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Wie funktioniert die Wunstorfer Fledermausbrücke?

08.05.2026 • Redaktion • 3 Min.Kommentare: 13

Die im Bau befindliche Fledermausbrücke sorgt für große Kritik. Dass die große Stahlbetonkonstruktion keine Verkehrsbrücke wird, sondern dem Naturschutz dienen soll, war vielen bislang gar nicht klar. Wir zeigen, welche Idee dahintersteckt.

08.05.2026
Redaktion
3 Min.
Die Wunstorfer Fledermausbrücke im Fokus | Bild: Auepost

Wunstorf (red). Der Bericht von der Wunstorfer Fledermausbrücke in der Auepost hat ein großes Kommentarecho hervorgerufen. Kritisiert werden die Größe des rund 2 Millionen teuren Bauwerks, die Sinnhaftigkeit und die Kosten – Steuerverschwendung lautet ein Stichwort. Nicht wenige reagierten auch mit sarkastischem Humor: Wieso kein Kreisel für die Fledermäuse gebaut werde, wurde gefragt. Auch zusätzliche Ampeln, Blitzer und Beschilderung werden vermisst.

Die deutliche Kritik kann jedoch nicht nur als Reflex der von Verkehrsbaumaßnahmen genervten Stadtbewohner abgetan werden – Fledermausbrücken sind durchaus umstritten. Der Bund der Steuerzahler hatte beispielsweise im vergangenen Jahr ein vergleichbares Projekt in sein Schwarzbuch aufgenommen. Auch in der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Ergebnisse über die Effektivität von Fledermausbrücken oder Fledermaustunneln.

Sinnvoll oder Unsinn?

Solche Bauwerke werden vor allem als sinnvoll und funktionierend angesehen, wenn sie in bestehenden Flugrouten von Fledermäusen angelegt werden und nicht versuchen, die Flugbahnen der Tiere umzulenken. Dies entspricht der Vorgehensweise in Wunstorf: Die Brücke wird in einen existierenden Fledermauskorridor gebaut und soll sicherstellen, dass die Tiere eine Mindestflughöhe nicht unterschreiten können – und damit nicht gegen den rollenden Verkehr prallen. Denn beispielsweise zeigte vor allem eine britische Studie: Fledermäuse bleiben auch bei baulichen Veränderungen überwiegend in ihren angestammten Korridoren.

Gebaut werden solche Brücken, um den Vorgaben im Naturschutzrecht gerecht zu werden: Wenn mit neuen Bauwerken in die Natur eingegriffen wird, dann müssen die entstehenden Auswirkungen kompensiert werden. Das können auch Ausgleichsmaßnahmen sein, wie man sie etwa von Baumneupflanzungen kennt, aber hier geht es um Artenschutz: Manche Fledermausarten stehen in Deutschland bereits auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Und der Bau der Wunstorfer Nordumgehung durchschneidet eine bisherige Fledermausroute.

Die Idee dahinter

Bekannt sind die Pläne schon lange: Bereits 2022 konnten sich die Bürger genauer informieren, auch die Fledermausbrücke war dabei Teil der vorgestellten Projekte rund um den Nordumgehungsneubau.

Viele hören nun in diesem Zusammenhang allerdings zum ersten Mal vom Begriff einer Fledermausbrücke. Wer auf der bestehenden B441 aus Richtung Mesmerode, Bokeloh oder Steinhude und Hagenburg nach Wunstorf fährt, kann die neuerrichtete Brücke gut sehen – und mancher fragte sich dabei in den vergangenen Monaten bereits, ob dort ein Schildbürgerstreich gebaut wurde, da die Brücke scheinbar viel zu steil ist.

Dass es eine Fledermausbrücke ist und gar nicht für Menschen oder Fahrzeuge gedacht, war offensichtlich noch nicht allgemein verbreitet. Die gehörte Frage, warum eine Brücke gebaut wird für Tiere, die sowieso darüberfliegen, zeigt ebenso auch, dass die Hintergründe nicht bekannt sind.

Bislang stand eine geschlossene Baumreihe am Weg zum Hohen Holz, an der sich die Fledermäuse im Flug orientieren | Infographik: Auepost
Durch die frühere Baumreihe fährt künftig der Verkehr der Nordumgehung – Fledermäuse bleiben normalerweise aber in ihren gewohnten Korridoren | Infographik: Auepost

Dreh- und Angelpunkt ist die Baumreihe am Waldrand: Die Bäume sind ein wichtiger Orientierungspunkt für die Fledermäuse, was mit ihrer Fortbewegungsweise zusammenhängt. Die nachtaktiven Tiere sehen bei Dunkelheit gewissermaßen mit ihren Ohren: Fledermäuse stoßen während des Fluges hochfrequente Rufe aus. Dieser Ultraschall reflektiert an der Umgebung – an Bäumen, Bauwerken, Tieren oder anderem. Am zurückgeworfenen Echo des Schalls erkennen die Tiere ihre Umwelt und richten danach ihre Flugbewegungen aus. Besonders oft nutzen die Tiere natürliche Strukturen wie Bäume, Hecken und Baumreihen zur nächtlichen Navigation. Erkannte Hindernisse werden dabei überflogen.

Die Brücke bildet die Baumreihe nach und soll sicherstellen, dass Fledermäuse nicht mit dem Verkehr kollidieren | Infographik: Auepost

Die Annahme sieht nun folgendermaßen aus: Wird die bekannte Baum-Linie unterbrochen, entlang der sich die Tiere bislang fortbewegen, fliegen die Fledermäuse bald direkt in den kreuzenden Straßenverkehr auf der neuen B441. Dort, wo bislang ein halbes Dutzend Bäume stand, verläuft in einigen Jahren die neue Fahrbahn. Die Brücke ersetzt die Schneise, die für die Fledermäuse mit den für den Straßenverlauf gefällten Bäumen entstanden ist. Die Autos werden gewissermaßen in einen Tunnel geschickt, um unter den Fledermäusen hindurchzufahren.

Ob die Fledermäuse die Brücke am Ende wirklich wie vorgesehen nutzen oder sich andere Routen suchen oder sogar einfach neben der Brücke über die Fahrbahn fliegen, das wird sich aber erst herausstellen, wenn die Nordumgehung in späteren Jahren einmal eröffnet ist. Aktuell wird mit einer Fertigstellung um das Jahr 2030 herum gerechnet.

Siehe auch: Die Wunstorfer Fledermausbrücke
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Kommentare


  • Anonym sagt:

    Die Fledermausbrücke von Wunstorf: Beton gewordene Verwaltungslyrik

    Die Wunstorfer Fledermausbrücke ist eines dieser Bauwerke, bei denen man zunächst hofft, es handele sich um ein Missverständnis, eine Baustellenattrappe oder wenigstens um Satire mit Fördermittelbescheid. Aber nein: Für rund 2 Millionen Euro entsteht hier eine wuchtige Stahlbetonkonstruktion, die nicht Menschen, Fahrräder, Trecker, Kinderwagen oder Rettungsfahrzeuge über die Straße bringt, sondern Fledermäuse dazu animieren soll, an genau der richtigen Stelle hoch genug zu fliegen.

    Die Idee dahinter ist fachlich nicht völlig aus der Luft gegriffen: Die Nordumgehung durchschneidet eine bestehende Flugroute, Fledermäuse orientieren sich an Baumreihen, und die Brücke soll diese Struktur künstlich ersetzen. So weit, so nachvollziehbar. Aber genau darin liegt auch die Absurdität: Erst fräst man eine Straße durch einen funktionierenden Naturraum, fällt die Orientierung gebende Baumstruktur — und baut dann für sehr viel Geld eine Betonprothese, damit die Natur bitte weiterhin so tut, als sei nichts passiert.

    Das ist kein Naturschutz. Das ist Schadensmanagement mit Prestigekörper.

    Besonders pikant: Ob die Fledermäuse das Ding am Ende überhaupt wie geplant nutzen, weiß man noch gar nicht. Der Artikel sagt selbst, dass sich erst nach Eröffnung der Nordumgehung zeigen wird, ob die Tiere über die Brücke fliegen, sich andere Routen suchen oder schlicht daneben über die Fahrbahn fliegen. Mit anderen Worten: Man baut für Millionen ein Monument auf Grundlage einer plausiblen Annahme — und hofft anschließend, dass die Zielgruppe ohne Bauabnahme, Einweisung und Verkehrserziehung kooperiert.

    Architektonisch wirkt das Ganze wie eine Überführung, die ihren eigentlichen Zweck verpasst hat. Eine Brücke ohne Nutzer im menschlichen Sinn, ein Bauwerk ohne Aufenthaltsqualität, ein Objekt, das sich landschaftlich nicht einfügt, sondern breitbeinig erklärt: Hier hat die Planung gewonnen, nicht der Ort. Für die Bürgerinnen und Bürger sieht es zunächst aus wie ein viel zu steiler Schildbürgerstreich — und das ist fast das größte Kommunikationsversagen: Wenn ein Millionenbauwerk erst erklärt werden muss, weil seine Erscheinung maximal irritiert, dann hat nicht nur die Öffentlichkeit etwas nicht verstanden. Dann hat auch die Planung versäumt, ihre eigene Logik sichtbar zu machen.

    Der eigentlich bittere Punkt ist aber politisch: Die Brücke sieht aus wie Naturschutz, ist aber vor allem die Quittung für Straßenbau. Sie verkauft Kompensation als ökologische Fürsorge. Erst wird ein Korridor zerschnitten, dann wird teuer versprochen, dass man ihn irgendwie wieder zusammenflickt. Das ist ungefähr so, als würde man jemandem das Dach abreißen und sich anschließend für den Regenschirm feiern lassen.

    Natürlich: Artenschutz ist wichtig. Fledermäuse sind geschützt, manche Arten stehen auf roten Listen, und Eingriffe in Lebensräume müssen kompensiert werden. Aber gerade deshalb wirkt dieses Bauwerk so schief: Es reduziert Naturschutz auf ein technisches Sonderbauteil. Statt Landschaft zu erhalten, wird Landschaft ersetzt. Statt natürliche Struktur zu bewahren, gießt man eine Ersatzhandlung in Beton. Das Ergebnis ist eine Art ökologischer Beipackzettel zur Umgehungsstraße.

    Die Wunstorfer Fledermausbrücke ist damit weniger eine Brücke als ein Symbol: für Planungslogik, die Natur erst stört und dann teuer simuliert; für Behördenkommunikation, die Bürger mit fertigen Tatsachen und nachgereichten Erklärgrafiken abspeist; und für eine Baukultur, die selbst bei Fledermäusen noch glaubt, jedes Problem brauche zuerst einmal ein massives Ingenieurbauwerk.

    Oder etwas kürzer:

    Das Ding ist ein zwei Millionen Euro teures Beton-Alibi mit Ultraschall-Ambition.
    Ein Mahnmal dafür, dass man Natur heute offenbar nicht mehr schützt, sondern überplant, durchschneidet, kompensiert — und anschließend hofft, dass wenigstens die Fledermäuse den Bebauungsplan lesen.

    • Pia sagt:

      Sprachlich ist Ihr Kommentar stark. „Betonprothese“ und „Verwaltungslyrik“ treffen den Widerspruch ziemlich gut: Erst wird eine natürliche Struktur zerschnitten, dann wird teuer eine künstliche Ersatzstruktur gebaut und als Naturschutz erklärt.

      Ich würde nur nicht zwingend bei der Totalablehnung der Umgehungsstraße landen. Für mich ist eher die Angemessenheit entscheidend.

      Auffällig ist aber schon, dass viele lokale Projekte inzwischen wie Bausteine einer größeren Transformationslogik wirken: Verkehrswende, Energiewende, Artenschutz, Klimaschutz, Aufenthaltsqualität, Nachhaltigkeit. Das erinnert in der Begriffswelt durchaus an die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN-Agenda 2030, ohne dass dieser Zusammenhang vor Ort meist offen benannt wird.

      Genau dadurch entsteht Unbehagen: Den Bürgern werden solche Leitbilder selten als echte Grundsatzfrage vorgelegt. Stattdessen erscheinen sie als einzelne, scheinbar alternativlose Maßnahmen.

      Ich bin nicht gegen sinnvolle Lösungen. Wenn ein reales Problem besteht, braucht es angemessene Risikobehandlung. Aber angemessen heißt eben: wirksam, überprüfbar, verhältnismäßig und gegenüber Alternativen plausibel.

      Bei dieser Fledermausbrücke bleibt genau das offen. Nicht weil Fledermäuse unwichtig wären, sondern weil die Maßnahme wie ein sehr wuchtiger, monofunktionaler und schwer überprüfbarer Kompromiss wirkt.

      Nachhaltigkeit darf kein Etikett sein, das jede konkrete Zweckprüfung ersetzt.

  • Pia sagt:

    Die Erklärung der Fledermausbrücke macht die Sache für mich nicht zwingend plausibler, sondern wirft vor allem methodische Fragen auf.

    Die Grundannahme scheint zu sein: Die Fledermäuse orientieren sich bislang an der bestehenden Baumreihe. Wird diese Baumreihe durch die künftige Straße unterbrochen, besteht die Gefahr, dass die Tiere in den Verkehrsraum geraten. Die Brücke soll diese Leitstruktur ersetzen und die Fledermäuse dazu bringen, oberhalb des späteren Verkehrs zu bleiben.

    Das kann man als Hypothese formulieren. Aber genau als Hypothese müsste es dann auch behandelt und überprüft werden.

    Denn selbstverständlich ist diese Wirkungsannahme nicht. Wenn Fledermäuse sich bislang an Baumkronen orientieren, wäre ebenso denkbar, dass sie eine Lücke auf ähnlicher Höhe überfliegen, seitlich ausweichen, zur nächsten Baumstruktur weiterfliegen oder sich wetter- und nahrungsabhängig ohnehin anders bewegen. Fledermäuse fliegen ja nicht nach Bauwerksplanung, sondern je nach Art, Orientierung, Jagdverhalten, Wetterlage und Insektenflug.

    Die entscheidende Frage ist daher nicht abstrakt, ob Fledermäuse schützenswert sind. Das sind sie. Die entscheidende Frage ist auch nicht abstrakt, ob Beton ökologische Nebenwirkungen hat. Hat er. Die konkrete Frage lautet vielmehr:

    Funktioniert genau diese Fledermausbrücke an genau dieser Stelle tatsächlich?

    Ein späterer Nachweis einzelner Fledermäuse über der Brücke wäre dafür methodisch zu dünn. Damit wäre nur gezeigt, dass auch einmal Fledermäuse dort fliegen, wo eine Brücke steht. Entscheidend wäre aber, ob der maßgebliche Flugkorridor tatsächlich über die Brücke geführt wird – oder ob ein erheblicher Teil der Tiere daneben, tiefer, höher oder auf ganz anderen Routen unterwegs ist.

    Für einen echten Wirksamkeitsnachweis bräuchte es deshalb eine belastbare Vorher-Nachher-Erfassung: Wo fliegen die Tiere jetzt? In welcher Höhe? In welcher Häufigkeit? Entlang welcher Linie? Wie breit ist der tatsächliche Korridor? Und wie verändert sich das nach Bau, Bepflanzung und späterer Verkehrsfreigabe?

    Genau daran entscheidet sich, ob die Brücke das behauptete Kollisionsrisiko wirklich reduziert – oder ob sie vor allem eine formal passende Artenschutzmaßnahme darstellt.

    Hinzu kommt die Alternativenfrage. Warum wurde offenbar eine reine Fledermausbrücke gewählt, die sonst keinen weiteren Nutzen hat? Wurde geprüft, ob eine kombinierte Lösung möglich gewesen wäre – etwa eine tiefer geführte Straße mit seitlichen Wällen und darüber eine ausreichend breite Grün- und Wegequerung, die zugleich Fledermausleitstruktur sowie Verbindung für Fußgänger, Radfahrer oder Fahrzeuge sein könnte?

    Natürlich kann es technische, planerische oder finanzielle Gründe geben, warum so etwas dort nicht möglich war. Aber dann müssten diese Gründe transparent benannt werden.

    Solange offen bleibt, ob die Brücke tatsächlich wirksam ist, wie ihr Erfolg gemessen wird und warum keine multifunktionale Alternative gewählt wurde, bleibt der Eindruck: Hier wurde eine sehr auffällige Sonderlösung gebaut, deren Nutzen erst Jahre später behauptet oder überprüft werden kann.

    Eine Artenschutzmaßnahme ist aber nicht schon deshalb wirksam, weil sie als Artenschutzmaßnahme geplant wurde.

  • Rika sagt:

    Ich verstehe diese Fledermausbrücke ehrlich gesagt nicht so richtig, weil bei einer Straße offenbar schon ein mögliches Risiko für Fledermäuse so ernst genommen wird, dass dafür ein riesiges Betonbauwerk entsteht, obwohl ja noch gar nicht sicher ist, ob die Fledermäuse diese Brücke später wirklich so nutzen, wie man sich das vorstellt. Gleichzeitig kommt es mir aber so vor, als wäre man bei anderen Projekten viel großzügiger. Windräder können ja auch Vögel und Fledermäuse gefährden, große Photovoltaikflächen verändern ganze Landschaften und nehmen bestimmt auch Tieren Lebensraum weg, aber weil solche Projekte als ökologisch gelten, wird dort viel eher abgewogen und erklärt, warum das trotzdem alles richtig und wichtig ist. Bei der Straße reicht dagegen anscheinend schon ein hypothetisches Risiko, damit so eine massive Sonderlösung gebaut wird. Ich finde Artenschutz wichtig, aber dann müsste er doch bei allen Projekten gleich ernst genommen werden, egal ob es um Straßen, Windkraft, Photovoltaik oder andere Eingriffe geht. Sonst wirkt es so, als würde Artenschutz mal ganz streng und mal ziemlich großzügig ausgelegt, je nachdem, ob ein Projekt politisch gerade gut ins Bild passt oder nicht. Und genau deshalb finde ich diese Brücke so schwer nachvollziehbar.

  • Wunstorfer sagt:

    Interessant ist auch die Zeitachse der Nordumgehung.

    Im Auepost-Artikel „Verkehrsministerium: Baufreigabe für Wunstorfer Nordumgehung“ vom 11.06.2021 hieß es noch, nach der Baufreigabe könne der Baubeginn im September 2021 erfolgen und die Gesamtfertigstellung könne 2026 abgeschlossen sein.

    Inzwischen stehen einzelne Bauwerke längst in der Landschaft: die sogenannte Fahrradbrücke, die über eine noch nicht vorhandene Straße führt, die Fledermausbrücke und weitere vorbereitende Maßnahmen. Das eigentliche Ziel, nämlich die fertige Umgehungsstraße, verschiebt sich dagegen offenbar weiter Richtung 2030.

    Für Bürger wirkt das schon merkwürdig: Nebenbauwerke, Ausgleichsmaßnahmen und Brücken sind sichtbar da. Der verkehrliche Nutzen, mit dem das Gesamtprojekt ursprünglich begründet wurde, bleibt aber Jahr um Jahr Zukunftsmusik.

    Zumal die Fahrradbrücke bereits in den Kommentaren wegen ihrer Breite diskutiert wurde und es dort auch schon einen Unfall im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Bauwerks gab. Die Begleitbauwerke sind also nicht nur da, sondern werfen selbst wieder neue Fragen auf.

    Da wäre eine ehrliche Zwischenbilanz interessant: Was war 2021 geplant? Was ist tatsächlich passiert? Warum verschiebt sich die Fertigstellung so drastisch? Welche Kostenentwicklung gibt es? Und warum wird über diese Verzögerungen nicht ebenso deutlich berichtet wie über einzelne Brücken und Ausgleichsmaßnahmen?

  • Bürger sagt:

    Ich fahre seit knapp 40 Jahren Autos. PKWs, gelegentlich auch LKWs. In all den Jahren bin ich tatsächlich einmal nachts mit einer Taube kollidiert. Eine Fledermaus war nie dabei. Bekanntlich können sich diese nachts wesentlich besser orientieren und Objekte orten. Der Sinn oder Unsinn dieser Fledermausbrücke ist mir seit Jahren bekannt. Ich habe gezielt in meinem Bekanntenkreis in den letzten Jahren gefragt, ob denn schon einmal jemand mit seinem Fahrzeug mit einer Fledermaus zusammengestoßen sein. Ergebnis: niemand! Ich halte die Fledermäuse für intelligenter als die Personen, die sich diese Brücke ausgedacht haben.

    • Kerstin sagt:

      Vielleicht fehlt mir einfach auch die historische Erfahrung mit Fledermauskatastrophen im Straßenbau.

      Denn Straßen, Bundesstraßen, Umgehungsstraßen und Autobahnen wurden ja schon früher gebaut – meist ohne eigene Fledermausbrücken. Wenn das Problem so gravierend ist, müsste man doch eigentlich aus der Vergangenheit eindrucksvolle Erfahrungswerte kennen: rechts und links der Fahrbahn meterhohe Haufen verunglückter Fledermäuse, morgens auf dem Hinflug die eine Straßenseite, abends auf dem Rückflug die andere.

      Genau solche Bilder kenne ich aber nicht. Man sieht überfahrene Igel, Hasen, Katzen, manchmal Vögel. Aber dass an Straßen regelmäßig erkennbare Mengen toter Fledermäuse liegen, ist mir jedenfalls noch nie aufgefallen.

      Das beweist natürlich nicht, dass es keine Kollisionen gibt. Fledermäuse sind klein, nachtaktiv und möglicherweise schwerer zu finden. Aber wenn ein Risiko ein Millionenbauwerk dieser Wucht rechtfertigen soll, müsste es doch konkret und ortsbezogen belegbar sein. Besonders irritierend ist dabei die Massivität des Bauwerks: Die Brücke wirkt, als müsse sie schwerste Fahrzeuge oder gepanzertes Gerät tragen. Tatsächlich soll sie aber offenbar nur als optische bzw. strukturelle Leithilfe für fliegende Fledermäuse dienen. Da fragt man sich schon, warum es dafür eine derart wuchtige Stahlbetonkonstruktion braucht. Wenn es im Kern darum geht, Fledermäuse zum höheren Queren anzuregen, müsste zumindest erklärt werden, warum keine leichtere, grünere oder multifunktionale Lösung möglich war – überspitzt gesagt eher eine Leitstruktur als eine Panzerbrücke.

      Die Frage bleibt deshalb: Welche tatsächlichen Daten zeigen, dass an genau dieser Stelle ohne diese Brücke ein erhebliches Fledermaus-Kollisionsrisiko entsteht – und dass genau dieses Bauwerk dieses Risiko wirksam reduziert?

      • Anonym sagt:

        @Kerstin: „Besonders irritierend ist dabei die Massivität des Bauwerks: Die Brücke wirkt, als müsse sie schwerste Fahrzeuge oder gepanzertes Gerät tragen.“

        Verdammte Axt, warum bin ich da nicht drauf gekommen – die Kerstin hat genau den Finger drauf.

        Das Bauwerk ist gar nicht für Fledermäuse gedacht! Es dient dazu, falls der Russe morgen in Richtung Fliegerhorst vorstoßen sollte, ihn komplett zu verwirren. Er wird versuchen, mit seinen minderwertigen T72- und Armata-Panzern über diese Brücke zu fahren und jämmerlich stecken bleiben. Sehr raffiniert eingefädelt!

        Und nachdem wir bereits alle Wegweiser in Polen, die in Richtung Deutschland zeigen, umgestellt und verbogen haben, damit sich die Russen komplett verfahren, kann nun nichts mehr schiefgehen. Falls es dennoch ein Russe mit seinem Panzer bis Wunstorf schafft, wird er an dieser Brücke kläglich scheitern und kann direkt gefangen genommen und unserem Pistorius zum Verhör vorgeführt werden!

        Ich bin beeindruckt von der Kriegslist der Wunstorfer Spitze – Hut ab. Da könnten sich Carl von Clausewitz, Sun Tzu, die Chinesen mit ihren 36 Strategemen und Machiavelli eine gehörige Scheibe abschneiden.

        Besonders dies als Fledermausbrücke zu tarnen, werte ich als Zeichen sehr intelligenter taktischer Überlegungen. Ich glaube nunmehr sogar, dass auch der Barne-Kreisel eine ganz andere Funktion hat, als nur einen Kreisverkehr zu ermöglichen. Vielleicht verbirgt sich darunter eine Abschussrampe?! So kreisrunde Abschussrampen kennt man ja.

        Und auch der Umbau der Innenstadt und die Erweiterung des Elements erscheinen nun in einem ganz anderen Licht. Sollen im Elements vielleicht U-Boot-Kapitäne ausgebildet werden? Das könnte die Anzahl der geplanten Becken erklären!

        Ich meine, Wunstorf-Idensen hatte mit Herrn Hans-Georg Hess bereits einen berühmten U-Boot-Kommandanten des U-Bootes U 995, welches heute als Museumsboot am Marine-Ehrenmal Laboe bei Kiel liegt.

        Da schließt sich der Kreis. Ich bin von dem Hinweis von Kerstin beeindruckt – plötzlich wird alles so viel klarer…

        Und wer Spuren von Satire entdeckt, darf sie behalten.

  • Anonym sagt:

    @Bürger: „In all den Jahren bin ich tatsächlich einmal nachts mit einer Taube kollidiert.“
    Ja – das ist auch kein Wunder, denn eine Taube kann ja bekanntermaßen nichts hören.

  • Anwohner Barnestraße sagt:

    Das beste wäre an diesem „ Triumph-Bogen“ gezielt Werbebanner anzubringen und zu vermieten damit Geld für diesen Blödsinn wieder reinkommt damit sich dieses Ding eventuell refinanziert!
    Aber eine Frage habe ich noch: wäre eine Brücke für Fußgänger nicht Sinnvoller? Haben wir nicht auch Anspruch auf Artenschutz? Oder kommt da eine Ampel auf dem Weg zum „Altenruh“ hin?
    Ansonsten… Respekt ihr Flattendings… eigene Brücke! Daumen hoch! Batmans Freunde sind auch meine Freunde!

    • Andreas sagt:

      Die Verbindung Alten’s Ruh wird doch gekappt.
      So habe ich die Verbindungsplanung für die einzelnen Verkehrsarten seit 2009 (Ich meine, da war die Entscheidung) immer verstanden.
      Radfahrer und Fußgänger werden dann entlang des neuen Kreisverkehrs weitergeführt, aber eben nicht mehr Richtung Alten’s Ruh.

      Sozusagen „Aus die Maus“, äh Fledermaus.

      Oder hab ich das falsch verstanden? Dann bitte, liebe Auepost-Redaktion, in einem Bericht mal erklären. Danke!

  • Edward England sagt:

    Ich frage mich: Was haben die Fledermäuse gemacht, wenn der Wald mal brannte und er plötzlich nicht mehr da war?
    Diese Tierchen sind nicht dumm und überleben seit zig tausende von Jahren oder mehr.
    Ja, auch ich bin für Artenschutz und wir sollten auch aktiv das Klima schützen, aber manches geht dann doch daneben. Müsste nicht auf der Brücke jetzt mehrere Infrarotkameras installiert werden, und von Umweltschützer und Forschern überwacht werden?
    Okay, man hat jetzt ja auch dann keinen direkten Vergleich, so ohne Fledermausbrücke.

    Ich denke, dass das Geld besser woanders angelegt wäre. So zum Beispiel in Schulprojekte. Da ist das Geld irgendwie immer knapp.

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