
Wunstorf (as). Plötzlich ist sie da und beginnt. Kein Kopfnicken in den nicht ganz vollen Saal, keine Verbeugung. Der erste Applaus. Und dann Weinzierl. Sein Instrumentarium ist gewaltig, wie die Klänge, die er fabriziert. Marimbaphon, Schlagblech, Glockenspiel und Schlagzeug stehen um ihn herum wie in einer Werkstatt, und wie ein Koch hektisch mit Töpfen und Pfannen jongliert, wendet sich der Hamburger Musiker hierhin und dorthin. Und jeder Bewegung folgt ein anderer Ton.
Sphärische Klangwelten, Klanguniversum, Tonrausch: Kritiker finden zwischen Flensburg und Fürstenfeldbruck stets bildhafte Vokabeln für Weinzierls Geräusche. Fantasievoll und einfallsreich ist das, wohlklingend und aufschreckend. Mit Geigenbogen, gestrichenen Becken und den Loops seiner elektronischen Anlage untermalt er Michael Endes Szenen mit beeindruckender Abwechslung und Intensität. Die grauen Herren, die Zeitdiebe, bekommen laute, harte Klänge. Kurze, heftige Trommelschläge klingen wie Schüsse. Minuten später entwirft Weinzierl für die aufblühenden Stundenblumen zarte, warme, fließende Marimba-Tonfolgen.
Claudia Michelsens Interpretation des vermeintlichen Jugendbuchs ist die perfekte Entsprechung: Für jede Figur findet sie mit ihrer Stimme einen eigenen Ton, mal rau, mal zart. Fast ist es mehr ein Spiel als eine Lesung. Wer das Glück hat, vorn im Parkett zu sitzen, erlebt ihre Mimik und Gestik hautnah. Schon nach wenigen Minuten wird klar: Da ist eine der Großen aus der Riege der deutschen Schauspielerinnen am Werk. Und Weinzierl ist ein ebenbürtiger Partner. Nach fast zwei Stunden geht das Erlebnis in einem Begeisterungssturm zu Ende. Fünfmal kommen die beiden Künstler auf die Bühne zurück. Ihr Dank für die Ovationen ist ehrlich, ihre Verbeugungen sind tief. Ein großer Abend, ein fulminanter Auftakt für das neue Programm des Kulturrings.
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