
Die Schnitterin vom Schnitterinnenbrunnen schien etwas ratlos zu wirken, während sie stumm auf die Szenerie unter ihr schaute. So etwas hatte sie dort in den vergangenen 45 Jahren nicht zu sehen bekommen: Um sie herum waren Bauzäune drapiert, auf denen große weiße Folien gespannt waren. Und dann wurde zu den Spraydosen gegriffen. Acht Künstlerinnen und ein Künstler schufen dort unter Beobachtung der Passanten live große Graffiti-Motive. Für viele war es dabei eine Premiere, sie hantierten zum ersten Mal mit Sprühfarbe auf Leinwand.
Das Wunstorfer Bündnis für Demokratie hatte im vergangenen Juni zum künstlerischen Graffiti-Wettbewerb aufgerufen. Die Reaktion an den Wunstorfer Schulen war so groß gewesen, dass man die Bedingungen nachträglich noch angepasst hatte. Über 30 Skizzen waren für den Wettbewerb abgegeben worden, trotz bevorstehender Ferienzeit und knapper Frist.
Ursprünglich wollte die Jury des Demokratiebündnisses unter den Einreichungen vier Entwürfe prämieren, die dann tatsächlich groß als Graffiti in der Stadt gesprüht werden sollten. Doch am Ende konnte man sich nicht auf vier Sieger einigen, sondern kürte gleich sechs Gewinner.

Am Samstag, den 22. August 2026, war es dann so weit: Die Gewinner durften zu den Spraydosen greifen. Die Sprüh-Bauzäune rund um den Bereich des Schnitterinnenbrunnens, der dafür wie gemacht schien, stellte die Stadt auf, während der örtliche Malereibetrieb Temps die Farbe und weiteres Material sponserte.
Da die Gewinner sowohl von Hölty-Gymnasium, evangelischer IGS als auch von der Otto-Hahn-Schule kamen, waren ebenfalls Kunstlehrer von den drei Schulen vor Ort und unterstützten die Schüler bei der Umsetzung der Werke, darunter Tilman Heinicke von der IGS und Katja Ippisch vom Hölty-Gymnasium. Auch Hölty-Schulleiter Dr. Robert Conrad schaute persönlich vorbei.
Um 11 Uhr begann die Aktion direkt am Wunstorfer Marktplatz neben der Stadtkirche. Zwischen den bereits dort stehenden Bauzäunen des Stadtkirchturm und des Sparkassengeländes wären die neuen Bauzäune fast nicht weiter aufgefallen, aber das Demokratiebündnis sorgte für den entsprechenden Rahmen. Der Infostand, der zuvor noch auf dem Marktplatz gestanden hatte, wurde zur Graffiti-Aktionsfläche versetzt.







Als ein paar Regenwolken aufzogen, wurden zusätzliche Pavillons über den Leinwänden und Künstlern aufgestellt. Live-Musik gab es ebenfalls dazu – ein Gitarrist spielte auf einer mobilen Bühne am Marktplatz. Auch die Besucher des City Beach verfolgten die Aktion mit entsprechendem Interesse. Der Getränke-Stand der Küsters-Crew hatte extra zur Aktion früher geöffnet.





Die Leinwände waren vorbereitet gewesen, die Motive zum Stichwort „Demokratie“ waren angezeichnet. Nun galt es, die Motive tatsächlich mit Sprühfarbe umzusetzen. Schnell wurden die späteren Motive erkennbar, die Farben füllten die zuvor weißen Leinwände. Kunstvoll formten sich zunehmend die Motive. Dabei waren auch technische Probleme zu umschiffen: Einige hatten ihre Skizzen im Hochformat gestaltet, für die Graffito auf Leinwand mussten sie dann ins Querformat übertragen werden.
Nach zwei Stunden Gestaltung waren die Grundmotive dann bereits deutlich zu sehen, immer mehr Passanten und Innenstadtbesucher riskierten einen Blick auf die entstehenden Graffiti. Bis zum späten Nachmittag wurde gemalt, gesprayt und mit Schablonen und Stiften hantiert.
























Die fertigen Graffti-Werke sollen nun eine gute Woche in der Wunstorfer Innenstadt zum Betrachten am Schnitterinnenbrunnen bleiben – eine Form der Freiluft-Galerie ist damit entstanden.
Ende nächster Woche werden die Leinwände dann abgebaut, um zum Cherry-Harvest-Festival in Klein Heidorn umzuziehen, das das Demokratiebündnis dort veranstaltet. Die Besucher dort werden die Graffiti so ebenfalls direkt bewundern können.
Anschließend sollen sie zum „Küsters“ umziehen, wo die Graffiti eine kleine Dauerausstellung bilden werden.
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