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Graffiti-Werkstatt am Wunstorfer Marktplatz: Mit der Spraydose für die Demokratie

23.08.2026 • Daniel Schneider • 4 Min.Kommentare: 0

Sie hatten den Wettbewerb des Demokratiebündnisses gewonnen und durften nun öffentlich an der Stadtkirche ihre Motive auf große Flächen sprühen: Schüler aus den weiterführenden Wunstorfer Schulen. Am 22. August entstanden in wenigen Stunden 6 imponierende Graffiti-Kunstwerke.

23.08.2026
Daniel Schneider
4 Min.
Henrike aus dem 10. Jahrgang des Hölty-Gymnasiums setzt Farbe ein | Fotos: Schneider

Die Schnitterin vom Schnitterinnenbrunnen schien etwas ratlos zu wirken, während sie stumm auf die Szenerie unter ihr schaute. So etwas hatte sie dort in den vergangenen 45 Jahren nicht zu sehen bekommen: Um sie herum waren Bauzäune drapiert, auf denen große weiße Folien gespannt waren. Und dann wurde zu den Spraydosen gegriffen. Acht Künstlerinnen und ein Künstler schufen dort unter Beobachtung der Passanten live große Graffiti-Motive. Für viele war es dabei eine Premiere, sie hantierten zum ersten Mal mit Sprühfarbe auf Leinwand.

Das Wunstorfer Bündnis für Demokratie hatte im vergangenen Juni zum künstlerischen Graffiti-Wettbewerb aufgerufen. Die Reaktion an den Wunstorfer Schulen war so groß gewesen, dass man die Bedingungen nachträglich noch angepasst hatte. Über 30 Skizzen waren für den Wettbewerb abgegeben worden, trotz bevorstehender Ferienzeit und knapper Frist.

Ursprünglich wollte die Jury des Demokratiebündnisses unter den Einreichungen vier Entwürfe prämieren, die dann tatsächlich groß als Graffiti in der Stadt gesprüht werden sollten. Doch am Ende konnte man sich nicht auf vier Sieger einigen, sondern kürte gleich sechs Gewinner.

Die Schnitterinnen-Statue bekommt ganz neue Eindrücke zu sehen

Am Samstag, den 22. August 2026, war es dann so weit: Die Gewinner durften zu den Spraydosen greifen. Die Sprüh-Bauzäune rund um den Bereich des Schnitterinnenbrunnens, der dafür wie gemacht schien, stellte die Stadt auf, während der örtliche Malereibetrieb Temps die Farbe und weiteres Material sponserte.

Da die Gewinner sowohl von Hölty-Gymnasium, evangelischer IGS als auch von der Otto-Hahn-Schule kamen, waren ebenfalls Kunstlehrer von den drei Schulen vor Ort und unterstützten die Schüler bei der Umsetzung der Werke, darunter Tilman Heinicke von der IGS und Katja Ippisch vom Hölty-Gymnasium. Auch Hölty-Schulleiter Dr. Robert Conrad schaute persönlich vorbei.

Über Stunden wird gesprayt

Um 11 Uhr begann die Aktion direkt am Wunstorfer Marktplatz neben der Stadtkirche. Zwischen den bereits dort stehenden Bauzäunen des Stadtkirchturm und des Sparkassengeländes wären die neuen Bauzäune fast nicht weiter aufgefallen, aber das Demokratiebündnis sorgte für den entsprechenden Rahmen. Der Infostand, der zuvor noch auf dem Marktplatz gestanden hatte, wurde zur Graffiti-Aktionsfläche versetzt.

Die vorbereiteten Leinwände …
… mit den verschiedenen Motiven zum Thema Demokratie
Rasch wird es bunter
Mit diesem Motiv hatte sich Vlada aus dem 11. Jahrgang des Hölty einen Siegerplatz gesichert … | Foto: privat
… nun entstand es in Lebensgröße mitten in Wunstorf | Fotos: Schneider
Nebenan sprayt Kaitlyn, ebenfalls Hölty-Schülerin, an ihrem Motiv
Auf der Rückseite hantiert IGS-Schülerin Karina aus dem 10. Jahrgang mit den Farben

Als ein paar Regenwolken aufzogen, wurden zusätzliche Pavillons über den Leinwänden und Künstlern aufgestellt. Live-Musik gab es ebenfalls dazu – ein Gitarrist spielte auf einer mobilen Bühne am Marktplatz. Auch die Besucher des City Beach verfolgten die Aktion mit entsprechendem Interesse. Der Getränke-Stand der Küsters-Crew hatte extra zur Aktion früher geöffnet.

Louisa (li.) und Fatima von der Otto-Hahn-Schule arbeiten gegenüber an einem Globus-Motiv
Einen Schritt entfernt wird die Vorgehensweise beraten
Dort wird sogar zu dritt gearbeitet
Das Motiv stammt von Henrike (li.). Sie hatte sich Unterstützung von Greta (Mitte) und Isa (re.) geholt, die mitsprayten
Otto-Hahn-Schüler Mats malt mit kubistischen Einflüssen

Die Leinwände waren vorbereitet gewesen, die Motive zum Stichwort „Demokratie“ waren angezeichnet. Nun galt es, die Motive tatsächlich mit Sprühfarbe umzusetzen. Schnell wurden die späteren Motive erkennbar, die Farben füllten die zuvor weißen Leinwände. Kunstvoll formten sich zunehmend die Motive. Dabei waren auch technische Probleme zu umschiffen: Einige hatten ihre Skizzen im Hochformat gestaltet, für die Graffito auf Leinwand mussten sie dann ins Querformat übertragen werden.

Passanten voller Anerkennung

Nach zwei Stunden Gestaltung waren die Grundmotive dann bereits deutlich zu sehen, immer mehr Passanten und Innenstadtbesucher riskierten einen Blick auf die entstehenden Graffiti. Bis zum späten Nachmittag wurde gemalt, gesprayt und mit Schablonen und Stiften hantiert.

Dirk Kribbe vom Demokratiebündnis schaut zu, wie das Bild entsteht
Kreativpause – das Arbeiten mit Atemschutzmasken ist ungewohnt und erschwert die Kommunikation
Musik gibt’s von der Bühne
Orange dominiert
Vladas Entwurf wird in dieser Größe zunehmend beeindruckender
Peter verteilt weiteres Malwerkzeug
Ein Pavillon muss im Livebetrieb umziehen
… und wird in Richtung der Leinwände gehievt
Vorsichtig werden sie über die Leinwände geschoben als Regenschutz
Martin Pavel und sein Sohn haben ein neues Lieblingsmotiv entdeckt
An diesem arbeitet Mats, Jahrgang 8 der Otto-Hahn-Schule
Bürgermeister Carsten Piellusch macht Pause beim Wahlkampf und schaut sich die Bilder ebenfalls an. Der Blick bleibt hängen …
… bei dem Bild von Fatima und Louisa
Viele machen Fotos von den entstehenden Werken
Immer deutlicher werden die Motive sichtbar …
… nehmen Gestalt an …
… und formen sich zum endgültigen Graffito
Feinarbeit am Motiv
… auf voller Fläche
Isa kümmert sich um ein Ypsilon
Schabloneneinsatz …
… und präziser Strich
Nicht mehr weit entfernt von der Vorlage
… aber noch lange nicht vollendet

Die fertigen Graffti-Werke sollen nun eine gute Woche in der Wunstorfer Innenstadt zum Betrachten am Schnitterinnenbrunnen bleiben – eine Form der Freiluft-Galerie ist damit entstanden.

Ende nächster Woche werden die Leinwände dann abgebaut, um zum Cherry-Harvest-Festival in Klein Heidorn umzuziehen, das das Demokratiebündnis dort veranstaltet. Die Besucher dort werden die Graffiti so ebenfalls direkt bewundern können.

Anschließend sollen sie zum „Küsters“ umziehen, wo die Graffiti eine kleine Dauerausstellung bilden werden.

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