
Wunstorf (ds). Schon mitten in der vergangenen Nacht begannen die Vorbereitungen, das Technische Hilfswerk (THW) war bereits ab 3.30 Uhr damit beschäftigt, die Logistik für den anstehenden Flug zu koordinieren. Auf dem Gelände des Fliegerhorstes Wunstorf waren die Zivilschützer zugange: Fahrzeuge brachten Transportgüter, Ausrüstung und Material – und Personal.
Das große Erdbeben in Venezuela hat internationale Hilfe auf den Plan gerufen – auch aus Deutschland. Über die Vereinten Nationen gingen Hilfeersuchen an verschiedene Staaten und Hilfsorganisationen, um den von der Naturkatastrophe direkt betroffenen Menschen zu helfen. Mittwochabend, den 24. Juni 2026 zur Ortszeit hatte es im Norden Südamerikas zwei schwere Erdbeben gegeben. Sie hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5 auf der Richterskala. Die Millionenstadt Caracas etwa, obwohl weiter entfernt vom Epizentrum, ist von starker Zerstörung betroffen. Zehntausende Menschen werden im Land vermisst und unter Trümmern eingestürzter Häuser vermutet.
An Bord der Wunstorfer Maschinen gegangen ist nun die SEEBA, die „Schnell-Einsatzeinheit Bergung Ausland“ des THW unter Leitung von Peter Benz. Die spezialisierten Helfer sind nach Anforderung innerhalb von wenigen Stunden einsatz- und abflugbereit für jeden weltweiten Notfall.
Vor Ort eingetroffen, können die THW-Spezialisten völlig autark agieren. Neben massivem Gerät können die THW-Leute auch Rettungshunde einsetzen, um Verschüttete aufzuspüren und zu befreien. Vier Rettungshunde wurden mit in die Transportflugzeuge genommen – allerdings nicht nur vom THW.


Denn das THW ist nicht die einzige Hilfsorganisation, die am Vormittag aus Wunstorf Richtung Venezuela aufbrach. Auch Helfer von @fire sind an Bord der Maschinen. Da zivile Flugverbindungen in den Norden Venezuelas ebenfalls schwierig oder unterbrochen sind (die konkrete Situation der vom Erdbeben betroffenen Flugplätze und entsprechende Landemöglichkeiten waren selbst für die Luftwaffe am Morgen noch nicht vollständig geklärt), greifen die Katastrophenschützer in Gelb ebenfalls auf die Möglichkeiten des Lufttransportgeschwaders 62 der Bundeswehr zurück.


Die Organisation @fire hat ihre Wurzeln im Feuerwehrwesen und in der Flächenbrandbekämpfung, agiert jedoch als eigenständige Katastophenhilfeorganisation auch bei Naturkatastrophen wie Erdbeben unabhängig von staatlichen Strukturen. Das THW fliegt mit 48 Personen, @fire ist mit 24 Helfern an Bord der Maschinen.
Das LTG 62 ist nicht nur Helfer für den Transport, sondern stellt mit den A400M-Maschinen auch selbst Einsatzlogistik bereit: So war eine der abfliegenden Maschinen eine sogenannte MedEvac-Einheit: eine fliegende Intensivstation der Luftwaffe, die zur Verlegung und Evakuierung von schwerverletzten Patienten aus dem Krisengebiet genutzt werden wird.

Ebenfalls an Bord der Maschinen sind bewaffnete Soldaten. Sie gehören zur AMPT-Einheit des LTG 62: Die sogenannten Air Mobile Protection Teams sind eine Art Objektschützer der Lüfte: Sie sorgen dafür, dass die Transportflugzeuge am Zielort abgesichert sind. Da nicht klar ist, wie die Lage vor Ort genau sein wird, sichern die Teams die A400M am Boden gegen Bedrohungen ab und ermöglichen den Besatzungen und Passagieren ein sicheres Agieren.
Aufgrund des entfernten Ziels verläuft die Reise für den Hilfseinsatz mit einem Zwischenstopp: Auf den Azoren wird zwischengelandet, ungefähr auf halber Strecke zwischen Deutschland und Venezuela. Dort wird nachgetankt und die fliegende Crew gewechselt. Die Austauschbesatzung ist zu diesem Zweck bereits am gestrigen Tag vorausgeflogen und erwartet auf den Azoren die Hilfsmaschinen aus Wunstorf.

Insgesamt soll der Flug rund 14 Stunden dauern. Geflogen wird mit mehreren A400M: Zwei Transportflugzeuge waren am Morgen für Fracht und Passagiere vorbereitet, ein drittes wurde hinzugenommen. Als viertes Flugzeug hob heute gegen Mittag die MedEvac-Komponente ab. Der Flug bis zu den Azoren dauert rund fünfeinhalb Stunden, rund acht Stunden die zweite Etappe nach Südamerika. An Bord jeder der Maschinen sind jeweils Pilot und Copilot und der taktische Ladungsmeister.
Warum die Vorbereitung nach Anforderung entsprechende Zeit dauert und die Teams nicht sofort abfliegen könnten, hängt mit der Ladungslogistik zusammen. Denn die Hilfsausrüstung muss nicht nur nach Wunstorf gebracht, sondern dann auch entsprechend korrekt in den Militärflugzeugen untergebracht werden.

Man könne es sich nicht wie bei einem Auto vorstellen, bei dem „man alles einfach irgendwie in den Kofferraum wirft“, erklärte es der Pressesprecher der Bundeswehr vor Ort.
Die Ladung muss nach aufwändigen Berechnungen exakt für den Flug vorbereitet werden. Das verzögerte auch am Freitagmorgen noch einmal den Start der ersten Maschine: Die Zusammenstellung der Fracht wurde im Einzelnen für den Flug nochmals geändert, bevor es tatsächlich losging in Richtung Venezuela. Dort werden die Helfer nun in der kommenden Nacht eintreffen.
Diesen Einsatz unterstütze ich voll und ganz. Wenn die Bundeswehr gemeinsam mit THW, @fire und weiteren Katastrophenhelfern Menschen aus Trümmern rettet, Verletzte versorgt und dringend benötigte Hilfe in ein Erdbebengebiet bringt, dann sehe ich mein Steuergeld ausgesprochen sinnvoll eingesetzt.
Humanitäre Hilfe rettet Leben. Waffenlieferungen an die Ukraine lehne ich dagegen ab, weil sie Deutschland immer tiefer in diesen Krieg hineinziehen.