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Sitzcomedy und Ferkellampe lassen Wortwitz und Lachsalven gedeihen

04.05.2026 • Achim Süß • 3 Min.Kommentare: 3

Wann ist eine Veranstaltung erfolgreich? Wenn der Saal voll ist? Wenn das Publikum auf seine Kosten kommt? Wenn die Akteure überzeugen? Bitten die Wortakrobaten Janssen und Grimm „Zu Tisch“, lautet die Antwort dreimal: Ja. So auch in der Stadtkirche, wo das Forum das hannoversche Satire-Duo präsentiert hat.

04.05.2026
Achim Süß
3 Min.
Imre Grimm, selbst ernannter Phlegmatiker, mit Kochmütze | Foto: Süß

Wunstorf (as). Der Eine schreibt über das fehlende Gespür des Kanzlers für die Stimmung im Land oder über frei schwebende Nutella-Gläser im Weltraum. Das tut er hauptberuflich für das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Seine Kolumne – 1999 in der Hannoverschen Allgemeinen gestartet – erreicht inzwischen die Leser von 40 Tageszeitungen.

Der Andere rasiert regelmäßig die Auftritte der Roten – als „Der Platzwart“ bei 96. Seine „Lütje Lage“-Kolumnen in der HAZ sind Legende. Mit einem Dutzend Redaktionskolleginnen und -kollegen widmet er sich den kleinen Momenten und Widrigkeiten des täglichen Lebens.

Diese Kult-Rubrik war es, die den Einen und den Anderen zu gefeierten Satirikern werden ließ – und zu Bühnenstars: Imre Grimm und Uwe Janssen sind seit fast 20 Jahren mit ihren feinsinnigen Programmen überregional unterwegs. Nächstes Jahr wollen sie das im Aegi feiern.

Der schwarze Tisch

In der bundesdeutschen Szene sind sie Unikate, passen nicht recht in die Schubladen. Sind sie Comedians, Satiriker, Komiker, kabarettistisches Gesangsduo oder was? Jemand hat dafür die Vokabel Sitzcomedy erdacht. Das trifft es. Denn meistens thronen sie hinter einem schwarz abgedeckten Tisch. Vor sich die Gitarren, neben und hinter sich die Ingredienzien moderner Veranstaltungstechnik.

Diese Köche verderben den Brei nicht: Imre Grimm (li.) und Uwe Janssen | Foto: Süß

Sie servieren in der Stadtkirche leichte Kost vom Feinsten, Nachdenkliches und Witziges, Persiflagen und Wortspiele – und auch einen Gang Kalauer. Sehr zum Vergnügen der 120 Zuhörerinnen und Zuhörer. Bei ihren Wortdrechseleien und verballhornten Liedern vergehen drei Stunden wie im Flug. Und das alles ohne Zoten à la Ingo Appelt oder die Geschmacklosigkeiten eines öffentlich-rechtlich bestellten Oliver Welke.

Grimm und Janssen improvisieren und reagieren aufs Publikum, dem sie Lachnummer nach Lachnummer auftischen. Grimm – 1973 in Hannover geboren und als Journalist hoch dekoriert – gibt den selbst ernannten Phlegmatiker mit Hingabe, schildert sein Leben zwischen Sofa und deutschem Schilderwald plastisch und überzeugend. Köstlich sein verbales Essay über den Besuch beim Italiener, der sich als Vietnamese entpuppt, was die Affinität zu bella Italia nicht schmälern kann: „Dorthin geht der Deutsche, wenn er Sehnsucht hat.“ Da stören auch die Sprachprobleme und die elf Zentimeter dicke Panade bei Piccata alla Milanese nicht.

Dieses Schmankerl ist nach dem Geschmack des Publikums, ebenso wie die Schilderung, wenn der Bofrostmann zweimal klingelt. Überhaupt Essen. Es zieht sich als Thema durch das Programm. Wen wundert’s? Es gilt ja: „Zu Tisch“. Appetitlich bebildert und per Beamer dargereicht, löst der Streifzug durch die Verirrungen der Blütezeit des kalten Buffets in der Nachkriegszeit Lachsalven und Beifallsstürme aus. So geht Bühnenkabarett.

Katzenmusik

Zum Niederknien: Grimm hat „Memories“ aus „Cats“ eingedeutscht und in eine Warnung vor der blähenden Wirkung von Kohl umgemünzt und singt mit Janssen ein Hohelied auf den Kartoffelsalat – zur Melodie von „You’re the one that I want“.

Janssen ist in Figur und Habitus so etwas wie der Gegenentwurf zu Grimm. Der 61-Jährige stammt aus Esens, ist ein echter Ostfrieslanderklärer. Er erläutert die Häufigkeit seines Nachnamens in seiner Heimat, die Vielfalt ausgefallener Vornamen und schildert, wie der Burger an die Nordseeküste kam und wie man ihn isst. Motto: „Zu groß, gibt es nicht!“

Uwe Janssen, der wahre Frieslanderklärer | Foto: Süß

Einmal zögert er seinen Einsatz hinaus und bekennt, er fühle sich „in der Stadtkirche so heimisch“. Dann blickt er nach oben zu den rötlich schimmernden Heizstrahlern und erklärt: „Ich hab’ immer das Gefühl, wir sitzen hier unter so Ferkellampen!“ Riesengelächter, und weiter geht’s mit dem Lied „Alte Männer mit Gitarren“.

Die Stadtkirche ist voller Fans an diesem Abend, der Schlussapplaus fast eine Ovation. Zwei Zugaben beschließen den kurzweiligen Abend.

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Kommentare


  • Nina sagt:

    Ich würde mir eine neutrale Berichterstattung wünschen. Hier enttäuscht die Auepost!

    Geschmäcker sind verschieden, ja. Und schön, wenn es Autor und Publikum gefallen hat. Auch ich bin kein Freund der genannten Künstler, aber folgende Formulierung gehen dennich einfach mal gar nicht für den Anspruch einer Berichterstattung: „Zoten à la Ingo Appelt oder die Geschmacklosigkeiten eines öffentlich-rechtlich bestellten Oliver Welke.“

    Man hätte auch Formulieren können: „Mal eine andere Darbietung als die individuelle Art von X und manchmal ggf. unter die Gürtellinie gehenden Witze von Y“… Oder anders. Auf jeden Fall nicht in dieser Weise. Ansonsten bitte deutlich als „Meinung“ oder Leserbrief kennzeichen!

    • Realist sagt:

      Der Einwand ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Gerade solche Vergleiche mit anderen Künstlern sind weniger Berichterstattung als Geschmacksurteil — zumal die Genannten gar nicht Gegenstand des Abends waren.

      Andererseits ist Kulturberichterstattung fast nie völlig neutral. Schon die Auswahl der Adjektive, die Beschreibung der Stimmung und die Frage, was als gelungen oder misslungen gilt, enthält immer eine Wertung. Ein reiner Tatsachenbericht würde am Ende nur lauten: Zwei Künstler traten auf, das Publikum lachte, der Abend endete mit Zugaben.

      Spannend ist daran eher etwas anderes: Satire und Kabarett leben ja gerade davon, dass Kritik, Überzeichnung und Wertung erlaubt sind — solange sie als Unterhaltung verpackt werden. Sobald dieselben Wertungen nüchtern ausgesprochen werden, gelten sie schnell als unangemessen oder nicht mehr „neutral“.

      Vielleicht müsste man daher weniger so tun, als gäbe es völlig meinungsfreie Kulturberichte, sondern klarer unterscheiden: Was ist beobachtbar berichtet, und was ist erkennbar persönliche Einordnung des Autors? Genau diese Trennung wäre sauberer als der Anspruch auf vollständige Neutralität.

      • Nina sagt:

        Lieber Realist,

        danke! Perfekt formuliert und wunderbar getroffen! Ich stimme absolut zu und danke für diese Konkretisierung; ich würde meinen bessere Weichenstellung. Via Kommentarspalte ein fruchtbarer, ergänzender Austausch – wie selten. Ich hoffe, auch der Autor lässt das auf sich wirken!

        Viele Grüße

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