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Ende eines steinernen Zeugen Wunstorfer Wirtschaftsgeschichte

01.10.2025 • Redaktion • 2 Min.Kommentare: 5

Altstadtsanierung ist nicht nur ein Thema der heutigen Zeit: Vor 50 Jahren veränderte die Wunstorfer Innenstadt bereits einmal ihr Gesicht. In diesem Zuge verschwanden einige alte Gebäude. Dazu schwang die Abrissbirne auch über die Nordstraße.

01.10.2025
Redaktion
2 Min.
Abriss des Geschäftshauses in der Nordstraße | Foto: Stadtarchiv Wunstorf/Robert Koekelis

Man könnte dieses Foto auch mit „Zeitenwende“ betiteln. Es ist Mitte Oktober 1976 entstanden und zeigt den Abriss des alten Wunstorfer Konsumgebäudes in der Nordstraße 4. Wir blicken aus der Nordstraße in Richtung Lange Straße, im Hintergrund ist mittig die Alte Apotheke und rechts der Ratskeller zu erkennen, der seinerzeit Wülfeler Jägerbräu ausschenkte.

An das Haus schräg gegenüber, dem nun mit schwerem Gerät zu Leibe gerückt wird, dürften sich einige ältere Wunstorferinnen und Wunstorfer sicherlich noch gut erinnern: ein markanter roter Klinkerbau mit einem prägnanten Doppeltürmchen-Ziergiebel im neugotischen Stil. 1899 errichtet, beherbergte er über sieben Jahrzehnte die Räumlichkeiten einer sehr erfolgreichen Verbrauchergenossenschaft: der ursprünglich als Haushaltsverein gegründeten Konsumgenossenschaft eGMBH Wunstorf.

Bis zum 31. Oktober 1969 konnte man im Konsum in der Nordstraße gute Lebens- und Genussmittel sowie Waren des täglichen Bedarfs zu äußerst fairen Preisen einkaufen. 1976 hat das alte Konsum-Gebäude zweifellos seine besten Jahre längst hinter sich. Im Zuge der Altstadtsanierung soll es einem modernen Geschäftsbau weichen.

Nordstraße muss für Rammkugeleinsatz gesperrt werden

Eine Baustellenampel regelt den Verkehr. Zeitweise muss die Polizei die Nordstraße sogar ganz sperren. „Wenn die Rammkugel das Mauerwerk traf“, so berichtet die Leine-Zeitung am Sonnabend den 16. Oktober 1976, „donnerten die Mauerreste bis auf den gegenüberliegenden Bürgersteig, und die umstehenden Häuser bebten.“

Passanten verfolgen dies alles offenbar mit Interesse. Wie wir sehen, rollt der Verkehr noch durch die Nordstraße. Ein Schild weist den Weg Richtung Autobahn und Bad Nenndorf. Nicht mehr lange: In wenigen Jahren wird die Wunstorfer Fußgängerzone eröffnet werden.

Hinrich Ewert, Stadtarchiv Wunstorf

zuerst erschienen in Auepost Nr. 26 (10/2024)

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Kommentare


  • Der Unbekannte sagt:

    Wunstorf war einmal eine richtig schicke Stadt. Jetzt auch, eher teilweise. Lasst bloß die Fussgängerzone, wie Sie ist.

  • B. sagt:

    Es erinnert an heute. Und das ist traurig. Ich frage mich, was die Schaulustigen wohl denken. Gedanken vielleicht mancher an Krieg?

    Wenn ein Haus fällt, geht auch das verloren, was es ausstrahlte, was ihm innewohnte. Man mag mir eine gewisse Melancholie unterstellen, aber es ist wie bei zerstörter Natur: Die Unwiederbringlichkeit des Dagewesenen.

    Man lebt in Diskrepanz mit Hoffnung und der Vorausschau, was wieder passiert durch Neugestaltung in Zukunftsvision.

    Hoffen wir das Beste.

  • DaS sagt:

    Wie schön wäre es, wenn dieser markante Klinkerbau von 1899 im neugotischen Stil, restauriert, noch stehen würde. So einen Bau findet man nur noch selten und vor solchen Häusern bleiben wir doch gerade bewundernd stehen und erfreuen uns. Genauso, wie wir uns an heißen Sommertagen über den Schatten großer Bäume erfreuen. Erhalten, statt Abriss und Abholzung. Leider scheint dies in Wunstorf nicht erwünscht zu sein. Schade!

  • B.N. sagt:

    Es gibt viele Städte, die stolz sind auf ihre geschichtlich bedeutsame Innenstadt, Städte mit Weltruhm und viel Grün. Einer Natur, die viel erzählen kann, unter riesigen Baumkronen sitzend, den Schatten genießend, aber Wunstorf will abreißen, verändern, immer wieder, nichts ist genug, Plattenwüste, Grün vernichten, um mehr Gewinne den Unternehmern (?) zu gewährleisten? Durch Abriss und Naturzerstoerung? Was für eine Nummer!

    Logische Schlussfolgerung: Es werden weitere Geschäfte abwandern, vielleicht neue kommen, ein Geschachere erster Güte, zu Lasten Vieler, die das überhaupt nicht wollen. Immer umgestalten, abändern, zerstören. Wie lange noch?

    Ich wünsche mir einen Bürgermeister, der auch die Belange Derer ernst nimmt, die eine grüne Stadt als Ziel sehen, das Altbewährtes geschätzt wird und Bäume bleiben, wo sie sind. Eine Stadtverwaltung, die auch Bürgerbelange solcher Menschen ernst nimmt, denen das Ganze in Sachen Abriss und Umgestaltung missfällt und vor allem ein Herz hat, für das, was Wunstorf zu fehlen scheint: Beständigkeit.

  • Hans Kiske sagt:

    Kann mich erinnern , daß das -Projekt -damals dagegen demonstriert hat.(Jugendgruppe ev.Kirche)

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