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Vor 100 Jahren: Ein Ballon aus Frankreich landet in Luthe

18.10.2026 • Aufrufe: 218

Postkarten-Weitflugwettbewerbe waren früher beliebt. Kinder, die in den 1980er Jahren zur Schule gingen, erinnern sich vielleicht noch daran, wie man gemeinsam Hunderte von Luftballons mit angehängten Kärtchen gleichzeitig steigen ließ. Doch bereits vor 100 Jahren gab es das – und ein Ballon aus dem fernen Frankreich wurde in Luthe entdeckt.

Pressespiegel 100 Jahre

Luftballons mit einer Botschaft in die Welt fliegen lassen und darauf hoffen, dass sie weit entfernt jemand findet und sich daraufhin mit dem Fundort zurückmeldet – das war früher eine beliebte Aktion. Beispielsweise auf Schulfesten in den 1980er Jahren gehörte sie als Highlight fast immer dazu. Sogenannte Ballonwettbewerbe waren weit verbreitet:

Jeder Schüler bekam einen mit Helium gefüllten Luftballon, an dessen Schnur war eine Postkarte befestigt. Die eigene Anschrift wurde eingetragen, und alle auf dem Schulhof ließen die Ballons gemeinsam in den Himmel steigen. Einige Wochen später wurde Bilanz gezogen: Welcher der Ballons hatte es am weitesten geschafft, welche Karte war entdeckt worden, welcher Finder hatte sie wo in den Briefkasten geworfen und so an den Absender zurückgeschickt? Oft gab es dann auch einen Preis für den am weitesten geflogenen Luftballon.

Heute kommt so etwas nur noch selten vor. Aus Umweltschutzgründen und wegen luftverkehrsrechtlicher Hindernisse sind Luftballon-Postkarten-Aktionen fast ausgestorben. Manchmal gingen solche Aktionen auch katastrophal schief.

Es war damals, vor rund 40 Jahren, die modernisierte Version der Flaschenpost, die man auch abseits von Flüssen und Meeren jederzeit veranstalten konnte. Doch die Idee dazu war viel älter. Auch vor 100 Jahren schon wurden heliumgefüllte Luftballons zu diesem Zweck in den Himmel geschickt.

Davon zeugt ein Vorfall, der sich 1926 in Luthe ereignete. Ein Ballon aus Frankreich war bis hierher geflogen. Das Problem: Zunächst verstand niemand, was das war und was der Absender damit bezweckt hatte.

Die Leine-Zeitung berichtete damals, am 29. September 1926, von dem Geschehnis in einer Kurzmeldung so:

Am letzten Sonntag, abends 6 Uhr, wurde von dem Schlosserlehrling Majanka hier in hiesiger, der Domäne Blumenau benachbarten Feldmark ein mit Aufschrift und anhängender Postkarte versehener Gasballon aufgefunden, der von einem Schuldirektor zum Zweck einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Lille (Nordfrankreich) abgelassen war. Die Karte enthielt in französischer Sprache die Bitte, der Finder möchte die niedergeschriebenen Fragen beantworten und auch die Tageszeit und Ort der Landung angeben. Der Ballon wurde dem Kaufmann August Weber hier vorgezeigt und dieser, der französischen Sprache mächtig, erfüllte noch am selbigen Abend die Bitte des Absenders und sandte die Postkarte nach Lille zurück.

Was daraus wurde, ist nicht bekannt. Aber wer weiß? Vielleicht haben heute die Nachfahren eines damaligen französischen Schulkindes in Lille noch immer irgendwo eine Postkarte mit einem Poststempel aus Wunstorf aufbewahrt.

Wir schreiben das Jahr 1926. Wunstorf ist eine kleine Ortschaft in der Provinz Hannover im Freistaat Preußen des Deutschen Reiches. Von den „Goldenen Zwanzigern“ der Weimarer Republik ist in Wunstorf wenig zu spüren. Es herrscht Wohnungsnot. In Wunstorf macht man sich Gedanken, was mit der einsturzgefährdeten Germania-Statue geschehen soll. In der Reichspolitik wird gestritten, ob Deutschlands Flagge schwarz-weiß-rot oder schwarz-rot-gold sein soll. In Berlin wird die Lufthansa gegründet und der Funkturm eingeweiht. In Hannover bricht eine Typhus-Epidemie aus. In Schaumburg-Lippe stimmt das Volk gegen den Anschluss an Preußen.


veröffentlicht am: 18.10.2026 • Aufrufe: 218
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