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Vor 100 Jahren: 17-jähriger Fahrraddieb wird verfolgt

04.06.2022 • Daniel Schneider • Aufrufe: 737

Früher war alles besser? Von wegen: Selbst wenn man sein Fahrrad nicht aus den Augen ließ, wurde es trotzdem gestohlen.

04.06.2022
Daniel Schneider
Aufrufe: 737
Stiefelholz-Ortshinweistafel (Archiv)

Fahrraddiebstahl ist ein Ärgernis und beschäftigt die Polizei regelmäßig vor allem an den „Kriminalitätsschwerpunkten“ – zum Beispiel den öffentlichen Fahrradständern am Bahnhof. Fahrraddiebe machen sich dabei meist die Anonymität zunutze und agieren im Verborgenen, wenn sie sich unbeobachtet wähnen. Dass ein Fahrrad direkt unter den Augen des Besitzers gestohlen wird, ist die absolute Ausnahme. Vor 100 Jahren ging ein junger Fahrraddieb jedoch etwas dreister vor. Die Leine-Zeitung berichtete am 31. Mai 1922:

Am Sonnabendnachmittag wurde einer Frau auf der Landstraße bei Stiefelholz ein Damenfahrrad im Werte von 2500 Mark von einem etwa 17-jährigen Burschen gestohlen. Die Frau war auf ihrem Felde beschäftigt und hatte ihr Fahrrad solange in den Landstraßengraben gelegt. Trotzdem die Frau den Diebstahl sah und gleich durch Rufen auf den Dieb aufmerksam machte und von mehreren Leuten, die noch auf dem Felde waren, die Verfolgung aufgenommen wurde, ist der freche Geselle im Dickicht des nahegelegenen Waldes entkommen. Es wird gebeten sachdienliche Mitteilungen an die Landjägerei des Kreises zu richten.

Wir schreiben das Jahr 1922. Wunstorf ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Ortschaft in der preußischen Provinz Hannover. Das Ende des Ersten Weltkriegs liegt noch nicht lange zurück, die Menschen erleben viele Umbrüche in der ersten deutschen Demokratie. Man ist auf dem Weg in die „Goldenen Zwanziger“. Das Deutschlandlied wird erstmals zur Nationalhymne erklärt. In Berlin wird der Stummfilm Nosferatu uraufgeführt. In Ägypten wird das Grab von Pharao Tutanchamun entdeckt. Die Sowjetunion wird gegründet.
von Daniel Schneider
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Kommentare


  • Grit D. sagt:

    DIE Bestätigung meiner Rede, dass früher eben NICHT alles besser war!

    Was mein Großvaters mütterlicherseits (*1909) rundweg abstreiten würde.

    So gehen die Überzeugungen und Ansichten halt auseinander, was ich persönlich völlig in Ordnung finde.

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