
Wunstorf (ms). Benne liest zum zweiten Mal beim Forum in der Stadtkirche. Er trifft dort auf eine kleine Schar ehemaliger und aktiver Kollegen aus der Redaktion der Hannoverschen Allgemeinen, vor allem aber auf ein Auditorium eingefleischter Fans. So wird der Heimatabend zum Heimspiel für den Laatzener. Die Stadtkirche ist fast voll besetzt, der Altarraum anders dekoriert. Der promovierte Historiker und Germanist ist das, was gelegentlich „Edelfeder“ genannt wird: Er kann schreiben. Mit seinen Kolumnen in der Rubrik Lüttje Lage, seinen Texten über Hannovers Geschichte und Persönlichkeiten, seinen Büchern hat er es bewiesen.
In der Stadtkirche zeigt er mehr: Er kann vorlesen. Es sind die Kleinigkeiten des familiären Alltags, die Glücksmomente und die Nahezu-Katastrophen, die er feinsinnig kolportiert – mit Selbstironie und komödiantischem Talent. Seine pädagogisch wertvolle, weil gewaltfreie Version von Rotkäppchen und seine Ode an das Ketchup sind preisverdächtig. Benne liefert eine gute Stunde bester Unterhaltung, und stellt seine beiden früheren Kollegen Achim Süß und Dirk von Werder in den Schatten, die die beiden ersten Teile der Trilogie an zwei anderen Abenden bestritten hatten.
Beide trugen auch eigene Texte vor, allerdings mit weniger rhetorischem Pfiff als Benne. Von Werder beeindruckte mit einem kritischen Blick auf seine Heimatstadt Neustadt. Er hat die Entwicklung der alten Kreisstadt nach der Gebietsreform vor 50 Jahren als Bürger des Neustädter Landes und als Lokalredakteur direkt erlebt und beobachtet, für die Leine-Zeitung dokumentiert. Jetzt hat er Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke in einem Büchlein dargestellt, das von der Altrewa-Stiftung herausgegeben wird.
Die humorvollen und teils kritischen Texte seien der einzige Neustädter Beitrag zum Geburtstag der großen Stadt, bemängelt der Autor. Wunstorf habe es, so von Werder, mit den diversen Terminen rund um die Wiederkehr des Gründungstages besser gemacht.
Das gelte auch für die Art und Weise, wie Neustadt die Neugestaltung der Innenstadt in Angriff genommen habe und bis in diese Tage fortsetze. Während Wunstorf offensichtlich bemüht gewesen sei, alte Bausubstanz weitgehend zu erhalten, seien in Neustadt etliche Gebäude mit stadthistorischer Bedeutung abgerissen worden.
Der langjährige Madsack-Redakteur ging auch auf das Verhältnis der beiden Nachbarstädte untereinander ein und löste damit eine angeregte Diskussion mit dem Publikum aus. Trotz vieler Wortmeldungen wurde es auch an diesem Abend nicht klar, woher die Rivalität stammt, von der Wunstorfer ebenso sprechen wie Neustädter. Ist es überhaupt Rivalität? Eine Antwort wurde nicht gefunden.
In der Auftaktlesung hatte Achim Süß, mehr als 30 Jahre im Madsack-Verlag aktiv, lange Zeit auch in Wunstorf und Neustadt, und nun Autor der Auepost, handfeste Informationen über die Bedeutung des Bahnhofs für die Entwicklung Wunstorfs bereit und eine Schmonzette über die gute, alte Zeit in der Badeanstalt an der Aue. An diesem Abend war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Seine Altersgenossen im Publikum fühlten sich bei der Reminiszenz an Prickel-Pit und Arschbombe an ihre Jugend in den sechziger Jahren erinnert.
Der Applaus war herzlich – auch für die Vorbemerkungen, mit denen er den Abend und die Trilogie eingeleitet hatte: Seine Heimatstadt Wunstorf sei lebens- und liebenswert, und es gebe Ziele, für die es sich einzusetzen lohne. Er lebe mit seiner Familie gern in der Stadt, und das habe nichts mit „Deutschtümelei oder Blut und Boden zu tun“. Es sei „gesunder Lokalpatriotismus“, und in diesem Sinn habe das Forum als Veranstalter die drei Lesungen „Heimatabende“ genannt. Alles in allem: Die Lesungen sind gelungen, die Resonanz war beachtlich. Es wäre eine Wiederholung wert.
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