
Florian Hake ist Gruppenführer und Stadtpressesprecher bei der Feuerwehr Neustadt am Rübenberge – ein ehrenamtlicher Feuerwehrmann. Vor einigen Jahren hat er vorübergehend in Steinhude gewohnt – und war währenddessen auch bei der Steinhuder Feuerwehr aktiv. Auch in Bordenau war er mal, ist aber schon seit einigen Jahren wieder zurück in die Neustädter Kernstadt gezogen. „Ich brauch die Großstadt“, lacht er.
Sein Vorname legt den Verdacht nahe, dass auch seine Eltern bereits feuerwehrbegeistert waren – der heilige St. Florian ist der Schutzpatron der Feuerwehren. „Nein, das ist Zufall“, widerspricht Hake, Jahrgang 1982. Das sei damals einfach ein Modename gewesen. „Heute heißen sie alle Jean-Pascal, damals Florian“, schmunzelt der gebürtige Neustädter. Bereits mit 11 Jahren war er 1993 in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Kontakt bekam er über seine Onkel, die nahe der Feuerwache wohnten. Seitdem ist er dabei und pflegt seine Blaulichtleidenschaft. Auch beim Hobby Modellbau, da bastelt er Fahrzeuge – Feuerwehrfahrzeuge natürlich. Seine Kinder haben bislang kein Interesse an der Feuerwehr gezeigt.
Vor 15 Jahren kam ein weiteres Hobby dazu: Fotografieren. Mit einer Kompaktkamera fing es an, dann wurde es schnell die erste Spiegelreflex. „Ich hab ein Auge für Motive“, sagt Hake über sein Faible. Inzwischen ist es längst zum Nebenberuf geworden. Ursprünglich wollte er nur Fotoleinwände von Steinhuder-Meer-Sonnenuntergängen „oder sowas“ verkaufen, am Anfang hatte er sich geschworen: „Du machst keine Hochzeiten!“ Denn die seien zeitaufwändig, die Leute wollten heutzutage nicht einfach nur authentische Bilder, sondern wünschten viel Nachbearbeitung. „Der Vorsatz hat ganze drei Monate gehalten“, lacht Hake. Seitdem fotografiert er im Jahr ein halbes Dutzend Hochzeiten. Das mache richtig Spaß, wenn es das richtige Brautpaar sei.
Auch in den sozialen Medien fänden alle immer Fotos ganz großartig, die man technisch unter Realbedingungen so gar nicht fotografieren könne. Gestellte Fotos findet er ganz furchtbar. Aber auch als freier Pressefotograf ist Hake unterwegs, nicht selten als Blaulichtreporter. Über einen Kumpel war er da so reingerutscht. Seine Fotos landen dann oft in der Tagespresse, auch in der Auepost war er bereits vertreten – und seine Videos von großen Einsätzen liefen auch schon in den Nachrichten und Magazinen der großen Fernsehsender. Nicht nur Blaulichteinsätze, auch für Drohnenfotos wird er oft angefragt. Zwei- bis dreimal pro Woche ist er als Fotograf unterwegs, meistens für die HAZ.
Seit 2019 ist Hake Drohnenpilot, mit Führerschein, Versicherung und allem, was dazugehört. Der Aufwand, legal Drohnen zu fliegen, werde unterschätzt, sagt er. Bis man alle Dokumente zusammenhabe, sei schon so viel Geld ausgegeben worden, wie die Drohne selbst koste. Über Fotografenkollegen, die sich nicht an die Regeln halten, ärgert er sich entsprechend. Auch bei vorgeschriebenen behördlichen Anmeldungen vor einem Drohneneinsatz in Sperrgebieten ist er übergenau. Als er damals einmal deswegen bei der Polizei Wunstorf angerufen und gemeldet habe, dass er gleich eine Drohne im Bereich Strandterrassen steigen lasse, habe er gehört: „Aha.“ Und nach einer Pause die Rückfrage: „Was werden Sie …?“

Kurz darauf kam dann ein Streifenwagen vorbei, die Beamten ließen sich begeistert alles zeigen. Eine eigene Drohne wollten sie sich dann aber doch nicht mehr anschaffen, als sie hörten, was Hakes Equipment kostet.
Damit er nicht in Konflikt mit sich selbst gerät – einerseits Feuerwehrdienst, andererseits Feuerwehrberichterstattung –, trennt er beides strikt. In Neustadt vermeidet er Reportereinsätze und ist möglichst ganz für die Feuerwehr da – als Reporter ist er eher in den Nachbarorten unterwegs. Nur manchmal kann es passieren, dass er schon als Reporter an einer großen Einsatzstelle zum Beispiel in Wunstorf agiert – und dann wird auch noch die Feuerwehr Neustadt dazualarmiert. Dann kann er kurz darauf seine eigenen Kameraden begrüßen. Er bleibt aber dann in seiner Rolle als Fotograf und wechselt nicht etwa in Feuerwehrkleidung.
„Ich bin feuerwehrgeschädigt“
Florian Hake
Bei anderen Berufen wäre das auch nicht anders, dann stünde man eben auch nicht für einen Einsatz zur Verfügung, sagt Hake. Manchmal gibt es trotzdem Verwirrung, wenn er als Pressesprecher Fotos an die Redaktionen verschickt und die dann seinen Namen als Quelle nennen statt korrekterweise „Feuerwehr“. Das gibt dann Ärger bei den Kameraden, weil es nach außen nun so wirkt, als hätte er die Bilder der Feuerwehr heimlich weiterverkauft. Zeitungsredaktionen schickten heute oft keine eigenen Leute mehr zu Einsätzen, sondern warteten eher auf Pressemitteilungen der Feuerwehren.
Als alleinigen Beruf würde er Fotografie nicht machen wollen, obwohl er damit sogar nebenher in manchen Monaten mehr Geld verdient als mit seinem Hauptberuf: Hake ist gelernter Elektroinstallateur und als Hausmeister der Michael-Ende-Grundschule bei der Stadt Neustadt angestellt. Scheut er die Selbstständigkeit? „Nein, als guter Fotograf kann man gut verdienen“, sagt Hake. Aber er befürchtet, er könnte irgendwann die Freude am Hobby verlieren, wenn es berufliche Notwendigkeit würde. Und in manchen Monaten verdient er als Fotograf gar nichts. „Wenn man darauf angewiesen ist, dann wird es irgendwann Stress, und Stress ist nicht gut für Körper und Leben.“ Wenn er eines seiner Tätigkeitsfelder – Hausmeister, Feuerwehr, Fotografie – aufgeben müsste, was wäre das dann? Hake überlegt einen kurzen Moment und sagt dann: „Fotografie.“ Er sei „feuerwehrgeschädigt“, die Feuerwehr zieht sich durch seine gesamte Biographie. Die Narbe auf der Wange, die wirkt wie ein Schmiss aus der Studentenzeit, hat er sich jedoch nicht bei der Feuerwehr geholt. Als kleines Kind war er auf einem Matchboxauto ausgerutscht und in einen Keramik-Luftbefeuchter an einer Heizung gefallen, ein Splitter davon bohrte sich ins Gesicht. Bei der Feuerwehr sei er jedoch während eines Einsatzes vor Jahren fast ertrunken:
Bei einem Wasserfall in der Leine hatten sie damals ein Sicherungsseil gespannt und sich dann in einem Schlauchboot zu einem havarierten Floß vorgearbeitet – als das Boot unter ihnen weggespült wurde. Hake hing nun am Sicherungsseil, aber direkt im Wasser. Die Schwimmweste nützte nichts. Ein Kamerad schnitt das Seil durch und rettete ihm damit das Leben. Lange habe es gedauert, bis er danach wieder ein Boot betreten habe.
Neben diesem zweiten Geburtstag feiert er auch einen dritten: Drahtig und sportlich wirkt der Vater zweier Söhne. Das hat auch mit einer operativen Magenverkleinerung vor einigen Jahren zu tun. Früher habe er 100 Kilo mehr gewogen, 2017 ein neues Leben begonnen. Er sei seitdem gelassener und selbstzufriedener. „Man nimmt quasi wieder am Leben teil“, erzählt Hake. Vorher sei er nicht mal mehr in den Urlaub geflogen. Sogar an einen Einstellungstest bei einer Berufsfeuerwehr wagte er sich nun heran und scheiterte nur beim letzten Sporttest knapp. „Wer weiß, wofür es gut war“, sagt er rückblickend. Vielleicht hätte er die Lust an der Feuerwehr verloren, wenn es Beruf geworden wäre.

Würde er sich als Workaholic bezeichnen? „Nein, ich bin sogar eher der Faule“, gibt er zu. Er könne auch mal das ganze Wochenende auf dem Sofa verbringen und einfach nichts machen. Eine Macke müsse man aber schon haben bei diesen Hobbys. Was sagt die Partnerin zu Job plus Fotografen-Nebenjob plus Feuerwehr? „Sie hat mich so kennengelernt – und ihre Macke sind Pferde“, schmunzelt der 42-Jährige. Zu welchen Einsatzstellen er fährt, entscheidet er nach Bauchgefühl. Sein Netzwerk ist groß, auf allen Kanälen bekommt er auf diese Weise Infos zu blaulichtrelevanten Ereignissen in der Region.
Auch zuletzt beim Brand des „Pelz-Gebäudes“ in Wunstorf war er so trotz Anfahrt aus Neustadt schon kurz nach dem Reporterteam der Auepost am Einsatzort und ließ seine Drohne aufsteigen. Welches Motiv möchte er mit Kamera oder Drohne gerne noch einfangen? „Man muss sich immer neue Ziele setzen“, sagt Hake. Die Freiheitsstatue hatte lange auf seiner Wunschliste gestanden – das ist inzwischen abgehakt.
Von seinen New-York-Bildern hatte er sogar einen Kalender gemacht und Poster davon persönlich bei den Firefighter-Kollegen auf den Wachen der Stadt vorbeigebracht. Es wurde ein herzlicher Austausch – und auch bei der New Yorker Feuerwehr kennt man nun die Neustädter Kollegen mit dem begabten Fotografen in ihren Reihen. Nun steht als Nächstes die Tower Bridge in London für Hake auf der Fotowunschliste.
Dieses Interview erschien zuerst in Auepost-Heft Nr. 26 (10/2024)
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