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Vor 100 Jahren: Brutaler Überfall in der Bahn

05.05.2022 • Daniel Schneider • Aufrufe: 538

Bahnfahren gilt als sehr sicher, und wenn doch einmal etwas passiert, dann gibt es die Notbremse. Vor 100 Jahren nutzte die jedoch ein Verbrecher, um nach einem brutalen Überfall zu entkommen.

05.05.2022
Daniel Schneider
Aufrufe: 538
Pressespiegel 100 Jahre

Anfang April im Jahre 1922 hatte sich ein Bahnreisender wohl gewünscht, einen anderen Zug genommen zu haben als den späten D-Zug nach Haste. Die Fahrt endete für den Niederländer, der zu einer Hochzeitsfeier gelangen wollte, mit schweren Verletzungen in einem Krankenhaus in Hannover.

Vor 100 Jahren berichtete die Leine-Zeitung anhand einer Meldung des Hannoverschen Kuriers über die Folgen des drastischen Überfalls auf offener Strecke:

Der in der Nacht zum 4. April im D-Zug zwischen Minden und Haste überfallene Kaufmann aus Zeyst, der in das Clemeninenhaus nach Hannover gebracht worden war, hat sich von seinen Verletzungen inzwischen so weit erholt, dass er polizeilich vernommen werden konnte. Er vermochte indessen keine weiteren Angaben zu machen. Die Polizei hat umfassende Ermittlungen angestellt, aber eine bestimmte Spur hat sich noch nicht ergeben. Festgestellt ist, dass der Verbrecher selbst die Notleine gezogen und den Zug zum Halten gebracht hat, aus dem er dann sofort entwichen ist. Über das Befinden des Überfallenen, der sich auf der Reise von seinem Wohnort Zeyst in Holland nach Hannover befand, um hier der Hochzeit der Tochter eines Geschäftsfreundes beizuwohnen, ist laut dem Hannoverschen Kurier noch Folgendes zu berichten: Die Verletzungen, die der Mann erhalten hat, sind zweifellos durch ein zweischneidiges Stilett verursacht, mit dem der Verbrecher nach dem Herzen gezielt hat. Glücklicherweise traf er aber den Rumpf des Liegenden nicht senkrecht auf die Vorderseite, sondern nur seitlich, so dass das Stilett durch eine Rippe abgelenkt wurde. In der Heilung der Wunde ist zurzeit schon ein guter Fortschritt eingetreten, die unter die Haut bis zum Halse getretene Luft ist größtenteils aufgesaugt, so dass die Hauptgefahr als überstanden angesehen werden kann. Ein zweiter Stich traf den zur Abwehr erhobenen rechten Oberarm und durchtrennte einen Hauptnerv, so dass die rechte Hand gelähmt ist. Das Allgemeinbefinden des Verletzten ist zufriedenstellend.

Wir schreiben das Jahr 1922. Wunstorf ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Ortschaft in der preußischen Provinz Hannover. Das Ende des Ersten Weltkriegs liegt noch nicht lange zurück, die Menschen erleben viele Umbrüche in der ersten deutschen Demokratie. Man ist auf dem Weg in die „Goldenen Zwanziger“. Das Deutschlandlied wird erstmals zur Nationalhymne erklärt. In Berlin wird der Stummfilm Nosferatu uraufgeführt. In Ägypten wird das Grab von Pharao Tutanchamun entdeckt. Die Sowjetunion wird gegründet.
von Daniel Schneider
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