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Vor 100 Jahren: Stallschweizer landen nach Diebstahl in Blumenau im Gefängnis

30.06.2022 • Redaktion • Aufrufe: 774

Die Zeiten ändern sich. So würde heute keine Zeitung mehr schreiben – nicht nur „Zigeuner“ ist keine adäquate Bezeichnung mehr, überhaupt werden ethnische Zugehörigkeiten nicht mehr genannt, um Diskriminierung zu vermeiden. Aber auch „Täter“ ist nicht korrekt …

30.06.2022
Redaktion
Aufrufe: 774
Pressespiegel 100 Jahre

Am 9. Juni 1922 berichtete die Leine-Zeitung über die Festnahme dreier Stallknechte in Blumenau:


In letzter Zeit wurde wiederholt Getreide in erheblichen Mengen von dem Getreidespeicher dier hiesigen Domäne entwendet, oh dass man eine Spur der Diebe entdecken konnte. Die nunmehr angestellten polizeilichen Nachforschungen führten schließlich zu dem Erfolge, als Täter drei auf der Domäne beschäftigte Schweizer ausfindig zu machen. Diese haben bereits eingestanden, 16 Zentner Hafer gestohlen und diese an Zigeuner und an zwei Hehler in Wunstorf und Hainholz weiter veräußert zu haben. Für die letzteren wird der Kauf noch ein gerichtliches Verfahren nach sich ziehen. Die ungetreuen Schweizer wurden durch Oberlandjäger W. dem Gefängnis in Neustadt a. Rbge zugeführt.

Der Bericht ist gleich in dreifacher Hinsicht ein Beispiel für den Zeitenwandel: Ein Zeitungsbericht aus unseren Tagen würde ganz anders lauten. Die ethnische Zugehörigkeit von Beteiligten würde nicht genannt werden, wenn es keinen guten Grund dafür gäbe. Auch blumige Ausschmückungen wie „ungetreu“ fänden sich nicht mehr im Text. Ebenso würden Tatverdächtige nicht mehr als Täter bezeichnet, solange ein Gericht noch nicht entsprechend geurteilt hat. Solche Vorverurteilungen, auch wenn sie das Offensichtliche zu beschreiben scheinen, wäre genau das: Vorverurteilungen.

Wir schreiben das Jahr 1922. Wunstorf ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Ortschaft in der preußischen Provinz Hannover. Das Ende des Ersten Weltkriegs liegt noch nicht lange zurück, die Menschen erleben viele Umbrüche in der ersten deutschen Demokratie. Man ist auf dem Weg in die „Goldenen Zwanziger“. Das Deutschlandlied wird erstmals zur Nationalhymne erklärt. In Berlin wird der Stummfilm Nosferatu uraufgeführt. In Ägypten wird das Grab von Pharao Tutanchamun entdeckt. Die Sowjetunion wird gegründet.
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Kommentare


  • Lydia Bertani sagt:

    Richtig: Heute steht Täterschutz ganz klar vor Opferschutz. Echt prima!
    Was aber geht, wenn ein mutmaßlicher migrantischer Täter in Celle wohnt, ihn dann gezielt falsch „aus Celle stammend“ zu deklarieren. Echt cool, was hier so geht.
    Aber zum Glück darf man sich jetzt einmal pro Jahr das Geschlecht aussuchen.

  • Anonymous sagt:

    Schweizer ist hier eine Berufsbezeichnung!

  • Hans H. Hanebuth sagt:

    Die „Schweizer“ waren die Melker, bzw. diejenigen, die mit der Milchherstellung zu tun hatten. Das waren ursprünglich Menschen aus der Schweiz, daher die Berufsbezeichnung,

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