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„Ich brenne für diese Stadt“: Piellusch präsentiert Programm für die Jahre bis 2034

22.08.2026 • Achim Süß • 5 Min.Kommentare: 0

Mehr als 80 Ziele und Vorhaben hat Carsten Piellusch in seinem Programm für die zweite Amtszeit formuliert. Der 60-jährige SPD-Politiker ist seit 2021 Bürgermeister von Wunstorf und damit Chef der Stadtverwaltung. Am 13. September geht es bei der Kommunalwahl nicht nur um die Zusammensetzung des Rates und der Ortsräte, sondern auch um sein Amt.

22.08.2026
Achim Süß
5 Min.
Carsten Piellusch bei der Vorstellung seiner Pläne für die nächsten Jahre | Foto: Schneider

Wunstorf (as). Es war eine Melange aus Wohlbekanntem und neuen Vorhaben, die SPD-Bürgermeisterkandidat Carsten Piellusch vier Wochen vor dem Wahltermin vorgestellt hat. Vor der Lokalpresse servierte er im Naturerlebnisbad Luthe gut 30 Minuten lang ein sechsseitiges Programm für die Amtszeit bis 2034. Motto: „Wir machen Wunstorf. stark.mobil.sicher“.

Piellusch nennt darin zwölf Themen, zu denen er mehr als 80 Ziele und Projekte formuliert. Das Papier beginnt mit Stadtentwicklung, Bildung, Wirtschaft und Innenstadt und reicht über Inklusion, Ehrenamt, Sport, Kultur, Ortsteile und Mobilität bis zu Sicherheit, Klima, Verwaltung und Finanzen.

Der Baggersee in Wunstorf soll geöffnet werden

Für die Öffentlichkeit weitgehend neu sind folgende Punkte: Für den Baggersee zwischen Senator-Meier- und Senator-Kraft-Straße in der Nordstadt von Wunstorf soll ein Konzept erarbeitet werden, um Wasserfläche und direkte Umgebung „öffentlich erlebbar“ zu machen. Auf Nachfrage ergänzt Piellusch: „Die bestehenden Nutzungen sollen nicht beendet werden. „Andererseits soll die Erlebbarkeit durch die Öffentlichkeit ermöglicht werden, zum Beispiel durch Aussichtsplattformen im Osten und Westen.“

In Innenstadt und Ortsteilen sollen Treffpunkte für Jugendliche geschaffen werden. Für das Gewerbegebiet Hagenburger Straße soll ein Entwicklungskonzept erstellt werden. Piellusch ergänzt später auf Nachfrage: „Unternehmensansiedlungen. Entwicklung Rainbow Park.“ Freiwerdende Räume der Stadt sollen anders genutzt werden. Auf die Frage der Auepost nach Details erklärt Piellusch: „Betrifft Südstraße und Rathausinnenhof. La Sol schon da. Italiener kommt.“ Die knappe Antwort bedeutet, dass die Stadtverwaltung die Verhandlungen mit einem Gastronomen aus Luthe fortsetzt, der neben dem gerade eingerichteten Innenstadtbüro ein Lokal betreiben möchte.

Ein Wunstorf-Pass für Kinder

Ein Netz von dezentralen Familienzentren soll an den Kindertagesstätten in den Ortsteilen entstehen. Für Kinder soll ein „Wunstorf-Pass“ eingeführt werden. Die Nachfrage dazu beantwortet der amtierende Bürgermeister und SPD-Kandidat mit dem Hinweis auf eine Pressemitteilung seiner Partei. Darin heißt es: „Das Bildungs- und Teilhabepaket ist ein wichtiges Instrument für mehr Chancengleichheit. Es ermöglicht Kindern unter anderem das Mittagessen in der Schule, die Mitgliedschaft im Sportverein oder den Besuch der Musikschule. Die entscheidende Frage ist aber: Wie kommen diese Leistungen möglichst einfach und ohne Stigmatisierung bei den Kindern an? Genau darauf gibt der Wunstorf-Pass eine Antwort.“ Der Wunstorf-Pass ist eine der Ideen, die die SPD bei einer Mitmachwerkstatt im April aufgenommen hat.

Die weitere Nutzung der Stadtkirche als Veranstaltungsort soll gesichert werden. Die Nachfrage nach Pielluschs konkreten Plänen bleibt ergebnislos. Am Nordbruch soll weiterer Parkraum, in der Innenstadt ein „Mobilitäts-Hub“ entstehen. Weitere Details nannte Piellusch auf Nachfrage nicht. Der Zentrale Omnibusbahnhof soll umgestaltet, modernisiert und zum „modernen Verkehrsdrehkreuz“ werden. Schwerpunktkontrollen mit der Polizei sollen sicherstellen, dass Verkehrsregeln eingehalten werden. Die Zusammenarbeit mit der Polizei soll verstärkt und regelmäßig ein Sicherheitsbericht veröffentlicht werden.

Mit der Gründung eines städtischen Ordnungsdienstes soll erreicht werden, dass Regeln besser eingehalten werden. Piellusch will „mehr Personal auf die Straße bringen“: „Das muss sichtbar sein.“ Zur Sichtbarkeit gehören für ihn auch Uniformen. Die Antwort auf die Frage nach Details ergab den Hinweis: „Geht zurück auf Bürgerwünsche.“ Die Stadtverwaltung soll einen mobilen „Mängelmelder“ einführen. Piellusch antwortet auf die Frage nach Einzelheiten, es solle ein „mobile App-Anwendung“ eingeführt werden.

Vorbild Schwammstadt und Steuerfreiheit für Tierheimhunde

Das Modell der „Schwammstadt“ soll Vorbild werden: Die Wunstorfer sollen die Eigenvorsorge stärken, um sich vor Starkregen zu schützen. Dazu soll auch gehören, Regenwasser im Haushalt zu nutzen. Mindestens zehn ehrenamtliche „Klimaschutzpaten“ sollen geschult werden.

Im Rathaus soll ein „Dialog-Tool“ eingerichtet werden, um mit politischen Gremien und Parteien zu kommunizieren. Damit soll der Informationsfluss verbessert werden. Ratsmitgliedern ohne Fraktionsstatus soll die Arbeit erleichtert werden.

… die Presse schreibt mit | Foto: Schneider

Wer einen Hund aus dem Tierheim aufnimmt, soll von der Hundesteuer befreit werden. Die Beziehungen zum Luftransportgeschwader 62 sollen mit einer Patenschaft vertieft werden. Piellusch nennt das auf Nachfrage einen „logischen Schritt“ und ergänzt: „Ist in Arbeit“. Die zivil-militärische Zusammenarbeit soll vertieft werden. Das betrifft vor allem das Kommando Cimic in Nienburg.

Hinweis auf 5 erfolgreiche Jahre

Sich vier Wochen vor dem Wahltermin zu positionieren, sei ein sehr guter Zeitpunkt, sagte Piellusch zu Beginn. Er sei „waschechter Wunstorfer“, und das motiviere ihn, erneut zu kandidieren. Er verwies auf seine elfjährige Amtszeit als Erster Stadtrat, also als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Danach sei er „fünf Jahre erfolgreich Bürgermeister“ gewesen.

Der Rathaus-Chef versteht sich nach eigenen Worten als „Lenker des Konzerns Stadt“ mit 550 Mitarbeitern und ihren diversen Beteiligungen. Wunstorf sei eine „starke, lebenswerte Stadt“. Die kommenden Jahre seien entscheidend. Piellusch: „Ich brenne für diese Stadt.“ Deshalb kandidiere er erneut. Er stellte seine Qualifikation als Verwaltungsjurist heraus, die er ebenso wie seine Erfahrung einbringen möchte, um die Stadt mit den Menschen weiterzuentwickeln.

„Viel Geld in die Hand genommen“

Einer seiner ersten Sätze ist retrospektiv: Bei der Übernahme des Bürgermeisteramtes sei er überrascht gewesen, dass die Stadt einen Investitionsstau von mehr als 160 Millionen Euro vor sich herschiebe. „Wir haben dann sehr, sehr viel Geld in die Hand genommen für Hoch- und Tiefbau!“, ergänzte Piellusch. Wunstorf sei eine starke Stadt, aber „das falle nicht vom Himmel“.

Seinen Leitgedanken beschreibt Piellusch wie folgt: „Wir machen Wunstorf stark, mobil und sicher.“ Konkret nennt er als Erstes das Thema Wohnbau. Das sei „ganz, ganz wichtig“. Die neue Gesetzgebung verpflichte nicht mehr überall zur Aufstellung von Bebauungsplänen. So werde jetzt vieles möglich. 

1.000 Wohnungen bleiben das Ziel

Ziel sei es unverändert, 1.000 Wohnungen zu bauen und den Bestand zu sichern. Der Bau-Turbo biete viele Chancen, und am Runden Tisch seien konkrete Schritte diskutiert worden. „Die Entscheidungen liegen auf dem Tisch“, sagte Piellusch. Für 950 Wohnungen seien Genehmigungen erteilt worden.

Dem Projekt „Oststadtbogen“, ehemals Vion-Gelände, komme zentrale Bedeutung zu. Dort sollen bis zu 400 Einheiten entstehen, darunter etwa 135 Sozialwohnungen. Dieser Wohnungstyp sei dringend nötig: Bezahlbarer Wohnraum sei rar, aber aus vielen Gesprächen wisse er, der Wunsch sei vor allem bei jungen Familien stark.

Starke Stadt bedeutet für Piellusch auch starke Ortsteile. Seine Bilanz: die erste Ganztagsschule der Stadt in Klein Heidorn, der erste Kunstrasenplatz in Luthe, in Mesmerode die Mehrzweckhalle saniert, in Bokeloh/Mesmerode das neue Feuerwehrgerätehaus, eine „sehr positive Entwicklung“ in Steinhude. Piellusch zählt auch den Glasfaserausbau bis Ende dieses Jahres hinzu – ohne Steuermittel, wie er betont. Er hebt hervor, dass er nach dem Rückzug der Telekom „sofort gehandelt“ und Alternativen für die Ortsteile gefunden habe.

Baugebiete und lebendige Ortsmitten

Welche Pläne hat er für die Ortsteile? „Ich möchte, dass neue Baugebiete entstehen!“ Beispiele seien Flächen an der Manhorner Straße in Blumenau, neben der Feuerwehr im Mesmerode und in Bokeloh nahe dem ehemaligen Kettler-Firmengelände. Starke, „lebendige Ortsmitten“ liegen ihm am Herzen: Treffpunkte für Alt und Jung und Spielplätze „für die ganz Kleinen“.

Bildung ist für Piellusch „ein großer Bereich“, „moderne Schulen“ im Ganztagsbetrieb sein Ziel: „Dafür werde ich sorgen!“ Für die jüngeren Kinder gehe es darum, weitere Familienzentren einzurichten – nach dem Vorbild der Kooperation mit dem Stiftskindergarten. Die Zusammenführung von Betreuung und Beratung sei eine gute Lösung. Piellusch will dafür sorgen, dass es ein Netz derartiger Stellen gibt.

Als „Treiber und Motor“ werde die Stadt unter seiner Führung das Steinhuder Meer schützen. Steinhude sei das touristische Juwel. Das zu bewahren, sei seit langem sein Ziel. Es müsse jetzt einen „Entschlammungspakt“ mit Region und Land geben. Dafür werde er seine Kontakte in die Staatskanzlei nutzen.

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