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Bündnis für Demokratie ruft zum Sprayen auf

04.06.2026 • Redaktion • 2 Min. • Kommentare: 4

Mit zwei großen Demonstrationen in Wunstorf verbindet man bislang das Bündnis für Demokratie. Nun geht man mit einem großen Graffiti-Wettbewerb an den Start: Junge Menschen sollen ihre Entwürfe einreichen – und die Gewinner am Ende groß zur Spraydose greifen können. Weitere Events sind geplant.

04.06.2026
Redaktion
2 Min.
Ein Graffito in Wunstorf (Symbolbild) | Foto: Schneider

Wunstorf (red). Das Wunstorfer Bündnis für Demokratie ruft alle Jugendlichen in der Stadt dazu auf, sich kreativ mit dem Thema Demokratie auseinanderzusetzen: Im Rahmen eines Graffiti-Wettbewerbs, der junge Menschen ermutigen soll, ihre Gedanken, Ideen und Hoffnungen zur demokratischen Gesellschaft sichtbar zu machen.

Die Aktion steht in Zusammenhang mit der bevorstehenden Kommunalwahl. Unter dem Motto „Was bedeutet Demokratie für dich?“ sind Jugendliche nun eingeladen, Entwürfe auf A3-Papier einzureichen. „Geht zur Kommunalwahl“, lautet der damit verknüpfte Appell des Bündnisses an die jungen Wählerinnen und Wähler. Besonders jene, die in diesem Jahr zum ersten Mal wählen dürfen, sollen motiviert werden, ihre Stimme auch zu nutzen.

Keine Demos mehr

Das Bündnis hatte sich vor gut zweieinhalb Jahren gebildet. Am Anfang hatte die Idee eines Einzelnen gestanden, der auch in Wunstorf Protest gegen das damals als „Remigrations-Treffen“ bekannt gewordene Geschehen organisieren wollte, als in ganz Deutschland Menschen auf die Straße gingen. Es führte zu zwei Demonstrationen, die Wunstorf in dieser Form noch nie erlebt hatte. 2024 und 2025 bleiben in Erinnerung.

Weitere Demonstrationen gegen Rechtsextremismus habe man unterdessen nicht geplant, berichtete Dirk Kribbe vom Demokratiebündnis zuletzt im Gespräch mit der Auepost. Demonstrationen stehen nicht mehr auf der Agenda, das sei Vergangenheit. Man will nicht in ein wiederkehrendes Muster fallen, sondern mit neuen Ideen für Demokratie eintreten – Ideen, die vermehrt auch die Jugend ansprechen. Denn gerade um die ginge es schließlich, meint Kribbe.

Die Arbeit des Bündnisses konzentriert sich damit nun auf andere Formate – wie beispielsweise die aktuelle Graffiti-Aktion. Auch ein musikalisches Ereignis soll im Laufe des Jahres noch eine Rolle spielen, heißt es vonseiten des Bündnisses. Ideen dazu konkretisieren sich gerade.

Graffiti für die Demokratie

Doch zunächst sollen Graffiti skizziert werden, um am Wettbewerb teilzunehmen. Das Höchstalter liegt bei 20 Jahren. Einreichen lassen sich die Entwürfe über verschiedene Stellen: Schüler der drei weiterführenden Schulen in Wunstorf – Hölty-Gymnasium, evangelische IGS und Otto-Hahn-Schule – sollen ihre Werke direkt bei den dortigen Kontaktpersonen abgeben. Jugendliche aus Wunstorf, die nicht hier zur Schule gehen, können ihre Entwürfe ab dem 24. Juni zu den dortigen Geschäftszeiten in der TheaterBar abgeben.

Die Teilnahmebedingungen: Handgezeichnete Entwürfe im A3-Format einreichen (bei Bedarf können Detailblätter ergänzt werden). Name, Alter und Kontaktdaten beilegen. Abgabeschluss: 30. Juni 2026.

Beim Graffiti-Wettbewerb gibt es zwei Altersgruppen: Gewertet wird in den Kategorien „bis 17 Jahre“ und „bis 20 Jahre“. Sowohl Einzelkünstler als auch Gruppen können teilnehmen. Gewünscht werden Skizzen möglichst im Format A3 – dem großen Zeichenblockformat.

Der Wettbewerb endet am 30. Juni – zunächst. Denn dann wird es erst richtig spannend: Die Gewinner dürfen ihre Entwürfe am 22. August dann großflächig umsetzen, also „richtig sprühen“, wie es das Bündnis ankündigt. Über die Gewinnerentwürfe entscheidet eine Jury – die nach den Merkmalen „Kreativität“, „Aussagekräftigkeit“ und „demokratisch inspirierte Ideen“ bewerten wird.

Das Bündnis freut sich auf zahlreiche kreative Ideen und hofft, dass möglichst viele junge Menschen damit zeigen werden: „Demokratie lebt vom Mitmachen – auch mit der Spraydose!“

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Kommentare


  • Demokrat sagt:

    Demokratie lebt vom Mitmachen – ja. Aber warum ausgerechnet das Besprühen von Flächen mit Spraydosen als demokratischer Akt dargestellt wird, erschließt sich mir nicht.

    Graffiti ist keine neutrale Ausdrucksform. Man findet es legal auf freigegebenen Flächen, aber eben auch massenhaft illegal an S-Bahnen, Güterwagen, Gebäuden, Brücken und sonstigen fremden Flächen. Dort verursacht es Kosten, beschädigt fremdes Eigentum und ist gerade kein demokratischer Beitrag, sondern schlicht Sachbeschädigung.

    Wenn Jugendliche auf erlaubten Flächen sprühen, kann das Kunst, Jugendkultur oder kreative Meinungsäußerung sein. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber daraus folgt noch nicht, dass das Benutzen von Spraydosen etwas spezifisch Demokratisches wäre.

    Demokratie bedeutet für mich offene Debatte, Wahlteilnahme, Meinungsfreiheit, gleiche politische Rechte, Verantwortlichkeit und die Bereitschaft, auch abweichende Ansichten auszuhalten. Eine Spraydose kann vielleicht ein Medium sein, um eine Meinung sichtbar zu machen. Sie macht diese Äußerung aber nicht automatisch demokratisch.

    Gerade weil Graffiti in der Praxis häufig mit illegaler Beschädigung fremden Eigentums verbunden ist, wäre eine genauere Begründung sinnvoll: Was genau soll an dieser Aktion demokratisch sein – das Motiv, die Beteiligung Jugendlicher, die erlaubte Fläche oder tatsächlich das Sprühen selbst?

  • Carsten W. sagt:

    Wenn Sprayen bereits als besonders demokratienaher Ausdruck gilt, ließe sich das Konzept konsequent erweitern: Man könnte sich gegenseitig mit Fingerfarben bemalen, dazu seinen Namen tanzen und anschließend erklären, dass genau darin der Wesenskern demokratischer Teilhabe sichtbar werde.

    Vielleicht ist damit aber auch gar nicht Demokratie im klassischen Sinne gemeint, sondern eher das, was inzwischen häufig als „unsere Demokratie“ bezeichnet wird. Dieser Unterschied scheint ja durchaus wichtig zu sein: Demokratie als offene politische Ordnung ist das eine. „Unsere Demokratie“ klingt dagegen oft eher nach einem betreuten Haltungsraum, in dem bestimmte Ausdrucksformen als besonders wertvoll gelten, sofern sie zur gewünschten Botschaft passen.

    Gegen kreative Jugendarbeit ist nichts einzuwenden. Nur sollte man sauber trennen zwischen Freizeitangebot, politischer Ansprache und Demokratie. Demokratie besteht im Kern aus Meinungsbildung, Streit, Wahl, Kontrolle, Rechenschaft und gleichen politischen Rechten. Spraydosen, Fingerfarben oder Ausdruckstanz können das begleiten. Sie ersetzen es aber nicht.

  • Anonym sagt:

    Demokratie lebt vom Gespräch – nicht von Brandmauern und Spraydosen

    Was sich Dirk Kribbe und das sogenannte „Bündnis für Demokratie“ hier leisten, ist meiner Meinung nach die pure Heuchelei. Man gibt sich bunt, offen, jugendnah und demokratisch – und meint damit offenbar: Demokratie ist nur dann willkommen, wenn sie ins eigene Weltbild passt.

    Wer sich zum selbsternannten Hüter der Demokratie aufschwingt, gleichzeitig aber eine starke demokratisch gewählte Oppositionspartei ausgrenzen, diskriminieren und mit einer Brandmauer umgeben will, hat Demokratie nicht verstanden. Demokratie bedeutet Wettbewerb der Argumente, politische Auseinandersetzung und Respekt vor Wählerentscheidungen. Sie bedeutet nicht, unliebsame Stimmen moralisch abzukanzeln und Gesprächsbereitschaft als Verrat zu diffamieren.

    Besonders bemerkenswert ist auch die Aussage, Dirk Kribbe wolle auswandern, falls Alice Weidel Kanzlerin würde. Man darf schon fragen: Geht es hier wirklich um politische Inhalte – oder stört ihn womöglich auch, wer Alice Weidel persönlich ist? Eine solche Haltung wirkt jedenfalls alles andere als tolerant. Und wenn die Auswanderungsankündigung ernst gemeint war: Kann er uns das bitte schriftlich geben, damit man sich im Fall der Fälle darauf verlassen kann?

    Die Graffiti-Aktion als Beitrag „für die Demokratie“ ist zudem eine der dümmsten politischen Aktionen, die Wunstorf seit Langem gesehen hat. Wenn Parteien miteinander sprechen, Kompromisse suchen und konkrete Verbesserungen für Bürger erreichen, dann ist das gelebte Demokratie. Jugendliche zum Sprayen von Demokratie-Parolen aufzurufen, wirkt dagegen wie ein hilfloser Versuch, mit pseudo-cooler Symbolpolitik ein paar junge Stimmen einzusammeln.

    Da sind selbst die Bratwurstaktionen der SPD noch intellektuell ehrlicher: Da weiß wenigstens jeder, worum es geht.

    Wer Jugendfreundlichkeit zeigen will, sollte nicht nur A3-Entwürfe einsammeln und am Ende ein paar Gewinner zur Spraydose greifen lassen. Er sollte sich darum kümmern, was Jugendliche in Wunstorf wirklich brauchen: bezahlbare Freizeitangebote, sichere Treffpunkte, bessere Mobilität, Sport- und Kulturflächen, Ausbildungsperspektiven und echte Beteiligung an kommunalen Entscheidungen.

    Diese Aktion ist kein Beweis für Offenheit, sondern für politische Inszenierung. Man redet von Buntheit, grenzt aber aus. Man redet von Demokratie, will aber Brandmauern. Man redet von Jugend, liefert aber Symboltheater.

    Wunstorf braucht keine Demokratie-Folklore mit Spraydose. Wunstorf braucht ehrliche Politik, echte Debatten und konkrete Lösungen für die Menschen vor Ort.

  • Wunni sagt:

    Mir kommt es so vor, dass das ‚Bündnis für Demokratie‘ inhaltlich generell das Wort „Demokratie“ mit dem Wort „Sozialismus“ verwechselt. Die deutsche Geschichte zeigt allerdings, das es durchaus erhebliche Widersprüche in der Bedeutung dieser beiden Worte gibt.

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