Einige Parteien warten nicht bis nach der Wahl

Gratis-WLAN für Wunstorf schon jetzt


Während die Parteien im Wahlkampf noch darüber streiten, ob Wunstorf freies WLAN braucht oder nicht, gehen einige Akteure pragmatisch an die Sache heran. FDP-Mitglieder beteiligen sich am Steinhuder Freifunk und stärken damit das dortige Angebot, und auch in der Kernstadt stellt die SPD mit Hilfe von Freifunk ihre Bandbreite zur Verfügung.

Torben Klant und Bernd Maschke präsentieren das Freifunk-Hinweisschild am Roten Lehmhaus | Foto: Privat
Torben Klant und Bernd Maschke präsentieren das Freifunk-Hinweisschild am Roten Lehmhaus | Foto: Privat

Noch ist der Wahlkampf in vollem Gange, doch Teile der Wahlversprechen werden bereits jetzt umgesetzt: „WLAN für Wunstorf“ lautet das erklärte Ziel. Während die CDU und die Linkspartei dem Plan zu einem kommunalen Funknetzwerk eine klare Absage erteilen, schaffen FDP und SPD derweil schon einmal Fakten – in Eigenregie, auch ohne Unterstützung der Verwaltung. Von einem flächendeckenden kostenlosen WLAN-Netz in Wunstorf ist man noch weit entfernt, aber immerhin punktuell zeigt man schon einmal, was möglich wäre.

Öffentlich nutzbares WLAN in Steinhude wächst weiter

In Steinhude ist freies WLAN schon Realität. Ob auf dem Campingplatz oder im Scheunenviertel: Touristen wie Einheimische können jederzeit online gehen. Bereits Anfang August überzeugte sich nun auch die FDP-Mitgliederversammlung von den Vorzügen freien WLANs. Lukas Löw, der in Steinhude das Freifunk-Netzwerk vorantreibt, war zu Gast und informierte die Mitglieder.

Info: Freifunk
infoFreifunk ist keine neue oder alternative Technik, sondern eine Initiative, die deutschlandweit freie Kommunikation ermöglichen will. Das Ziel ist, ein nichtkommerzielles dezentrales Netz entstehen zu lassen, das von jedermann ohne Beschränkungen, anonym und ohne Überwachung, genutzt werden kann. Dazu wird vor allem auf die bekannte WLAN-Technik zurückgegriffen, zur Überbrückung längerer Strecken kommt jedoch z. B. auch Richtfunk zum Einsatz. Während unter Juristen die rechtlichen Risiken (Stichtwort: Störerhaftung) für ein derart offenes Netz noch diskutiert wurden, umgingen örtliche Freifunk-Initiativen durch technische Maßnahmen die Problematik und schufen die Voraussetzungen für einen Betrieb, der die Nutzer nicht Gefahr laufen lässt, für Verfehlungen anderer, die sich über ihren Zugangspunkt einwählen, in Regress genommen zu werden.

Während Löw noch die kinderleichte Installation und Nutzung des Netzwerkes demonstrierte, gingen die Fragen der Anwesenden zumeist direkt auf das Thema Haftung und Rechtssicherheit ein. Diese Bedenken konnte Löw ausräumen: „Bei Freifunk Steinhude wird die Kommunikation des Benutzers im Internet zuerst verschlüsselt an die Infrastruktur von Freifunk Hannover gesendet und anschließend weiter über andere europäische Länder geschickt, so dass der Betreiber des WLAN-Routers von seiner Haftpflicht für das Benutzerverhalten entbunden wird. Auf diese Weise betreibt Freifunk bereits heute schon in vielen Städten Deutschlands mehr als 30.000 offene WLAN-Router ohne rechtliches Risiko.“

„Ich habe den Router bereits seit einigen Wochen in Betrieb und finde es klasse, zu sehen, wie in Steinhude ein WLAN-Zugriffspunkt nach dem anderen entsteht.“

Thorben Rump

Lukas Löw konnte die Freien Demokraten in kurzer Zeit vom Nutzen seiner Initiative überzeugen. So wird das „Gilde Bräu Eck“ schon bald Teil der Community werden – und noch weitere Mitglieder haben spontan, noch online direkt vor Ort, die jeweils passenden Router bestellt, die dann von Löw persönlich in Kürze kostenfrei installiert werden. Aber nicht nur die einzelnen Mitglieder tragen so zu einem größeren WLAN-Netz in Steinhude bei, auch die Partei als solche wird sich für weitere Hilfen für das Freifunknetzwerk einsetzen und will Freifunk auch im übrigen Wunstorf ermöglichen.

Ab sofort auch freies WLAN in der Wasserzucht

In der Kernstadt oder anderen Ortsteilen ist Freifunk bislang kein großes Thema, doch freies WLAN wird auch hier gewünscht. Der SPD-Ortsverein Wunstorf bietet daher ab sofort einen freien WLAN- Zugang am Roten Lehmhaus, dem SPD-Parteihaus in der Wasserzucht, an – und setzt dabei ebenfalls auf die Freifunk-Technik. Ein entsprechender Hotspot ist installiert und stellt damit in der Kernstadt einen ersten Schritt zu einem öffentlich nutzbaren WLAN über das Freifunk-Modell dar.

Ab sofort kann man daher im Umfeld der SPD-Geschäftsstelle ohne Registrierung und kostenlos aufs Internet zugreifen. Wie die FDP beteiligen sich damit auch die Sozialdemokraten am bürgerlichen Freifunk und wollen das Anliegen der Freifunk-Initiative unterstützen und den weiteren Ausbau voranbringen.

„Der Vorteil von Freifunk liegt auf der Hand: kostenlos zur Verfügung stehende WLAN-Zugänge, ohne Anmeldung, ohne Zeitbegrenzung.“

Bernd Maschke

Die SPD verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf die Städte Lohne, Ganderkesee und Wittmund die in den vergangenen Monaten Freifunk genutzt haben, um ihre Innenstädte mit freiem Internet zu versorgen. „Das kann auch ein gutes Modell für Wunstorf sein“, ist sich Maschke sicher. „Unser Ziel ist es, dass bald im gesamten Innenstadtbereich und in anderen Ortsteilen der Stadt ein kostenloses WLAN-Netz entsteht, das dann weiter wachsen soll.“ Die SPD fordere deshalb von der Stadtverwaltung die Entwicklung eines Konzepts zur Versorgung des öffentlichen Raums mit WLAN, das öffentliche Hotspots mit privaten Hotspots, z. B. von Geschäftsinhabern und Einzelpersonen, kombiniere. Die Stadt könne dabei auf Fördergelder des Landes zurückgreifen, das die Planung und den Aufbau von freien WLAN-Netzen in Kommunen finanziell fördert.

Der Niedersächsische Landtag hatte im März 2016 beschlossen, Freifunknetze bzw. Bürgernetze zu unterstützen. Das Wirtschaftsministerium erarbeitete daraufhin ein entsprechendes Förderkonzept. Gefördert werden unter anderem Hardwarekomponenten für die Freifunk-Initiativen in Niedersachsen (z. B. Router und andere Hardware) und die Planung kommunaler WLAN-Netze durch die Städte und Gemeinden.

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