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„Wir machen’s, weil’s Spaß macht“ – die Wunstorfer Messemacher

24.04.2026 • Daniel Schneider • 5 Min.Kommentare: 0

Stress am Freitagabend, unfreiwillige Palmenverkäufe und eine Familie, die niemals altert: Das Auepost-Quartiergespräch mit den WuWiWo-Machern Manfred Henze und Wolfgang Jünke.

24.04.2026
Daniel Schneider
5 Min.
Wolfgang Jünke und Manfred Henze (re.) in der Redaktion beim Quartiergespräch | Foto: Schneider

Was ist das Wichtigste an einer Messe wie dem Wunstorfer Wirtschaftswochenende? Dass am Ende aller Planungen, wenn die Messe dann wirklich an einem Wochenende über die Bühne geht, keine Lücken bleiben auf dem Messegelände.

Manfred Henze und Wolfgang Jünke sitzen beim Kaffee in der Redaktion und erzählen, wie das so funktioniert mit dem „WuWiWo“. Denn wenn die Besucher die Gänge der Messe bevölkern, dann ist die eigentliche Arbeit der beiden schon lange vorbei. Zaunbau, Zelt, Toiletten, Security, Elektrik – das ist schon Monate zuvor organisiert, bestellt und eingeplant, bevor die ersten Aussteller überhaupt zugesagt haben.

Aber die heiße Phase konzentriert sich auf die Tage direkt vor der Messe. Hektik kommt immer am Freitagabend auf, am letzten Tag vor der Eröffnung. Denn dann fällt auch sofort auf, wenn ein Stand nicht wie vorgesehen belegt ist. Das muss er aber. Dazu sind die Aussteller sogar vertraglich verpflichtet, die Besucher sollen keine leeren Flächen auf der Messe vorfinden. Dann geht im Ernstfall das Telefonieren los: Wo steckt der Anbieter, was ist schiefgelaufen?

„Man darf keine Lücken lassen“, erklärt Henze das Einmaleins der Messepräsentation. Im Notfall wird dann über Nacht noch etwas nachorganisiert. Um 8 Uhr am Samstagmorgen muss alles stehen. Das kann bedeuten, dass andere Aussteller unerwartet ein paar Meter Stand hinzubekommen oder auf die letzte Minute Standflächen noch neu zugeschnitten werden. Doch manchmal wird auch improvisiert.

Unerwarteter Platzhaltererfolg

Einmal musste ein Gärtnereibetrieb kurzfristig absagen, erzählt Henze. Der Betrieb stellte dann als reines Füllmaterial eine Palmenlandschaft auf den Stand, um den Leerstand zu kaschieren. Unerwarteterweise kamen damit dann trotzdem Geschäftsabschlüsse zustande: Am Ende hatte die Gärtnerei jede Menge Anfragen von Leuten, die die Palmen kaufen wollten.

Jünke und Henze sieht man den Stress nicht an. Weder persönlich noch auf der Messe in ihrer Rolle als Organisatoren und Gastgeber. Die beiden Mittsechziger managen das WuWiWo in den vergangenen Jahren als Duo. Während der Messe sitzen sie gemeinsam oder abwechselnd am Kontor3-Stand. Doch die von dort ausgestrahlte Gelassenheit täuscht. Beide sind während der Messe immer auch auf Achse: Bei ihren Rundgängen kümmern sie sich um alles, was noch so anfallen könnte: Undichte Stellen im Zelt, Kabelprobleme, Müll auf der Straße – man geht auch selbst mit dem Besen herum.

Hitze und Schnee

Die Macher kann nichts mehr überraschen. Auch jedes Wetter hat das WuWiWo schon gesehen: Bei Hitze stellte man Ventilatoren in die Türen zum Zelt, bei Schnee und Hagel wurden die damaligen Zeltdächer von sich bildenden Eisschichten befreit.

Man versteht sich ganz klar als regionale Messe. Was nicht heißt, dass Aussteller auch weitere Wege auf sich nehmen. Die weiteste Anfahrt soll einmal eine Firma aus dem Rheinland gehabt haben. Die Vorteile, die vor Henze in einem lokalen Angebot liegen: Bei konkreten Projekten komme man direkt zum Ziel. Als Beispiel nennt er eine Renovierung: Balkonbauer, Fensterbauer und Maurer auf der Messe – und schon sei alles besprochen. Für die Ausführung könnten sich dann sogar die Gewerke untereinander noch direkt absprechen. Das sei der Vorteil des Regionalen.

Die Bürokratie hat nach Henzes Beobachtung in den letzten Jahren zugenommen: Jedes Jahr wieder muss er beispielsweise ein amtliches Führungszeugnis einreichen und eine Auskunft aus dem Zentralregister beibringen, dass seine Firma keine Steuerschulden hat. Es sind die Grundvoraussetzung, um überhaupt eine Messe genehmigt zu bekommen. Einen jährlich wiederkehrenden Automatismus gibt es nicht. Die sogenannte Gestattung kommt dann drei bis vier Wochen vor Messetermin und dazu entsprechende Auflagen, die zu beachten sind. Manchmal kommt die Genehmigung auch erst später, wenn die Behörde gerade viel zu tun hat.

Früher und heute

Die Messe selbst habe sich über die Jahre weiterentwickelt. In den letzten Jahren war Photovoltaik das große Thema und ist es immer noch, aber es gibt schon lange keine Schwerpunktbereiche mehr beim WuWiWo, auch kein explizites Rahmenprogramm: Die Coronazeit hatte damals alles verändert. Mit dem Neustart begann man mit einem veränderten Konzept – und verfolgt es bis heute.

Die Aussteller würden das schätzen, erzählt Henze: Das Publikum, das die Messe heute besuche, komme nicht mehr wegen Tanzveranstaltungen, es gebe weniger reines Schaupublikum. Stattdessen kämen die Menschen, die den Ausstellern wichtig seien – Interessenten und Kunden, die sich informieren und gute Gespräche führen wollten. „Man führt wirklich die Gespräche, die man auch führen will“, beschreibt es Henze. Festgehalten hat man aber an einem Prinzip: Eintritt war nie eine Option, der Messebesuch ist und bleibt für alle Besucher kostenlos.

Mehr Handwerker hätte man nach wie vor gern wieder dabei – aber viele haben in den letzten Jahren wegen Personalmangel keinen Messestand mehr gebucht. Vor Jahren gab es dagegen noch ein eigenes Handwerkerzelt. Auch andere Firmen würden heute manchmal länger zögern mit einer Buchung ihres Messestandes. Das ist möglich, denn freie Plätze sind normalerweise bis wenige Wochen vor Messetermin noch zu haben – bis die Standplanung finalisiert wird. Der Zeltaufbau beispielsweise lässt sich entsprechend variieren. Vor allem der Zuschnitt auf dem Außengelände lässt sich meist noch anpassen. Kurz vor knapp kommt man dann allerdings nicht mehr in die Ausstellerunterlagen hinein und fehlt somit auch auf dem Messeplan.

Lieblingsstand?

„Früher wurde eher gebucht, heute warten die Firmen oft länger“, sagt Henze. Aber vor allem die großen Stände sind dann in der Regel längst vergeben, nicht alle Standtypen sind mehr zu bekommen. Eckstände oder Kopfplätze sind begehrt. Und auch die breiteren Stände sind nachgefragt, denn dort gingen die Besucher praktisch nicht so schnell vorbei.

Von welchen Ständen der Aussteller ist Henze persönlich begeistert, gibt es einen Lieblingsstand? „Ich bin immer erfreut, wenn Leute sich bei ihren Ständen extrem viel Mühe machen“, sagt der Messechef. Wenn jemand einen ganz individuellen Stand baue, eine Einzelanfertigung, dann habe er den besonderen Respekt von Henze.

Bleibt noch die Frage: Ist wärmeres oder kälteres Wetter besser für den Messebetrieb? „Gerade so, dass man keine Heizung braucht“, lautet die Antwort von Jünke und Henze. Denn das spare nicht nur Kosten, sondern die Leute fühlten sich auch wohler.

Ewige Jugend

„Wir machen’s, weil’s Spaß macht“, sind sich beide einig. Und: „Ein paar Jahre machen wir noch“, bekräftigt Henze. Aber wenn sich jemand bereiterkläre, irgendwann einmal weiterzumachen, dann könne er gern übernehmen. „Man kommt ja doch in die Jahre.“ Dazu passt Henzes Lebensmotto: „Weitermachen.“ Er schaue nicht nach hinten, nur nach vorn. Von der Vergangenheit habe man nichts zu erwarten, aber von der Zukunft schon.

Nicht in die Jahre gekommen ist dagegen die Symbolik des Wunstorfer Wirtschaftswochenendes. Das Markenzeichen, die blau-weiße Gestaltung mit der Fotografie von Vater mit Tochter auf den Schultern, begleitet die Messe schon sehr lange – zeitlos und ungealtert. Nur in den ersten Jahren hatte man auch mit einem Löwen – dem Stadtmaskottchen und Wunstorfer Wappentier – geworben.

„Das Mädchen hat heute wahrscheinlich schon selbst ein Kind auf dem Arm“, merkt Wolfgang Jünke lächelnd an. Ändern will Henze das etablierte Motiv nicht, das in Wunstorf jeder sofort mit der Messe verbindet: „Es ist immer noch eine sachliche Gestaltung.“ Und so freuen sich Vater und Tochter weiterhin in den Medien, auf Bauzaunbannern und großen Transparenten an den Wunstorfer Straßen immer wieder auf das nächste Wirtschaftswochenende.

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