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Macbeth, Mozart, Milton: Kulturring komprimiert Kalender

19.04.2026 • Achim Süß • 4 Min.Kommentare: 0

Eingeschränkte Spielzeit, aber hochklassiges Programm: Der Kulturring setzt im 76. Jahr seinen Erneuerungskurs fort – mit Konsequenz und Erfolg. Herausragend im neuen Angebot: eine pralle Macbeth-Version, die Zauberflöte als Lichtshow und Hörerlebnis, Klavierkabarett der Extraklasse mit Christine Schütze. Nicht zuletzt Ausnahme-Dirigent Nicholas Milton und seine Göttinger.

19.04.2026
Achim Süß
4 Min.
Oliver Pohl: Die Besucherzahlen steigen | Foto: Süß

Wunstorf (as). 13 Termine bieten die Programmmacher vom Kulturring in der Saison 2026/27 an – weniger als gewohnt: Der andauernde Umbau des Stadttheaters zwingt alle Veranstalter zu Einschränkungen. Das Gebäude ist bereits seit gut zwei Wochen geschlossen. Zur Zeit laufen die Vorbereitungen für die Neugestaltung von Toiletten, Technikraum, Garderobe und Catering-Bereich. Aktuell sind die Brandmelder gewartet worden. Fassade und Foyer sind im dritten und letzten Bauabschnitt im nächsten Jahr an der Reihe.

Filmmusik und „Heimsuchung“ zum Auftakt

Die neue Spielzeit startet am 12. November mit einem Gastspiel des Theaters für Niedersachsen: „Cinema on Stage“ will mit Filmmusik verzaubern. Schon eine Woche später ist das Schauspiel „Heimsuchung“ geplant. Das Ensemble des Theaters für Niedersachsen kommt mit der Adaption von Jule Erpenbecks Roman für die Bühne nach Wunstorf.

Pop-Balladen unplugged stehen am 11. Dezember auf dem Spielplan, wenn Marc Masconi in Luthe auftritt. Kulturring und „Kultur trifft Kirche“ bieten „Zeit für Gefühle“ im dortigen Gotteshaus in Kooperation an. Fünf Tage später wird die Bühne des Stadttheaters zur Mördergrube: 90 Minuten ohne Pause Shakespeare in seiner Sprache – die berühmte Bremer Company bringt Macbeth in besonderer Form mit: „Bildgewaltig, tragisch und prallvoll mit Aktion und Dramatik sei die Aufführung, heißt es im Programmheft.

Macbeth mit monumentaler Musik: die Bremer Shakespeare Company gastiert | Foto: privat/Marianne Menke

„Die stark atmosphärische Inszenierung setzt gekonnt filmische Mittel wie einen hypnotischen Soundtrack, schlichte, historisch anmutende Kostüme und starke Lichteffekte ein.“

Ohnsorg-Theater gastiert mit Klassiker

Shakespeares Klassiker wird viele junge Menschen ins Theater ziehen: Das Drama über Macht, Schicksal und die zerstörerische Kraft ungezügelten Ehrgeizes ist Lektüre im Fach Englisch für die niedersächsischen Abiturjahrgänge 2027 und 2028.

Ein weiterer Klassiker schließt das Programm dieses Jahres am 29. Dezember ab: „Barfuß im Park“ ist zwar nicht mit Jane Fonda und Robert Redford zu sehen, aber die Professionalität des Hamburger Ohnsorg-Theaters bürgt für gute Unterhaltung.

Neujahrskonzert mit den Göttingern

Mit dem Kabarett Distel und ihrem Rückblick auf 2026 läutet der Kulturring den zweiten Teil des Veranstaltungsreigens ein: Die Berliner Satiriker kommen am 12. Januar. Am 19. Januar wird das Neujahrskonzert der Göttinger Symphoniker zu einem der Höhepunkte im Programm. Die Auftritte der 60 Musikerinnen und Musiker aus 24 Ländern sind ein fester Bestandteil im Kulturring-Angebot, und Wunstorf ist stets ein Fixpunkt für die Göttinger. Mit dem 57-jährigen Australier Nicholas Milton hat das Orchester seit 2018 einen Ausnahmemusiker als Dirigenten.

Der promovierte Philosoph, Musiktheoretiker und Geiger ist bekannt und geschätzt für seinen dynamischen, unterhaltsamen Dirigierstil. Er hat etliche berühmte Klangkörper geleitet und ist seit März dieses Jahres Professor für Orchesterdirigieren in Klagenfurt.

Vokal Ensemble interpretiert „Zauberflöte“

Am 27. Januar geht es weiter mit der Komödie „Ganze Kerle“, die das von Florian Battermann geführte Theater am Altstadtmarkt aus Braunschweig bietet. „Bulli-Abenteuer“ präsentiert Peter Gebhard am 14. Februar.

Das Vokal Ensemble aus Isernhagen – im Stadttheater mit Carmina Burana gefeiert – bereichert das aktuelle Programm diesmal mit Mozarts Zauberflöte. Die Chor-Version wird am 20. Februar geboten. Christine Schütze ist ein neuer Stern am Kabaretthimmel. Die Klaviervirtuosin ist am 27. Februar zu Gast mit „Also mir wär‘ sie zu dünn“.

Peter Gebhard berichtet von seinen Abenteuern mit dem Bulli | Foto: privat/Peter Gebhard

Wie einen Kontrapunkt dazu haben die Programmmacher vom Kulturring für den 5. März Daphne de Luxe ins Angebot aufgenommen. Die Kabarettistin zeigt mit „Kopf hoch, Brust raus“, was sie hat und was sie kann. Die „Komödie im Dunkeln“, aufgeführt vom Theater für Niedersachsen, bildet am 16. März den Schlusspunkt im Veranstaltungsreigen.

Mag die Spielzeit mit mindestens vier Terminen im Flex-Abo für 108 Euro und acht Veranstaltungen im großen Abo für 206 Euro auch reduziert sein, Zugnummern werden genug angeboten: Das Orchester aus Göttingen und die beiden Ensembles aus Hamburg und Bremen stehen für hohe Qualität, ebenso der herausragende Chor aus Isernhagen. Wer’s leichter mag, ist ebenfalls gut bedient.

Kartenverkauf ab 14. Juli

Weitere Informationen bietet der Kulturring über die Internetseite und in der Theaterbar an. Dort startet der freie Kartenverkauf am 14. Juli. Im Internet sind Karten über proticket.de und die Theaterbar erhältlich. Wer auf dem Laufenden bleiben will, sollte den Newsletter abonnieren.

13 Termine sind weniger als das, was das Wunstorfer Publikum gewohnt ist. Und die Veranstaltungen liegen dichter beieinander als üblich. „Dicht gedrängt“ nennt Hermann Kasten, der Vorstandsvorsitzende, das und verweist wieder auf die bauliche Umgestaltung des zweitgrößten Hauses in der Region. Qualität hat ihren Preis, und auch in dieser Branche steigen die Kosten: Der Kulturring – nach Kastens Worten wirtschaftlich dank der Besucherzahlen, der Unterstützung der Stadt und der Sponsoren sehr gut positioniert – erhöht die Ticketpreise um einen auf 31 Euro für die meisten Termine.

Papierverbrauch drastisch verringert

Traditionell nutzen die Programmmacher die Präsentation der Neuigkeiten auch dazu, zurückzublicken und interne Abläufe zu erläutern. Oliver Pohl – seit gut zwei Jahren als Kulturmanager an der Seite des Vorstands aktiv und stets um Innovation bemüht – berichtete von steigenden Besucherzahlen und verstärkten Bemühungen um umweltschonende Praxis.

So ist es gelungen, den Papierverbrauch um mehr als 80 Prozent zu reduzieren: Für die aktuell 65 Inhaber des großen Abonnements mit acht Terminen waren früher 520 Einzelkarten zu drucken. Jetzt erhält jeder Kunde mit seinem Abo-Beleg auf einem Stück Papier auch die Eintrittsberechtigung für die gesamte Veranstaltungsreihe.

Der Ausweis wird zur achtfachen Eintrittskarte, vor jeder Aufführung gelocht und wieder verwendet. Ein entsprechendes Verfahren ist auch für das AboFlex vorgesehen. Pohl: „Eine weitere Reduzierung führen wir mit unserer Jahres-Broschüre durch!“ Waren es bis zur Spielzeit 24/25 noch 5.000 Exemplare, ging die Auflage in 25/26 auf 4.000 Stück zurück und für die kommende Spielzeit 26/27 auf nur noch 3000.

Weniger Plakate

Außerdem wurden das Papiergewicht verringert und umweltfreundliche Druckfarben verwendet. Auch bei den Plakaten in den Formaten A1 und A3 reduziert der Kulturring die Auflagen kontinuierlich und passt sie den tatsächlichen Aufhängemöglichkeiten an.

„Obwohl wir alle Druckprodukte in den Auflagen verringern, bewusst also einen etablierten Wahrnehmungspunkt reduzieren, steigen unsere Besucherzahlen“, betont Pohl. Das zeige, dass die Interessenten Informationen über das Angebot immer stärker digital über das Internet – also über Newsletter, Homepage oder soziale Medien – beziehen.

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