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Erstwähler nehmen Wunstorfs Bürgermeister-Kandidaten in die Mangel

06.09.2026 • Schneider/Dombrowski • 7 Min.Kommentare: 0

Mit ihren Fragen brachten Schüler des Hölty-Gymnasiums die Bürgermeisterkandidaten am Mittwoch gehörig ins Schwitzen. Wie steht Piellusch zum SPD-Vorschlag, mehr zu arbeiten? Wie Pavel zur Brandmauer? Wie M’Barkiou zum Israelhass und wie Obladen zum Verschleierungsverbot? Warum taucht auf Pavels Plakaten die CDU nicht auf und weshalb musste unbedingt die Fledermausbrücke gebaut werden? Am meisten interessierte die Schüler aber: Was wird aus dem Wunstorf Elements?

06.09.2026
Schneider/Dombrowski
7 Min.
Die Aussagen der Kandidaten werden zusammengefasst | Foto: Dombrowski

Sich ungefiltert den Fragen von Erstwählern am Hölty-Gymnasium stellen: Alle Wunstorfer Bürgermeisterkandidaten gingen dieses Risiko ein und nahmen am vergangenen Mittwoch, den 2. September, auf dem Podium in der Pausenhalle des Wunstorfer Gymnasiums Platz. Es war das zweite Podium vor den Kommunalwahlen, das erste hatte zuletzt die Stifts-Kirchengemeinde veranstaltet. In der Halle versammelt hatten sich die Schüler des 10. und 11. Jahrgangs. Organisiert und moderiert wurde das Podium von Schülern des 12. Jahrgangs.

Von links nach rechts saßen auf dem Podium: Martin Pavel (CDU), Kerstin Obladen (Freie Wähler), Mona M’Barkiou (Die Linke) und Carsten Piellusch (SPD). Dazwischen drei Schülermoderatoren. Der Tippfehler auf Pielluschs Namensschild wurde rechtzeitig bemerkt: Statt SPD hatte dort SDP gestanden. Das Schild wurde noch vor Podiumsbeginn schnell ausgetauscht.

Die Kandidaten wurden beim Podium nicht überrascht, weil die zu besprechenden Themenblöcke vorher mitgeteilt worden waren. Auf die entsprechenden Thematiken hatten sich die Kommunalpolitiker daher vorbereiten können. Das Podium plätscherte zunächst mehr oder weniger harmlos dahin. Es ging um die Hallenbadsanierung oder um Projekte für die Jugend. Doch die Schülerschaft der Erstwählerjahrgänge hakte nach und hatte sogar ein Faktenchecker-Team im Hintergrund positioniert.

Mit dem Schwimmbad bringen die Schüler die Kandidaten ins Schwimmen

Themenblock Nr. 1 drehte sich um das Wunstorf Elements, denn dieses Thema war den Schülern tatsächlich am wichtigsten gewesen, wie es hieß. Carsten Piellusch durfte zuerst Stellung nehmen: Der Nichtschwimmerbereich sei abgängig, man wolle nicht irgendwann vor der Entscheidung stehen, das Bad schließen zu müssen. Mit den jetzigen Umbauplänen müsse es nie ganz geschlossen werden. Das bekäme man natürlich nicht zum Nulltarif: „38 Millionen, das ist viel Geld, das weiß ich.“ Der Kernpunkt von Piellusch: „Wir müssen auf jeden Fall was machen.“

Das Hölty-Podium | Foto: Dombrowski
Großes Erstwählerpublikum | Foto: Schneider

Später bei den freien Fragen griff das eine Schülerin aus dem Publikum auf und fragte Piellusch, warum er dann den Bau einer Fledermausbrücke „beantragt“ habe, wenn doch das Geld schon für das Schwimmbad knapp sei.

Piellusch brachte das keine Sekunde aus der Ruhe, er erklärte direkt und fundiert die genauen Zusammenhänge: Die „Fledermausbrücke“ sei eben keine Brücke für Fledermäuse, sondern die Verbindung von zwei Habitaten, die durch den Bau der Nordumgehung zerschnitten werde. Es sei Gesetz, dass diese Naturschutzmaßnahme gebaut werden müsse, vorher könnte auch die Straße nicht gebaut werden. Gegenrechnen kann man beide Dinge sowieso nicht: Das Wunstorfer Schwimmbad ist Aufgabe der Stadt, die Fledermausbrücke wird vom Land Niedersachsen und der Bundesrepublik bezahlt – die Nordumgehung wird eine Bundesstraße sein.

Kleiner Fehler in der Vorbereitung. Das Schild wurde noch vor Beginn des Podiums ausgetauscht | Foto: Dombrowski

M’Barkiou ergriff die Gelegenheit nicht, auf die Schülerinteressen zum Hallenbad einzugehen, setzte das Hallenbad nicht an erste Stelle, sondern positionierte sich kritischer dazu. Dazu nutzte sie Schlagworte: Bei einem festen Budget gingen Bildung und Schulen für sie vor, man müsse Schulen fördern, vor allem in Richtung Digitalisierung. Entsprechende „Tools“ schlug M’Barkiou dazu vor. Obladen positionierte sich als Einzige der Kandidaten explizit gegen einen Neubau, „weil wir das Geld gar nicht haben“. Für Pavel war wichtig, das Thema noch einmal in den Stadtrat zur Abstimmung zu bringen, wenn die Kosten aus dem Ruder laufen sollten.

Wo stattdessen sparen?

Etwas spannender war schon die Folgefrage: Wo würden die Kandidaten, wenn sie Bürgermeister würden, denn anderswo Geld einsparen, um genügend finanzielle Mittel für das Wunstorf Elements zu haben? Pavel antwortete als Erstes: Man könne gut sparen, indem man Projekte schiebe, große Vorhaben zeitlich versetzt angehe. Obladen wollte Geld beim Innenstadtumbau einsparen. M’Barkiou wich der Frage aus, indem sie sagte, dass sie keine konkreten Zahlen parat habe. Piellusch setzte auf Fördermittel – eine Verschiebung des Hallenbadprojekts würde dieses nur verteuern.

Die Moderatoren greifen auch auf Faktenchecks zurück | Foto: Dombrowski

Doch dann wurde den vier Kandidaten zwischen den Themenblöcken auch jeweils eine Frage zur Bundespolitik gestellt, deren Inhalt sie vorher nicht kannten. Und die Fragen hatten es in sich.

Spezialfragen haben es in sich

SPD-Kandidat Carsten Piellusch wurde gefragt, wie er dazu stehe, dass SPD-Chef Lars Klingbeil gefordert habe, dass die Deutschen mehr arbeiten müssten. Käme die SPD damit ihrer historischen Rolle als Arbeiterpartei noch nach? „Interessante Frage“, sagte Piellusch überrascht-schmunzelnd und legte sich dann fest, entgegen der Bundespartei: Die Arbeitszeiten seien schon sehr lang, er wisse deshalb nicht, ob das der richtige Ansatz sei.

Mona M’Barkiou von den Linken wurde gefragt, wie sie dazu stehe, dass ein Rapper auf einer Wahlkampfveranstaltung der Linkspartei den „Tod der israelischen Armee“ beschworen habe. M’Barkiou sagte, dass sie solches Verhalten als fragwürdig empfinde und dass das Publikum auf solchen Veranstaltungen respektvoll sein sollte. Doch da hakten die Faktenchecker ein: Der Ruf sei nicht von jemandem aus dem Publikum, sondern von dem von der Linkspartei engagierten Rapper gekommen. Wie könnte M’Barkiou die Mitgliedschaft in einer Partei rechtfertigen, in der solche extremen Positionen vertreten seien, lautete die Rückfrage. „Find ich persönlich nicht gut“, bekräftigte die linke Bürgermeisterkandidatin und stellte klar: „Ich kann mich davon klar distanzieren.“ Sie sei kommunalpolitisch tätig.

Kritische Fragen an die Kandidaten … | Foto: Dombrowski
… zu beiden Seiten | Foto: Schneider
Vor rund 300 Schülern wird debattiert | Foto: Dombrowski

Kerstin Obladen wurde gefragt, ob sie die Freien Wähler für die richtige Partei für sie halte, wenn in deren Wahlprogramm Minderheitenschutz und gleichzeitig ein Verschleierungsverbot für Frauen gefordert werde. Wie passe das zusammen? Obladen hatte darauf keine eindeutige Antwort und brachte ähnlich wie M’Barkiou vor, dass sie Lokalpolitik mache und nicht für bundespolitische Entscheidungen stehe. Sie wollte sich dazu nicht weiter äußern. Doch die Schüler verlangten konkrete Antworten. Eine Schülerin griff Obladens Ausweichen später noch einmal direkt auf: „Sie wollen uns ja überzeugen, dass wir Sie wählen. Warum wollen Sie auf die Frage nicht antworten?“ Obladen erklärte sich noch einmal: Sie antworte nicht darauf, weil sie diese Haltung ja nicht habe, sie habe nicht gesagt „Kopftuchtragen geht gar nicht“. Sie sei die Bürgermeisterkandidatin auf kommunaler Ebene und bewerbe sich schließlich nicht als Bundeskanzlerin.

Die Rangfolge der Teilnehmer nach erhaltenem Applaus:

1. Carsten Piellusch (SPD)
2. Martin Pavel (CDU)
3. Kerstin Obladen (Freie Wähler)

4. Mona M’Barkiou (Die Linke)

CDU-Kandidat Martin Pavel wurde gefragt, wie er zur „Brandmauer“ in der CDU stehe. Er finde den Beschluss richtig, sagte Pavel. „Keine Zusammenarbeit mit der AfD!“ Aber auch mit der Linkspartei nicht. Das habe „starke inhaltliche Gründe“. Man habe einfach so unterschiedliche Positionen, dass eine Zusammenarbeit keinen Sinn mache.

Mobbing und Hitze

Richtig interessant wurde es dann noch einmal bei der freien Fragerunde, bei der die Schüler aus dem Publikum direkte Fragen an die Bürgermeisterkandidaten richteten. Die Zeit reichte nicht, um alle Fragen zulassen zu können, aber die gestellten waren ebenso direkt und unverblümt formuliert wie zuvor die Spezialfragen.

Ein Schüler fragte, was die Bürgermeister gegen Mobbing am Hölty-Gymnasium unternehmen würden, wenn sie gewählt seien. Wirklich konkrete Vorschläge hatte dazu keiner der Kandidaten.

Auch die Antworten auf die Themenblock-Frage zuvor, wie man im Sommer einen besseren Hitzeschutz am Gymnasium realisieren würde („viele Räume heizen sich im Sommer stark auf“), blieben vage. Obladen nutzte die Gelegenheit und präsentierte ein Foto, das den Hitzeschutz einer Steinhuder Kita zeigte, für den sie sich erfolgreich eingesetzt hatte. Bei den Gymnasiasten drang sie damit („Ich bin eine Macherin“) jedoch nicht durch und erntete stattdessen verhaltenes Gelächter.

Nachhaken bei Obladen | Foto: Schneider

Martin Pavel wurde gefragt, weshalb auf seinen Wahlplakaten nur sein Name und nicht die CDU auftauche, denn er sei doch schließlich in dieser Partei, das wäre doch dann nicht richtig. Pavel blieb ebenso ruhig wie zuvor Piellusch bei der Fledermausbrücken-Frage und erklärte die Hintergründe: Da er als gemeinsamer Bürgermeisterkandidat für CDU, Grüne und FDP antrete, sei der Verzicht auf die CDU-Nennung das Zugeständnis an Grüne und FDP gewesen. Das sei der einzige Grund, weshalb die CDU auf den Plakaten nicht auftauche.

Was würden die Kandidaten als neuer Bürgermeister tun?

Zum Abschluss kam dann die offene Frage: „Woran erkennen wir, dass Sie im Amt sind?“ Es war die Gelegenheit für die Kandidaten, noch einmal frei zu äußern, was sie nach der Wahl mit Wunstorf vorhaben, welche Schwerpunkte sie setzen würden.

Martin Pavel sagte, dass er einen anderen Stil im Rathaus wolle, „miteinander, nicht gegeneinander“. Er würde für eine andere Kommunikation eintreten und Tempo machen in den Sachen, die wirklich wichtig sind. Kerstin Obladens Vision für Wunstorf ist, dass Politik und Bürger gemeinsam „wie in einem Boot“ zusammensitzen. Mona M’Barkiou nannte KI und den gesellschaftlichen Wandel in Wunstorf. Sie wolle die Stadt gut aufstellen, so dass man auf das, was in der Zukunft auf die Bürger zukomme, vorbereitet sei – unter anderem mit Tools. Carsten Piellusch sagte, er wolle die Arbeit gerne fortsetzen, mehr für die Ortsteile tun, und zitierte einfach seinen Wahlkampfslogan: Er wolle Wunstorf „stark, mobil und sicher“ machen und wünschte sich, dass die Leute irgendwann sagen würden: „Der Piellusch hat Wort gehalten.“ Dazu formulierte er noch die Hoffnung, dass man im nächsten Stadtrat wieder mehr zur Sacharbeit zurückkehre, wenn der „Rauch des Wahlkampfes“ sich verzogen habe.

Schüler bewerten die Politiker-Performance

In der Schule gab es nach dem Podium eine Umfrage: Welche Kandidatin oder welcher Kandidat hat am meisten überzeugt? Von den knapp 300 Schülern, die beim Podium dabei waren, antworteten 171.

Nach dem Podium: Gruppenbild von Kandidaten und Podiumsmachern | Foto: Dombrowski

Das Ergebnis fiel dabei eindeutig zugunsten von Piellusch und Pavel aus: Der amtierende Bürgermeister bekam 89 Voten, sein CDU-Herausforderer lag nicht weit dahinter mit 72 Stimmen. Weit abgeschlagen davon erhielt M’Barkiou von den Linken 10 Stimmen für ihren Auftritt auf dem Hölty-Podium. Freie-Wähler-Bürgermeisterkandidatin Kerstin Obladen bildete in der Umfrage das Schlusslicht. Sie bekam 0 Zustimmungspunkte.

Die Rangfolge der Teilnehmer nach Erstwähler-Abstimmung:

1. Carsten Piellusch (SPD)
2. Martin Pavel (CDU)
3. Mona M’Barkiou (Die Linke)

4. Kerstin Obladen (Freie Wähler)

Wäre die Nach-Podiums-Umfrage die echte Kommunalwahl gewesen – Pavel und Piellusch hätten sich einer Stichwahl stellen müssen.

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