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Vor 100 Jahren: Hyperinflation in Wunstorf

08.10.2022 • Redaktion • Aufrufe: 464

Ein 3-Minuten-Telefonat für 84 Mark, kurz darauf Briefmarken für Millionen – und die Stadtsparkasse gibt Tausender-Schecks aus, damit die Wunstorfer noch Brot kaufen können. Vor 100 Jahren setzte die Hyperinflation ein.

08.10.2022
Redaktion
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Pressespiegel 100 Jahre

Die Inflation im Lande ist derzeit auf 10 Prozent gestiegen. Verglichen mit der Situation vor 100 Jahren ist das kaum etwas. Zu Beginn der 1920er Jahre wurden die Waren in Deutschland so schnell so teuer, dass das im Umlauf befindliche Geld nicht mehr ausreichte, um die Preise noch bezahlen zu können. Die Stadtsparkasse gab daher im Oktober 1922 Schecks mit vierstelligem Nennwert aus, damit die Wunstorfer wieder „flüssig“ wurden: Am 29. September 1922 hatte die Leine-Zeitung gemeldet:

Zur Minderung der Geldknappheit wird die Sparkasse der Stadt Wunstorf am 1. Oktober Schecks in Höhe von 1.000, 2.000 und 3.000 Mark ausgeben.

Einige Tage danach die nächste Meldung in der Zeitung, die die Leser auf die stetig weiter steigenden Preise einstimmte:

Neue ums doppelte erhöhte Postgebühren in Sicht! Vom 1. Dezember an soll ein gewöhnlicher Brief im Ortsverkehr 4 Mark, im Fernverkehr 12 Mark kosten, eine Postkarte 3 Mark bezw. 6 Mark. Die Gebühr für das Päckchen wird sich auf 24 Mark belaufen und die für jedes Wort eines Telegramms 10 Mark, wozu noch eine Grundgebühr treten soll. Für ein gewöhnliches Dreiminutenferngespräch nach Berlin sind vom 1. Dezember an 84 Mark zu entrichten.

Was in den Jahre zuvor noch wenige Pfennige gekostet hatte, verteuerte sich nun um den Faktor 100: Für „Cents“ bekam man nichts mehr zu kaufen. Und der Währungsverfall der Mark ging munter weiter, im darauffolgenden Jahr setzte die Hyperinflation ein: In monatlichen Schritten kostete eine gewöhnliche Briefmarke dann erst mehrere hundert Mark, dann mehrere tausend und am Ende mehrere Millionen Mark. Anfang 1923 musste man für einen Dollar eine Million Mark hinlegen. Am 1. Dezember wurde auch der Preis der Leine-Zeitung selbst erhöht. Von bereits stolzen 60 auf 200 Mark. Die Zeitung schrieb im Lokalteil:

Der Bezugspreis der Leine-Zeitung und des Rodewalder Anzeigers musste leider wieder erhöht werden; er beträgt für den Monat Dezember 200 Mark. Die Postbezieher, die für 3 Monate die Zeitung im voraus bei der Post oder bei dem Briefträger bezahlt haben, werden gebeten, die Nachzahlung von 140 Mark spätestens bis zum Sonnabend, dem 9. Dezember hier in der Geschäftsstelle zu entrichten oder bei der Post auf unser Postscheckkonto einzuzahlen.

An die Stelle der alten Mark traten schließlich die Renten- und die Reichsmark. Die Hyperinflation wurde mit einer Währungsreform gestoppt, das Vertrauen in das Papiergeld kehrte zurück.

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