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Eisnotstand auf dem Barneplatz: Das Frühlingsfest des Bauvereins wird zum Quartiersmagneten

19.04.2026 • Redaktion • 3 Min.Kommentare: 13

Am Mittwoch hätte man glauben können, der Barneplatz sei schon wieder neu eröffnet worden. Es war das Frühlingsfest des Bauvereins, das alle Besucherprognosen sprengte. Hunderte Menschen von klein bis groß kamen zusammen.

19.04.2026
Redaktion
3 Min.
Frühlingsfest auf dem Barneplatz | Foto: Schneider

Was war denn da am Mittwoch in der Barne los? Die Bewohner der Bauverein-Häuser wussten es bereits vorher, denn Aushänge in den Hauseingängen kündigten das Event schon seit einiger Zeit an. Auch auf den Social-Media-Kanälen des Bauvereins war es beworben worden: Das Frühlingsfest des Bauvereins, ein Begegnungsangebot der örtlichen Wohnungsbaugenossenschaft.

Die Wiedereröffnungsfeier des neuen Barneplatzes hatte im Jahr 2023 so viele Menschen angezogen, wie der Mittelpunkt des Barneviertels wohl seit seinen Entstehungszeiten vor sechzig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Das blieb bis heute unerreicht, aber das Frühlingsfest nun kam nah dran. Hunderte schauten am Nachmittag ab 15 Uhr vorbei und verwandelten den Barneplatz in einen riesigen Nachbarschaftstreff.

Kinder bekamen ein Freigetränk, Erwachsene Gratis-Kaffee vom Coffee-Bike. Schüler der Otto-Hahn-Schule verkauften Kuchen zugunsten der Klassenkasse, die Polizei codierte Fahrräder, das Mehrgenerationenhaus bot Rikschafahrten – und manches mehr konnte entdeckt werden. Viele Akteure aus dem Viertel machten mit, der Bauverein organisierte das Drumherum.

Etwas später im Kalender als im Vorjahr hatte die Genossenschaft das Frühlingsfest angesetzt, um die Chancen auf gutes Frühlingswetter zu steigern – und der Plan ging auf. Es herrschte geradezu Sommerwetter.

Ausdauer am Eiswagen

Das zeigte sich vor allem am Eiswagen: Die Schlange der Anstehenden reichte einmal über den ganzen Platz. Die Auepost stoppte in einer Stichprobe die Zeit. Das Ergebnis: 43 Minuten Wartezeit. Es wurde geduldig angestanden, aber auch gewitzelt, ob die beiden Verkäufer die bunten Streusel zu den Eiskugeln wohl erst nach Farbe sortieren würden.

Ebenfalls angestanden, aber mit deutlich geringeren Wartezeiten, wurde bei Zauberer Tobini, der bereits von früheren Bauverein-Festen bekannt ist. Auch wer mehr als ein individuell gefertigtes Luftballontier haben wollte, musste sich natürlich nicht doppelt anstellen.

Die Resonanz auf die Quartiersfeste, die nicht nur in der Barne, sondern auch den anderen Siedlungen des Bauvereins stattfinden, wird immer größer. Inzwischen kämen schon Anfragen von Gewerbetreibenden, die dafür bezahlen wollten, auf den Veranstaltungen einen Verkaufsstand aufbauen zu dürfen, erzählt Bauverein-Vorstand Jost Kemmerich im Gespräch mit der Redaktion. Darauf lässt man sich aber nicht ein bei der Genossenschaft: Man will den gemeinschaftlichen Charakter bewahren und das Geschehen selbst in der Hand behalten.

„Kann ich auch 2 bekommen?“ – Ballonbestellung bei Zauberer Tobini | Foto: Bauverein
Auf dem Platz ist einiges los | Foto: Schneider
Warteschlange am Eiswagen | Foto: Schneider
Bürgermeister und Ortsbürgermeister bestaunen den Andrang zusammen mit den Bauverein-Vorständen Kathrin Tietz (li.) und Jost Kemmerich (Mitte), die immer auch persönlich dabei sind | Foto: Schneider

Beim Themenpunkt Schmuck und Schminken konnten die Besucher gleich unter zwei sehr ähnlichen Angeboten wählen: Während der örtliche Tattoo-Laden zwischen den örtlichen Geschäften auch zum Frühlingsfest geöffnet hatte, gab es ein paar Meter weiter an einem Stand kindgerechte Abzieh-Tattoos zum Aufkleben. Man musste lediglich aufpassen, die Angebote nicht zu verwechseln.

Gemeinschaftsgefühl

Für den Bauverein selbst könnte das zurückliegende Fest keine bessere Bestätigung sein, dass solche Quartiersangebote von großer Bedeutung sind für als lebendig wahrgenommene Nachbarschaften, die ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen.

Breites Angebot: Von Coffee-Bike und Kuchen (links) bis Einmaltattoos und Imkerverein (rechts) | Foto: Bauverein

Genau so sieht man es auch in der Genossenschaft: „Wir freuen uns über die positive Resonanz. Das Frühlingsfest ist ein wunderbares Beispiel für den Zusammenhalt unserer Genossenschaft. Es zeigt, wie wichtig gemeinschaftliche Veranstaltungen sind, um das Miteinander zu fördern und die Bindungen innerhalb der Genossenschaft zu stärken“, teilte Jessica Rood, Sozial- und Quartiersmanagerin des Bauvereins, mit.

Auch 2027 soll es das nächste Frühlingsfest wieder auf dem Barneplatz geben, kündigte Bauverein-Vorstand Kathrin Tietz gegenüber der Auepost an. Der genaue Termin wird aber immer erst zum Jahresende festgelegt.

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Kommentare


  • Pia sagt:

    Das hier transportierte „Gemeinschaftsgefühl“ wirkt weniger wie eine reale Beschreibung des Quartiers als wie ein behauptetes Einigkeitsbild. Gerade dort, wo um Platzumgestaltung, Verkehrspolitik und die Einschränkung gewohnter Mobilität gestritten wird, wird Harmonie inszeniert, statt den fortbestehenden Dissens sichtbar zu machen. Kostenlose Angebote, Familienatmosphäre und Quartierssymbolik ersetzen keine Auseinandersetzung mit den Belastungen, die vielen Bewohnern zugemutet wurden. Dass ausgerechnet Rikschafahrten als freundlicher Programmpunkt erscheinen, hat in diesem Zusammenhang beinahe etwas Sarkastisches.

  • Frank sagt:

    Ein bisschen Eis, ein Gratis-Kaffee und schon wird ein ganzes Quartier zur fototauglichen Kulisse für die Akzeptanz einer von oben verordneten Verkehrswende mit Rikscha.

    • Anonym sagt:

      Ja nun – Testläufe dafür hat die Politik ja bereits zur Genüge veranstaltet.
      Ich meine, wer sich für eine kostenlose Bratwurst eine experimentelle, teilweise lebensgefährliche und nicht verifizierte Gentherapie in die Adern jagen lässt, der freut sich natürlich über ein bisschen Eis und einen Gratis-Kaffee, wenn es denn diesmal nicht mit einem plötzlich und unerwarteten Todesereignis für ihn endet.
      Da möchte man direkt mitfeiern, gelle?

      • Anonym sagt:

        Einmal mehr beweist sich die Auepost Kommentarfunktion als Sprachrohr für Verschwörungstheoretiker.

        • Frank sagt:

          Der Vorwurf „Verschwörungstheorie“ bestätigt hier eher den Mechanismus: Beide Lager arbeiten mit Behauptungen, die der Einzelne kaum selbst prüfen kann, und leihen sich ihre Gewissheit bei Vertrauensautoritäten aus – die einen bei offiziellen Experten und Studien, die anderen bei gegenoffiziellen Gegenexperten und Gegennarrativen. Beide wähnen dabei genügend Belege und Experten auf ihrer Seite und halten gerade deshalb eigene Prüfung für entbehrlich. Genau darin liegt der Trugschluss. Polarisierung ist dabei kein Unfall, sondern Voraussetzung: Lenkbar wird die Masse vor allem dort, wo sie sich in Gut und Böse sortieren lässt. Gerade deshalb ist es unerwünscht, beide Seiten zugleich in Frage zu stellen.

        • Pia sagt:

          Ja, natürlich.
          Die Frage ist nur, welche gemeint ist: die von der großen Heilswirkung oder die von der großen Schadwirkung.
          Als Verschwörungstheorien sind im Umlauf ja beide – nur nennt jede Seite immer nur die andere so und übersieht, dass sie mit der Wahl ihrer eigenen Variante selbst zur Verschwörungstheorie greift.

      • Frank sagt:

        Mir geht es nicht um das nächste Totalnarrativ. Weder Heilsversprechen noch Katastrophenbehauptungen sind für mich in dieser Form belastbar verifizierbar. Interessant ist der Mechanismus dahinter: Anreiz, Autoritätsglaube, Mitlaufen und gesellschaftliche Spaltung.

  • Jerry M. sagt:

    Kann man sich nicht einfach mal freuen, dass ein Wohnungsunternehmen ein Fest für seine Mieter/Kunden veranstaltet an dem dann auch noch „Fremde“ teilnehmen können/dürfen?

    Auch wenn bei der Verkehrsplanung und Neugestaltung des Barneplatzes viel schief gelaufen ist / zu sein scheint, was hat das mit den Frühlingsfest eines Hausbesitzers zu tun?

    • Anneliese B. sagt:

      Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?
      Genau damit, dass das Fest nicht im luftleeren Raum stattfindet. Wenn ein umstrittener Ort zur Bühne für Gemeinschaft, Andrang und Harmonie wird und die örtliche Politik dabei sichtbar mit auftritt, hat das eine sehr wohl mit dem anderen zu tun.

  • centrodelmargine sagt:

    Der Barneplatz war ab 1060 als marktartiges Zentrum des Barneviertels gebaut worden. Der Wunstorfer Bauverein war ein maßgeblicher Bauträger des Viertels. Dass dieser sich heute vielleicht mehr denn je um seine Genossinnen und Genossen und seine Mieter kümmert, ist vorbildlich. Gegenseitige Rücksichtsnahme und Zusammenhalt unter den Bewohnern und Anwohnern ist „die halbe Miete“.
    Dass der Bauverein jetzt für sein Frühlingsfest die Gegebenheiten des erneuerten Platzes nutzen kann, ist doch klasse. Den Zulauf der Menschen jetzt auf die kostenlose Bratwurst etc. herunterzureden? Vielleicht steckt doch der Wunsch dahinter, einmal zum Frühling hin einfach zusammenzukommen, wenn es die Gelegenheit gibt. Mit Kind und Kegel.
    Dass derzeit verantwortliche Politiker gesehen wurden, gut so. Hat jemand die Dissens-Politiker gesehen?
    Es wird hier gefordert, den „fortbestehenden Dissens sichtbar zu machen, Auseinandersetzung mit Belastungen … “ und ähnliche Späße. Das klingt armselig angesichts des stattgefundenen Festes.

    Übrigens, am Barneplatz wurde schon immer über Gott und die Welt geschimpft. Aber man kam und kommt aus diesem Anlass regelmäßig gerne zusammen. „Leben und leben lassen“, das könnte man gut und gerne als Motto über diesen Platz hängen. Großzügigkeit und, ja auch Nickeligkeiten, beide sind hier zu Hause.

    Eben die Mitte des Randes. Viva il centro del margine!

    • Elke B. sagt:

      Natürlich kann man das Fest selbst nett finden und sich über ein Zusammenkommen freuen. Das bestreitet doch niemand. Der Punkt ist nur, dass nicht jeder bereit ist, für Bratwurst, Gratis-Kaffee und Frühlingsatmosphäre darüber hinwegzusehen, dass am selben Ort weiterhin ganz reale Konflikte um Erreichbarkeit, Mobilität und politische Fehlentscheidungen bestehen. Der eine nennt das Zusammenhalt, der andere billig erkaufte Harmonie. Dass es dazu unterschiedliche Maßstäbe gibt, ist weder armselig noch überraschend, sondern einfach Ausdruck unterschiedlicher Wahrnehmung.

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