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Die letzten Tage der alten Stadtsparkasse: ein Gebäude wie im Dornröschenschlaf

10.08.2026 • Schneider/Dombrowski • 4 Min.Kommentare: 0

Wie sieht es in einer ehemaligen Sparkasse aus, die einige Monate leer stand und auf den Abriss wartete? Die Auepost durfte sich genauer umsehen und einen faszinierenden Blick festhalten. Im stromlosen Keller versteckte sich ein besonderes Geheimnis.

10.08.2026
Schneider/Dombrowski
4 Min.
Die verlassene Schalterhalle | Fotos: Dombrowski/Schneider

Die Stadtsparkasse war es schon lange nicht mehr. Nach der Fusion mit der Sparkasse Hannover zu Jahresbeginn 2025 war das ehemalige Wunstorfer Institut in der größeren hannoverschen Bank aufgegangen. Auch der einstige Hauptsitz der Wunstorfer Stadtsparkasse gehörte nun zur Sparkasse Hannover und wurde von dieser als normaler Sparkassenstandort weitergenutzt.

Für die Kunden änderte sich auf den ersten Blick fast nichts – nur der Schriftzug über dem Eingang war mitsamt den übrigen Kennzeichnungen ausgetauscht worden.

Rund zehneinhalb Monate später, im November 2025, war das Gebäude dann aber doch für den Kundenverkehr geschlossen worden. Denn der Abriss und ein Neubau an derselben Stelle war bereits beschlossene Sache.

Die letzten Monate war das Gebäude deshalb im Wesentlichen ungenutzt. Beziehungsweise kam es zu Sondernutzungen: Einsatzkräfte trainierten in dem verlassenen mehrstöckigen Gebäude den taktischen Einsatz oder Rettungsmaßnahmen. Auch die Auepost durfte kurz vor Errichtung des Bauzaunes noch einmal ins Gebäude. Dabei entstanden auch Bilder, die die Übergangsphase von einem Finanzinstitutssitz zu einem Abrissobjekt dokumentieren.

Wie in einer Sage

Es ist ein faszinierender Anblick, der oft surreal anmutet: Eine ehemalige Bankenzentrale, in dessen zahlreichen großen Räumen sonst volle Betriebsamkeit herrschte, liegt still da.

Verlassene Pflanzen
Leere Rollregale
Demontiertes Mobiliar

Wo zuvor das Gepiepse und Gerattere von Geldautomaten den Takt bestimmte, wo Stimmengewirr hinter den Tresen und Schreibtischen einen immerwährenden dezenten Klangteppich bildete, ist gespenstische Ruhe eingekehrt. Wo früher auf Repräsentation und Sauberkeit geachtet wurde, stapeln sich ausrangierte Gegenstände und Altmöbel auf Fluren und Flächen.

Die Geldautomaten werden nicht mehr befüllt
Im Abbau begriffen
Der altehrwürdige Aufzug …
… hat keinen Strom mehr

Auf einem der Schreibtische in der großen Kundenhalle ist ein kaputter Regenschirm in Sparkassenfarbe aufgespannt. Ein Tischkicker steht demontiert am Boden. Ein Hinweisschild auf Gratis-Parken in der Sparkassentiefgarage liegt herum.

In den Büros haben vertrocknete Grünpflanzen ihre Blätter auf den Teppichboden geworfen. Die Namensschilder an den Räumen des früheren Stadtsparkassenpersonals sind teils noch angebracht, als wären Chefs und Angestellte nur kurz zur Mittagspause. Aber es kommt niemand mehr. Die Schubladen und Schränke sind ausgeräumt. Rollregale sind verwaist. Büroschranktüren stehen offen.

Eine Krawatte ohne weitere Verwendung
Zur Stadtsparkasse gehörte früher eine öffentliche Tiefgarage
Die alten Namensschilder sind noch installiert
Leerer Infotresen

Viele Materialien der alten Stadtsparkasse sind noch zu entdecken und zeugen von früheren Aktivitäten des Hauses. Die verschiedensten Rottöne ziehen sich als Akzentfarbe durch die Einrichtung.

Der Aufzug funktioniert nicht mehr, der Strom im Gebäude ist schon abgestellt. Aber auch als der Lift noch fuhr, zählte er nicht mehr zu den modernsten Modellen. Im Keller ist es stockdunkel, erst recht im früheren Tresorraum. Die große Tresortür – auch in Rot – lässt sich von Hand bewegen.

Die Tresortür im Kellergeschoss
Im Tresorraum
Das Stadtwappen in den dicken Mauern im Keller

Direkt daneben lauert eine Überraschung: Neben dem Tresorraum ist ein Wappen in die stabile Mauer eingelassen: das Stadtwappen von Wunstorf mit den Jahreszahlen der Grundsteinlegungen des aktuellen Gebäudes und des Vorgängerbaus.

Als wäre es schon seit Jahrzehnten verlassen

Der Gesamteindruck verändert sich. je länger man durch die leeren Flure und Zimmer läuft, untermauert vom Architekturstil der 1980er Jahre und der damals angesagten Innenausstattung mit Holzvertäfelungen und Lamellenoptik. Die senfgelbe Fassadenelementfarbe scheint von innen noch leuchtend, während sie von außen verblasst ist.

Das Haus wirkt, als sei es schon vor Jahrzehnten verlassen worden, nicht erst vor einigen Monaten. Doch während im Märchen die Dornenhecke alles umschließt, geben die vielen Glaselemente im Gebäude den Blick auf das nun Vergangene unverstellt frei. Fast so, als wollte es die Zeit für die Nachwelt konservieren.

Das große Sparkassenlogo über dem Eingang hat bereits Moos angesetzt
Auch äußerlich werden die Abrisspläne schon sichtbar
Verlassenes Büro
Die Entrümpeler bekommen noch einiges zu tun
Sessel auf dem Flur in der oberen Etage

Doch daraus wird nichts, der Abriss ist bereits im Gange. Das Gebäude wird vollständig ausgeräumt und im Anschluss abgerissen, um Platz zu schaffen für ein neues Sparkassengebäude. Nicht mehr als Zentrale und Hauptsitz eines lokalen Instituts, sondern als Dependance der Sparkasse Hannover.

Die Historie der alten Stadtsparkasse, deren Anfänge auf das Jahr 1855 zurückgehen, lebt mittelbar weiter: In Form des Standortes, aber auch in einer teilweisen Wiederverwendung der Baumaterialien des alten Gebäudes im Neubau.

Nur noch wenig lose Gegenstände liegen herum in den Räumen
Auch der Hausbriefkasten ist schon längere Zeit geschlossen
Offene Türen und Zimmer
Blick von der ersten Ebene aufs Erdgeschoss

Doch bevor das steht, steht der Abriss an. Jetzt ist zunächst die Stunde der Entrümpeler gekommen. Mobiliar und alles, was noch im Gebäude ist, muss entfernt werden. Einen guten Monat Zeit hat man dafür angesetzt.

~ Dank an die Sparkasse Hannover zur Ermöglichung des Gebäuderundgangs. ~

Abschied von der Stadtsparkasse
Teil 1: Altes Stadtsparkassengebäude vor dem Abriss
Teil 2: Ein Gebäude wie im Dornröschenschlaf
Teil 3: Deshalb kommt der Neubau
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