
Aus einem Fenster an der Nordwestecke des Rathauses fällt der Blick auf die gegenüberliegende Seite der Südstraße. Deren Pflaster ist noch nicht von Asphalt überdeckt, und der spärliche Verkehr auf der Straße vermittelt den Eindruck einer beschaulichen Kleinstadt. Eine Fußgängerzone? Nicht nötig. Uns interessiert jedoch das große, helle Gebäude mit neoklassizistisch anmutender Fassadengliederung. Es ist das Wunstorfer Stadttheater, und als Frohwalt Boedtger es fotografiert, ist es noch relativ neu: Erst gut zweieinhalb Jahre zuvor, im November 1950, ist es eingeweiht worden.
Zur Eröffnung wurde die Filmoperette „Schwarzwaldmädel“ gezeigt, denn in erster Linie sollte das Haus ein Kino sein. Doch der Name Stadttheater lässt auch anderes zu: Bühnenschauspiele oder Konzerte. Jetzt, zum Zeitpunkt der Aufnahme im Juni 1953, steht aber wieder Kino auf dem Programm, und ein großes Plakat kündigt einen Film an, der im Sehnsuchtsland der Deutschen spielt, in Italien. „Der Kaplan von San Lorenzo“ ist jedoch ein deutscher Film, mit Dieter Borsche und Willy Birgel in den Hauptrollen. Es geht um einen Mord, dessen Aufklärung am Beichtgeheimnis zu scheitern droht.
Filmvorführungen im Stadttheater sind schon seit Jahrzehnten Geschichte. Aber am 22. November dieses Jahres soll es zum 75. Jubiläum dort mal wieder Kino geben: Wer „Pippi Langstrumpf“, den „Hauptmann von Köpenick“ oder das ABBA-Musical „Mamma Mia“ sehen möchte, sollte sich den Tag vormerken!
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