
Sie springen derzeit schon von Weitem ins Auge – die Sonnenblumen am Straßenrand der B441 auf der Strecke nach Steinhude und Hagenburg. Wer aus Wunstorf herausfährt Richtung Steinhuder Meer, der sieht kurz hinter dem ersten Abzweig nach Bokeloh und noch vor dem Parkplatz auf Höhe Hohes Holz zu seiner Linken ein Blumenmeer. Daneben ein großes Schild: „Blumen selbst schneiden“. Im Hintergrund ragen Windkrafträder und der Kaliberg auf. Es ist der größere von zwei Standorten. Eine weitere kleinere Blumenfläche gibt es Richtung Seelze.
Gepflanzt und verkauft wird hier vom Mesmeroder Hof Widdel-Carl, natürlich auf eigenem Feld. Und natürlich gibt es weit mehr als nur Sonnenblumen. Seit mittlerweile 19 Jahren realisiert man dieses Angebot an der Bundesstraße, es gehört an dieser Stelle zu Wunstorf dazu. Das Blumenfeld ist für reine Selbstbedienung gedacht – Blumen aussuchen, zusammenstellen und bezahlen, das macht die Kundschaft ganz allein.
Die Bezahlung ist Vertrauenssache – eine besetzte Kasse gibt es nicht. Die „Kasse“ ist ein Tresor mit Münzeinwurfschlitz, der in einem massiven Betonblock eingebaut ist. Auch Geldscheine kann man hier einschieben. Nach schlechten Erfahrungen mit weniger gesicherten Lösungen hat man inzwischen aufgerüstet. Aber auch an diesem Block gab es schon wieder Versuche, die Zugangsöffnungen herauszuhebeln – was letztlich zwecklos ist. Denn von der Stelle bekommt den Tresor ein Normalsterblicher nicht, und geleert wird er sowieso in ganz kurzen Zeiträumen.
Völlig unbeobachtet sind Kunden aber keineswegs – schon biegt ein Fahrzeug des Hofs um die Ecke. Darin sitzen Katrin Carl und Max Landsmann. Denn mit Blumenaussäen und Kasseaufstellen ist es keineswegs getan. Vor- wie Nacharbeit und die laufenden Tätigkeiten machen trotz vollständigem Selbstbedienungsangebot eine Menge Arbeit, die die Kunden normalerweise nicht wahrnehmen. Das Areal soll ansprechend bleiben, und dazu wird immer wieder nach dem Rechten gesehen und angepackt.


Bargeldlose Zahlung ist nicht möglich – noch nicht. Eine Paypal-Lösung über QR-Code soll bald hinzukommen. Denn vor allem die Jüngeren hätten oftmals gar kein Bargeld mehr dabei, bestätigt Landsmann. Diese Kundengruppe soll nach dem Blumenpflücken nicht plötzlich merken müssen, dass es nur Barzahlung gibt, wie es aktuell noch der Fall ist.
An Selbstbedienung ganz ohne Bezahlung sollte man jedoch lieber nicht denken. Blumendiebstahl wird hier genauso zur Anzeige gebracht, als wenn jemand etwas an der Supermarktkasse vorbeigeschummelt hätte.
Am teuersten sind die Pfingstrosen mit 1,50 Euro, Dahlien gibt es schon ab 50 Cent. Die Sonnenblumen, die bis zu 2 Meter hoch in den Himmel stehen, kosten einen Euro.
In der Vergangenheit hatte man auch teurere Blumen im Angebot – doch wenn man die Supermarktpreise aufgrund Pflanzengattung und Marge nicht mehr unterbieten kann, dann wird der Blumenverkauf auch auf dem Feld zum Verlustgeschäft, erklärt die Chefin.

Am dichtesten stehen die Blumen tendenziell immer am Ende der Pflanzreihen. Das liegt nicht an der Art der Pflanzung, sondern am Verhalten der Kunden: Die meisten laufen nicht die ganze Reihe ab, sondern bedienen sich gleich am Anfang. Das heißt: die größere Auswahl ist dort dann oft schon abgeschnitten. Wer weiter hineinwandert in die Blumenfelder, findet dort weiterhin das volle Programm.
Vor den jeweiligen Blumenreihen steht immer auch ein Schild, das nicht nur verrät, welche Blumensorte mit welchen Spezialeigenschaften man hier gerade vorfindet, es gibt darauf auch manchen Tipp, wie man möglichst lange Freude hat am Blumenstrauß. Wer kein eigenes Schneidwerkzeug dabeihat, findet am Infounterstand neben der Kasse ein paar Messer zum Gebrauch.
Für Nachschub wird kontinuierlich gesorgt, immer wieder neu gesät und schrittweise nachgepflanzt. Den ganzen Sommer über können so frische Blumen geerntet werden. Auch das Sonnenblumenfeld wandert auf diese Weise immer ein Stückchen weiter.
Immer zu Pfingsten im Jahr beginnt der Blumenbetrieb, und die Saison endet mit dem ersten Frost im Herbst – dann ist auch der Blumenverkauf auf dem Feld vorbei.

Auch dann geht die Arbeit hier auf dem Feld erst wieder so richtig los: Denn vor allem die nicht winterharten Dahlien müssen alle wieder ausgepflanzt und ins Winterquartier gebracht werden, und das sind nicht wenige.
1.500 Dahlienpflanzen hatte man im Frühjahr ins Feld gesetzt. Beim Überwintern werden es allerdings drei Dahlien weniger sein – sie waren schon als Jungpflanzen im Frühjahr von Unbekannten gestohlen worden.
Wir wollten nur wissen, ob alle auch aufpassen. Danke! ;-)
B 411 gibt es nicht in wunstorf