
Es ist das Wahrzeichen des Wunstorfer Weihnachtsmarktes. Was viele ahnen, aber meist nicht wissen: Es ist inzwischen hundert Jahre alt. Seit einem Jahrhundert dreht es sich in der Weihnachtszeit, gut ein halbes Jahrhundert davon in Wunstorf.
Die Schaustellerfamilie Dormeier baut es mit ihren Helfern jedes Jahr wieder auf. Moderne LED-Leuchten haben die einstigen alten Glühbirnen ersetzt, doch das Karussell ist über die Jahrzehnte dasselbe geblieben.
Fast. Ausgetauscht wurden Teile davon immer wieder, Reparaturen und Ergänzungen haben das Karussell über die Jahrzehnte geprägt, doch die älteste Figur, ein hölzerner Elefant, lässt sich tatsächlich recht genau auf 100 Jahre zurückdatieren.
Der Elefant selbst dreht sich nicht mehr mit auf dem Karussell, er entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Kinder hatten darauf einst eher schlechten Halt. Aber die übrigen Figuren sind kaum minder historisch und wurden über die Dekaden hinweg gepflegt und instand gehalten.
Der Aufbau ist mit die stressigste Phase beim Weihnachtsmarktgeschäft. Denn obwohl bereits eine Woche im Voraus die ersten Buden stehen und der Weihnachtsmarkt Gestalt annimmt, die Schausteller und Budenbetreiber mit der Herrichtung des Angebots beginnen, wird es immer eng bis zur Eröffnung.

Wie viel Arbeit im Aufbau steckt, was alles getan werden muss an, in den und um die Weihnachtsmarktbuden herum, das sieht man dem Weihnachtsmarkt nicht direkt an. „Fertig werden wir nie“, schildert Vanessa, die in den kommenden Wochen am Glühweinstand auch die „Flotte Orange“ ausschenken wird, im Gespräch mit der Auepost die Vorbereitungen bis zur letzten Minute.

Die Tochter des Familienoberhauptes, Albert Dormeier, und ihr Mann schauen gemeinsam auf das altehrwürdige Karussell, in dem Peter Stöckmann in diesem Moment die letzten Lämpchen einschraubt. Diese werden stets entfernt und wieder eingeschraubt, wenn das Fahrgeschäft ab- und aufgebaut wird. Das warmweiße Licht der insgesamt 192 Lichtquellen im zentralen Rund des Karussells taucht das alte Holz in einen magischen Schimmer.
Am anderen Ende der Weihnachtsmarktfläche bereitet Angelo gerade die Friteuse vor: Sie ist das zentrale Element seines Standes, an dem es die bekannte „Gefüllte Pizza“ gibt. Fast ist der Stand auf den ersten Blick nicht wiederzuerkennen: Der frühere Imbisswagen hat sich ab diesem Jahr in eine frische Weihnachtsmarkthütte verwandelt.

Einen neuen Eindruck wird es auch an der Bratwurststation in der Mitte des Weihnachtsmarktes geben: Dort hat die ehemalige Beleuchtungsdeko auf dem Dach ausgedient. Der Rentierschlitten taucht nicht mehr auf, stattdessen leuchten nun große Sterne über dem Angebot.
Wunstorf ist auch für die Dormeier-Familie, die in Bassum sesshaft ist, zur zweiten Heimat geworden, obwohl man in Wunstorf während der Weihnachtszeit in Wohnwagen oder Ferienwohnungen lebt. Für die Weihnachtsmarktschausteller in Wunstorf ist auch das ein verbindendes Element. Man kennt sich untereinander gut, ist über verwandtschaftliche Bande verknüpft oder befreundet – je nachdem tatsächlich oder gefühlt eine große Familie.

Man ist Teil der Stadt und hier so bekannt, dass man bisweilen sogar Irritationen auslöst: Wenn sie einmal in den Sommermonaten für Erledigungen in der Auestadt unterwegs sind und erkannt werden, heißt es dann scherzhaft: „Oh, ist schon wieder Weihnachten?“
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