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Vor 100 Jahren: Die Steinhuder Meer-Bahn senkt die Fahrpreise

30.07.2021 • Daniel Schneider • Aufrufe: 1570

Heute bekommt eher die Deutsche Bahn Konkurrenz durch kleinere Unternehmen. Vor 100 Jahren war das umgekehrt …

30.07.2021
Daniel Schneider
Aufrufe: 1570
Holzklasse
So sahen früher die Abteile der 3. Klasse der Meer-Bahn aus | Foto: Daniel Schneider

Die Steinhuder Meer-Bahn war vor 100 Jahren ein etabliertes Unternehmen: Bereits 23 Jahre fuhr sie ab Wunstorf Richtung Westen und verband die Orte rund ums Steinhuder Meer miteinander.

Doch Anfang der 1920er Jahre stand ihre Zukunft auf der Kippe. Das hatte noch nicht mit schwindenden Fahrgastzahlen im Bahnverkehr zu tun, die vierundvierzig Jahre später ihr Aus bedeuten sollten – im Gegenteil. Immer mehr Passagiere nahmen damals mit Begeisterung den Zug. Aber mit der Beliebtheit des Schienenweges wuchs auch die Konkurrenz: Die Reichsbahn schlief nicht und baute selbst neue Strecken in der Gegend. Und das bekam die Steinhuder Meer-Bahn nun zu spüren.

Pressespiegel 100 Jahre

Die Wunstorfer Eisenbahngesellschaft reagierte notgedrungen mit einer Reduzierung der Fahrpreise, um die Fahrgäste bei der Stange bzw. in den eigenen Zügen zu halten. Es wurde damit versucht, die Preise der Reichsbahn zu unterbieten. Die Leine-Zeitung kündigte in ihrer Ausgabe vom 30. Juli 1921 die Preissenkung an:

Die Steinhuder Meer-Bahn hat ihre Fahrpreise 3. Klasse nach den Stationen Loccum, Leese, Stolzenau, Böthel, Rendorf und Uchte und umgekehrt erheblich herabgesetzt. Der Fahrpreis beträgt vom 1. August an noch etwas weniger als der Fahrpreis der 4. Klasse der Reichsbahn über Stadthagen nach Wunstorf. Die Steinhuder Meer-Bahn, die durch den Bau der beiden Eisenbahnen von Minden und Stadthagen nach Nienburg schwer geschädigt wird, will versuchen, den Personenverkehr nach Wunstorf und darüber hinaus sich möglichst zu erhalten.

Die Meer-Bahn, die nur mit Wagen bis zur 3. Klasse fuhr (die heutzutage der 2. Klasse in den Zügen entsprechen würde), bot damit in komfortableren Waggons günstigere Preise als in der nächtschlechteren Wagenklasse der Reichsbahn, wo man somit ab dem 1. August für Stehplätze mehr bezahlte als für einen Sitzplatz bei der Steinhuder Meer-Bahn. Das zeigt, wie groß der Preisdruck damals gewesen sein muss. Wenn man sparen konnte, dann sparten die Menschen auch beim Bahnfahren.

Waggon
Restaurierter Original-Waggon der Meer-Bahn im Steinhuder Freilichtmuseum | Foto: Daniel Schneider

Die Preissenkung war gezielt geplant: Einen Tag nach dem Gültigwerden der Preisanpassung, am 2. August 1921, wurde die Konkurrenzstrecke der Reichsbahn im Süden des Steinhuder Meers eröffnet. Von nun an konnten die Passagiere von Loccum auch mit der Reichsbahn nach Wunstorf oder Hannover fahren. Letztlich verlor die Steinhuder Meer-Bahn den Preiskampf: 1935 wurde der westliche Streckenabschnitt jenseits von Rehburg stillgelegt.


Wir schreiben das Jahr 1921. Wunstorf ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Ortschaft in der preußischen Provinz Hannover. Das Ende des Ersten Weltkriegs liegt noch nicht lange zurück, die Menschen erleben viele Umbrüche in der ersten deutschen Demokratie. Man ist auf dem Weg in die „Goldenen Zwanziger“. Es ist das Geburtsjahr der späteren Widerstandskämpferin Sophie Scholl - und Adolf Hitler wird Parteivorsitzender der noch jungen NSDAP.
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Kommentare


  • Georg Conrad sagt:

    Diese tolle Bahn, hätte man erhalten sollen, Sie wäre heutzutage das Touristenmagnet schlechthin!!! Tja, wie vieles von früher, wurde Sie einfach verschrottet, dafür fahren ja die sinnlosen Verkehrshindernisse: die ollen Busse!!! Sie sind einfach nur lästig, nervig, völlig überbewertet!!!

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