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Ein neuer Seeentwicklungsplan soll das Steinhuder Meer retten

20.07.2026 • Redaktion • 3 Min.Kommentare: 10

Der „Seeentwicklungsplan Teil 2“ liegt vor und skizziert, was in den nächsten Jahren von Land und Region getan werden muss, um Niedersachsens größten See zu erhalten. Geld soll dafür nicht nur in die Entschlammung, sondern auch in den Phosphorschutz und die Datenerhebung fließen.

20.07.2026
Redaktion
3 Min.
Das Steinhuder Meer | Foto: Schneider

Region (red). Weniger Phosphor im See, gezielte Entschlammung, bessere Daten zum Wasserhaushalt und konkrete Maßnahmen an Zuflüssen und Entwässerungssystemen: Der zweite Teil des Seeentwicklungsplans für das Steinhuder Meer liegt vor.

Der Plan wurde vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sowie der Region Hannover erarbeitet. Ziel ist es, den größten See Niedersachsens langfristig als Naturraum, Lebensraum und nutzbares Gewässer zu erhalten.

Darum geht es

Seit 2019 arbeiten das Land und die Region in Abstimmung mit den betroffenen Kommunen sowie Akteuren aus Naturschutz, Tourismus, Landwirtschaft, Schifffahrt, Fischerei und Wassersport daran, die Nutzungsansprüche an das Steinhuder Meer mit Natur- und Gewässerschutz, Klimawandel, Wasserrahmenrichtlinie und Schlammmanagement zusammenzuführen.

Der erste Teil des Seeentwicklungsplans hatte im Jahr 2022 vorhandene Gutachten, Studien und Daten zum Steinhuder Meer gebündelt. Der zweite Teil baut darauf auf und übersetzt die Grundlagen in konkrete Entwicklungsziele und Maßnahmen. Im Mittelpunkt stehen die Reduzierung von Nährstoffeinträgen, der Umgang mit Schlamm, das Wasserstandsmanagement, Maßnahmen an Zuflüssen, bessere Datengrundlagen sowie Moor- und Feuchtgebietsentwicklung. Fachlich erstellt wurde der Plan durch das Institut biota.

Das ist geplant

Der Plan macht deutlich: Um die Zukunft des Steinhuder Meeres zu sichern, reichen einzelne Maßnahme nicht aus. Entschlammung bleibt notwendig, behandelt aber vor allem die Folgen der Belastung. Langfristig entscheidend ist, die Ursachen der Schlammneubildung zu verringern – vor allem die Einträge von Phosphor in den See. Für einen stabileren ökologischen Zustand wird ein Zielwert von maximal 50 Mikrogramm Phosphor pro Liter festgelegt. Das entspricht einer jährlichen Gesamtemission von rund 520 Kilogramm Phosphor. Die modellierten Einträge liegen mit rund 2.000 Kilogramm pro Jahr derzeit fast viermal so hoch.

Maßnahmen zur Phosphor-Reduzierung auch wegen Oberflächenwasser in Steinhude und Großenheidorn

Zur Verringerung der Phosphor-Belastung benennt der Plan konkrete Ansatzpunkte: Am Winzlarer Grenzgraben, über den rund 25 Prozent des jährlichen Phosphor-Gesamteintrags in den See gelangen, soll nordwestlich des Südbachdükers eine offene Einstau-Aue entstehen. Am Großenheidorngraben ist ein schilfbewachsenes Rückhaltebecken vorgesehen. Am Hochmoorgraben sollen nährstoffreiche Abflüsse aus ehemaligen und teils noch aktiven Torfabbauflächen im Toten Moor zurückgehalten werden.

Regenwasser spült Nährstoffe wie Phosphor von Straßen, Feldern, Rasenflächen und Dächern in Gewässer und Teiche. Dieser Eintrag führt oft zu starkem Algenwachstum, da Phosphor das Wachstum von Pflanzen beschleunigt.

Hinzu kommen Maßnahmen an der Oberflächenentwässerung aus Steinhude und Großenheidorn: Ein Retentionsbodenfilter ist bereits in Planung und soll 2028 fertiggestellt werden. Außerdem sollen besonders belastete Einleitstellen durch Messungen identifiziert und direkte Regenwassereinleitungen verringert werden. Auch eine Erweiterung des Regenrückhaltebeckens am Bruchdamm in Steinhude soll geprüft werden.

Gezielte Entschlammung bleibt notwendig

Gezielte Entschlammung bleibt ebenfalls notwendig. Seit 1980 wurden im Durchschnitt jährlich rund 30.000 bis 40.000 Kubikmeter Schlamm entnommen. Die aktuelle mittlere jährliche Schlammneubildung wird auf rund 52.000 bis 64.000 Kubikmeter geschätzt. Solange die Neubildung nicht sinkt, soll sich die Entnahme an dieser Größenordnung orientieren und die Menge damit stabil halten. Der Schlamm soll dort entnommen werden, wo er Nutzung und Unterhaltung besonders beeinträchtigt. Die Bereiche sollen über Vorpeilungen bestimmt werden.

Der Seeentwicklungsplan bildet nun den Arbeitsrahmen für die kommenden Jahre. Er ersetzt aber noch keine später notwendigen Genehmigungen oder Einzelentscheidungen, dient allerdings als gemeinsamer fachlicher Fahrplan für die weiteren Schritte. Die prioritären Maßnahmen werden jetzt weiter vorbereitet, Zuständigkeiten geklärt, Fördermöglichkeiten geprüft und Planungen konkretisiert, heißt es von der Region Hannover.

Wassermanagement kostet

Gezeigt hat sich schon jetzt, dass besseres Datenmaterial benötigt wird – zu den Aspekten Zuflüsse, Grundwasser, Wasserstand und mögliche Folgen des Klimawandels. Das NLWKN-Seen-Kompetenzzentrum soll diese Grundlagen gemeinsam mit weiteren Fachstellen verbessern. Der Plan beziffert den dafür notwendigen Aufwand auf rund 450.000 Euro, unter anderem für hydrologische Modelle, Grundwasserdaten und Abflussmessungen an den Zuflüssen. Die Ergebnisse sollen helfen, spätere Entscheidungen zum Wasserstandsmanagement und zur Steuerung des Sees fachlich belastbarer zu treffen.

Auch die Entschlammung wird weiter fachlich begleitet. Nach Umsetzung mittelfristiger Maßnahmen soll die Schlammneubildungsrate gutachterlich überprüft werden. Zugleich sollen die verfügbaren Polderkapazitäten fortgeschrieben werden, damit die jährliche Logistik realistisch geplant werden kann.

Der Schlamm nimmt zu

2019 war das Schlammvolumen im Steinhuder Meer auf rund 14,4 Millionen Kubikmeter geschätzt worden – bei einem Wasservolumen von etwa 40 Millionen Kubikmetern. Erste Zwischenergebnisse der Peilung 2026 zeigen, dass die räumliche Verteilung der Schlammauflagen und die Struktur der Deipen weitgehend unverändert geblieben sind. Zugleich gibt es weite Bereiche mit Zunahme der Schlammmächtigkeit, allerdings auch einige Bereiche mit geringerer Schlammmächtigkeit. Das unterstreicht, dass Sedimentumlagerungen im Steinhuder Meer ein dynamischer Prozess sind.

Beide Teile des Seeentwicklungsplan sowie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Zustand des Steinhuder Meers sind im Internet auf den Seiten der Region abrufbar.
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Kommentare


  • Basti g. sagt:

    Seit 1980 wurden im Durchschnitt jährlich rund 30.000 bis 40.000 Kubikmeter Schlamm entnommen . Wie wurde das gemacht mir ist nie was aufgefallen

    • Andreas sagt:

      Nicht mitbekommen?

      Der Schlamm wird mit einem Saugbagger (meist einer niederländischen Firma) abgepumpt, auf die Polder Mardorf und Großenheidorn gespült, von dort nach Trocknung abgefahren. Fast jedes Jahr im Winter das gleiche Spiel.

  • Anneliese B. sagt:

    Wer schützt das Steinhuder Meer vor seinen Rettern?

    Schon die Überschrift folgt dem inzwischen üblichen Muster: Wieder muss etwas „gerettet“ werden. Dabei ist das Steinhuder Meer kein technisches Produkt, das auf einem unveränderlichen Sollzustand gehalten werden könnte. Es ist ein sehr flacher, dynamischer See, dessen Wasserstände seit Beginn der Aufzeichnungen sowohl innerhalb eines Jahres als auch zwischen verschiedenen Jahren erheblich schwanken.
    Bevor aus jeder natürlichen Veränderung ein Notstand konstruiert wird, wären daher einige einfache Fragen zu beantworten: Was ist tatsächlich neu und historisch außergewöhnlich? Was ist nachweislich menschengemacht? Was ist ein ökologisches Problem – und was beeinträchtigt lediglich Tourismus, Schifffahrt oder Wassersport? Welcher angeblich natürliche Zustand soll überhaupt erhalten werden, und aus welchem Referenzjahr stammt er?
    Selbstverständlich sollten konkret gemessene Phosphoreinträge dort reduziert werden, wo Ursache und Wirkung nachvollziehbar belegt sind. Ein Etikett wie „Rettung“ darf aber kein Freibrief für immer neue Planungen, wasserbauliche Eingriffe, Rückhalteflächen und dauerhafte Entschlammungsprogramme sein.
    Vor jedem Eingriff gehören deshalb eine belastbare Ausgangsmessung, eine nachvollziehbare Ursachenanalyse, eine Kosten-Nutzen-Prüfung und eine Untersuchung möglicher Nebenwirkungen. Ebenso erforderlich sind messbare Erfolgskriterien, unabhängige Kontrollen und klare Abbruchregeln, falls die versprochenen Wirkungen ausbleiben.
    Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, wer das Steinhuder Meer rettet. Sie lautet auch: Wer schützt den See, seine Umgebung und die betroffenen Menschen vor den Schäden, die seine vermeintlichen Retter möglicherweise erst erzeugen?

  • Dirty Harry sagt:

    Messen, prüfen und weiter verschlammen lassen? Das ist der Plan?

  • Michael P. sagt:

    Einfach der Natur ihren lauf lassen? Der Tümpel verschlammt seit tausenden von Jahren, unschwer an den umliegenden Mooren zuerkenne. Einzig der Mensch möchte den Ist Zustand aufrecht erhalten und kämpft dagegen an.

    • Wunni sagt:

      Michael P., seit tausenden von Jahren wird aber nicht intensive, industrielle Landwirtschaft an den Zuflüssen des Sees betrieben, die mit ihren Dünger-/Phospohor-Einträgen den See in relativ kurzer Zeit zum umkippen bringen würden, wenn er nicht permanent entschlammt würde. Ich allerdings fürchte eher, dass das Hauptproblem bald der sinkende Wasserpegel ist, infolge der steigenden Duchschnittstemperaturen – und der See innerhalb weniger Jahrzehnte verlanden könnte. Ich würde jedenfalls kein Geld mehr in ein Seegrundstück dort investieren.

      • Torben sagt:

        Wunni, die Frage ist doch nicht, ob Phosphoreinträge oder Sedimente grundsätzlich existieren. Natürlich gibt es dafür Messungen und Untersuchungen. Interessant wird es aber bei den daraus abgeleiteten Zukunftsszenarien.
        Woher stammt beispielsweise die Aussage, dass der See ohne permanente Entschlammung „in kurzer Zeit umkippen“ würde? Welche Modelle liegen dieser Prognose zugrunde und wie wurden diese durch historische Daten überprüft?
        Ebenso wäre interessant, welche historischen Wasserstände des Steinhuder Meeres als Vergleich herangezogen werden. Ein flacher See unterliegt seit jeher starken Schwankungen. Niedrige Wasserstände sind nicht automatisch ein neues Phänomen.
        Und auch bei der Aussage zu steigenden Durchschnittstemperaturen stellt sich die Frage: Welche konkrete Messreihe und welcher Zeitraum werden betrachtet? Welche Rolle spielen natürliche Schwankungen?
        Letztlich geht es nicht darum, Veränderungen zu leugnen. Es geht darum, zwischen gemessenen Tatsachen, wissenschaftlichen Modellen und politischen Bewertungen sauber zu unterscheiden. Gerade bei großen Eingriffen und öffentlichen Geldern sollte diese Prüfkette nachvollziehbar sein.

      • Michael P. sagt:

        Dann geht das unvermeidlich halt ein paar 100 oder 1000 Jahre früher. Auf der Zeitskala der Erde, irrelevant. Und wenn ist es der Überbevölkerung geschuldet und der daraus entstehenden Verschmutzung.
        1970 waren wir die Hälfte weniger und es war weitaus dreckiger als jetzt (Ruß und alle anderen Schadstoffe mehr oder weniger ungehindert frei gelassen. Heute ist alles sauberer aber wir sind halt zu viele. Aber das will niemand hören. Wachstum, Wachstum, Wachstum… wie ein Krebsgeschwür.

      • Anonym sagt:

        Der Wunni ist wiedermal ganz vorne mit dabei.

        Seinen Aussagen entnehme ich:

        1) Die Bauern sind mit ihren bösen Dünger-/Phospohor-Einträgen schuld, wenn das Steinhuder Meer verschlammt. Wunni bleibt uns bei dieser Aussage jeden Beweis schuldig.

        2) Der Klimawandel ist auch schuld und durch die resultierenden steigenden Duchschnittstemperaturen wird der See innerhalb weniger Jahrzehnte verlanden. Alles klar.

        3) Die Preise für Seegrundstücke werden deswegen in den Keller gehen.

        Der Mittellandkanal – die mit 325,3 Kilometern Länge die längste künstliche Wasserstraße in Deutschland – liegt in ca. 7 km Entfernung vom Steinhuder Meer entfernt.

        Wie wäre es denn, wenn man einen Stichkanal vom Mittellandkanal zum Steinhuder Meer legen würde? Das ersetzt zwar die Entschlammung nicht, aber würde über elektrische Pumpen zu einer viel besser steuerbaren Erhaltung des Steinhuder Meeres beitragen.

        Kosten wahrschein 50 Mio. Euro – wesentlich besser angelegtes Geld als die sinnlose Innenstadt-Erneuerung.

  • Georg Braunroth C D U Butteramt sagt:

    Das Steinhuder Meer ist rundherum von Moorflächen umgeben ,aus denen der Wasservorrat des Meeres sich automatisch reguliert. Die größte und jüngste Moorfläche ist an der Nordseite in Richtung Neustadt–Mardorf , das Schneerener Moor, welches wohl das jüngste, gradflächigste und größte Moorgebiet des Steinhuder Meeres war. Durch diese Moorfläche wurde der Wasserspiegel des Meeres reguliert . Da diese Fläche die doppelte bis dreifache Größe des Meeres hatte war eine Wasserregulierung ohne große Bewegung (Strömung) gegeben. Wenn man heute auf der Strecke von Neustadt nach Mardorf fährt , kann man sehen ,das das Moor in der gesamten Breite (größer als das Meer) mehrere Meer tief ausgebaggert ist . Da der Wasserhaushalt des Meeres von der besten Fläche ,der Nordseite, nicht mehr reguliert werden kann, müssen das die anderen älteren Moorflächen seit Jahrzehnten übernehmen . Da diese Flächen die älteren sind und z.T. schon wieder Oberflächenbewachsen sind , baut sich ,gerade wenn das Meer durch Sonneneinstrahlung Wasser verliert, ein höherer Druck auf , und es wird immer mehr Moorschlamm mit eingespült. Dagegen kann man nicht ausbaggern oder pumpen !!! Die durch die .Die ausgebaggerten Flächen die nördlich der Straße Neustadt – Mardorf liegen müssen renaturiert werden, durch Auffüllung mit viel Totholz – Baumstuken – Laub u.s.w. ,um eine Moorähnliche Fläche wieder herzustellen, und den natürlichen Wasserspeicher wiederherzustellen. Zwischenzeitlich könnte man Wasser aus der Leine bei Moordorf oder aus der Aue bei Wunstorf, wo Nord- und Süd-Aue zusammenfließen, umleiten oder pumpen. Der Mittellandkanal wird über künstliche Zu- und Abläufe auf gleichmäßiger Höhe gahalten , beim Meer brauchen wir nur Zuläufe.

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