auch die dringendsten Geschäfte wieder im Wunstorfer Bahnhof erledigen können.
Wurde aber auch Zeit, nicht nur ein WC muß in diesen Bahnhof, sondern das gesamte hässlich marode, unansehnliche Ding muß saniert werden!!! Der Anblick, dieser Bruchbude, außen wie innen, ist einfach nur ekelhaft; seid ca. 30/35 Jahren, oder länger, wurde an diesem ekligen, perversen Gebäude nichts mehr getan!? Einfach nur pfui, bäääh, abstossend; abreissen & neu aufbauen wäre das Beste!!!
Selbstreinigend wäre noch was
Zwei Dixi Toiletten mit Kameraüberwachung (außen) wären auf Dauer kostengünstiger. Einmal wieder eine falsche Lösung. Ich denke da an die Bahnunterführung Barbestraße. Da war eine zweispurige Lösung fûr Wunstorf zu teuer. Die Folgen tragen jetzt alle.