
Eine Woche lang waren sie unterwegs – vom Münsterland nach Berlin. Mit dem Fahrrad. Bereits am 3. Tag der Tour, am vergangenen Dienstag, machten sie Station in Wunstorf. Wer? Die Teilnehmer der Energiewende-erFAHREN-Tour 2025 des LEE-NRW-Regionalverbands Münsterland.
Sie sehen aus wie Spitzensportler auf Trainingsfahrt in ihren gelben Trikots, doch es sind Expertinnen und Experten aus der Energiewirtschaft, die hier unterwegs sind. Stadtwerke-Chefs, Politiker, leitende Mitarbeiter oder normale Angestellte werfen sich in Fahrradfunktionskleidung und fahren jedes Jahr zu verschiedenen Zielen.
Die Landesverbände Erneuerbare Energien (LEE) sehen sich als Energiewende-Macher und setzen sich für den Ausbau und die Nutzung erneuerbarer Energien ein. Akteure aus der Wirtschaft vernetzen sich mit der Öffentlichkeit und der Politik. Die "Energiewende-erFAHREN-Tour" ist eine Idee des Regionalverbandes Münsterland, der zum LEE Nordrhein-Westfalen gehört.
In diesem Jahr war das Ziel Berlin, und auf dem Weg dorthin warteten wieder zahlreiche Stationen, die den Zweck der Reise bilden: Man besucht Projekte, Betriebe und Organisationen, die mit der Energiewende in Zusammenhang stehen. Startpunkt war Heek, im nördlichsten Nordwesten von Nordrhein-Westfalen, nicht weit entfernt von der niederländischen Grenze.
Wunstorf war zufällig genau der 100. Stopp seit Bestehen der Tour, die nun zum 5. Mal in Folge stattfand. Marcel Mache, Leiter der Fernwärmeprojekte bei Brugg Pipes, hatte den Zwischenstopp und Besuch in Wunstorf organisiert. Ursprünglich war er nur einmal gefragt worden, ob er auch selbst mitradeln wolle – doch letztlich holte er dann die gesamte Tour zu sich nach Wunstorf.




Mache war es dann auch, der die entsprechende Tourplakette überreicht bekam, die jeder besuchte Stopp bekommt – doch dass es der einhundertste Anlass war, machte es noch einmal ganz besonders.
Willkommen geheißen wurden die Besucher in Wunstorf auch von Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) und Wunstorfs Stadtwerke-Chef Henning Radant, die unter anderem die Themen Meerwärme, das Rufbussystem Sprinti und die Fahrradparktürme am Bahnhof ansprachen.
Brugg Pipes in Wunstorf war für die Energiewenderadler dann vor allem hinsichtlich der Fernwärmetechnik interessant: Fernwärmeleitung und Wärmeisolierung sind Spezialgebiete des Standortes Wunstorf. Brugg Pipes liefert hier Anschlüsse für die größten Anlagen ebenso wie für den industriellen Standardgebrauch.
Die Produktionshallen bekamen die Münsterländer zu sehen – und die Technik, mit der in ihnen Rohrleitungen in jeder Größe gefertigt werden. Es gibt keine Verbindung, die man nicht herstellen kann – man ist jedoch ein Spezialist unter den Rohrleitungsherstellern. Spezialarmierungen für Leitungen gehören beispielsweise zum Kerngeschäft der Firma.


Riesige Kabeltrommeln stehen überall und wickeln die produzierten flexiblen Leitungen auf. Manchmal sind sie so groß, dass nach dem Produktionsprozess erst auf kleinere Trommeln umgespannt werden muss, damit die Verpackung gelingt. Schwertransporte, um die Ware zum nächsten Hafen zu bringen, sind Alltag.
Allerdings herrschte in den Produktionshallen Fotografierverbot, zum Bedauern einiger Teilnehmer, die sich von den Dimensionen der Maschinen fasziniert zeigten und gern ein genaueres Erinnerungsfoto geschossen hätten. Es sei zwar „keine Raketenwissenschaft“, was man hier betreibe, erklärte Mache mit einem Augenzwinkern, aber die Firmengeheimnisse der Produktion müssen dennoch gewahrt bleiben. Denn Anlagen wie auch genaue Produktionsverfahren sind schützenswert und könnten sonst womöglich nachgeahmt werden.
Brugg Pipes gehört zum Schweizer Industriekonzern Brugg und hat in Wunstorf einen von zwei deutschen Standorten, an denen produziert wird. Für Wunstorf ist Brugg Pipes ein geschätzter Arbeitgeber mit Industrietradition. Abgesehen vom Fliegerhorst und der Logistikbranche verfügt Brugg Pipes mit über die größten Hallenanlagen im Stadtgebiet. Erst im vergangenen Jahr wurde eine neue große Halle in Betrieb genommen. Die Rohrleitungen, die den dortigen Produktionsprozess versorgen, musste man nicht zukaufen – sondern hat sie direkt selbst hergestellt.


Die Radfahrpause wurde ebenso genutzt, um sich zu regenerieren. Viele sind schon frühere Touren mitgefahren, aber es waren auch Neulinge unter den Radlern, die zum ersten Mal eine so lange Tour mitfuhren – die doch etwas anderes ist, selbst wenn man sonst im Alltag etwa lange Strecken mit dem Fahrrad zur Arbeit pendelt.
Der Zwischenstopp in Wunstorf wurde auch im LEE-Dokumentationsvideo zum Etappentag festgehalten. Es ist auf Youtube zu sehen und zeigt ab Minute 8 die Eindrücke vom Besuch der Radgruppe in Wunstorf.
Nach einem gut anderthalbstündigen Aufenthalt, bei dem die rund 60 Gäste nicht nur den Werksrundgang absolvierten, sondern auch etwas auftanken konnten, ging es weiter zum nächsten Stopp der Etappe, der an diesem Tag auch der Endpunkt sein sollte – nach Hannover. Dort wartete am Abend die wohlverdiente Hotelübernachtung.
Der „Schlachtruf“ beim Wiederaufbrechen hatte jedoch schon das endgültige Ziel im Blick: „Auf nach Berlin!“ hallte es vielfach laut durchs Industriegebiet Süd.
Den Energiewende-Radlern sei ihr Spaß gegönnt. Bin gespannt, ob in 2 -3 Jahren auch noch geradelt wird.
Super Idee, ich hoffe alle aus Wunstorf sind auch mit dem Radzur Veranstaltung gefahren. Gut das die Auepost mal soetwas berichtet.