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Gedanken zum Selfie-Smiley

12.12.2022 • Achim Süß • Aufrufe: 1790

Kennen Sie Smiley? Nein, nicht George Smiley. Den anderen. Oder das andere. Die grafische Grinsebacke. Das gelbe Strahlegesicht. Haben Sie sich auch schon vor der Stadtkirche auf die Rundung gesetzt, um ein Selfie zu machen? Sie kennen Smiley nicht? Sie wissen nicht, was ein Selfie ist? Dann sind Sie von gestern.

12.12.2022
Achim Süß
Aufrufe: 1790

Fangen wir mit dem Besserwissen an: George Smiley ist eine berühmte literarische Gestalt des noch berühmteren britischen Autors John le Carré, der eigentlich David John Moore Cornwell hieß. Er stammte aus Dorset, wo seine Mutter die Familie früh im Stich ließ. Sein Vater war ein bekannter Hochstapler, der … Das führt hier jetzt zu weit. Cornwell, der sich le Carré nannte, war ein Agent des britischen Geheimdienstes, bevor er anfing, Romane aus der Welt der Schlapphüte zu verfassen. Seine bekannteste Figur ist eben jener Smiley, ein Spion, der es bis an die Spitze des Circus, des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, bringt – genial verkörpert von Alec Guiness, kongenial von Gary Oldman. Sie kennen Sir Alec nicht? Der war einer der bedeutendsten Mimen des 20. Jahrhunderts und hat Filmen wie Lawrence von Arabien, Die Brücke am Kwai und Der kleine Lord seinen Stempel aufgedrückt. Sagt man doch wohl so … Na ja, auch das führt jetzt hier viel zu weit.

Jedenfalls ist dieser Smiley, der Romanheld, nicht gemeint. Es geht um einen von Millionen Nachfolgenden jenes Smiley, den oder das ein gewisser Harvey Ball in den Sechziger Jahren in den USA bekannt machte, eine nasenlose Variante für eine Anstecknadel, für die er 45 Dollar Honorar bekam. Das wussten Sie nicht? Aber Sie wissen doch, dass ein Smiley (der oder das, Mehrzahl Smileys; englisch: to smile „lächeln“) eine grafische Darstellung eines Gesichtsausdrucks ist!

So ein Exemplar, groß und aus durablem Holz, steht zwecks Werbung nun für eine bestimmte Zeit in der Innenstadt. Passanten sollen sich draufsetzen und sich fotografieren (lassen). Wenn sie es selbst tun, ist das ein Selfie. Neudeutsch jedenfalls. Wirtschafts- und Werbe-Experten und -Expertinnen aus dem Rathaus und befreundeten Einrichtungen haben sich das einfallen lassen. Denn: Smiley zeigt in Wunstorf die Buchstabenkombination u, n und s. „UNS“ also.

Nein, es geht nicht um die Bezeichnung für das amerikanische Einheitsgewinde. Auch Universales Nummern-System ist nicht gemeint, denn es geht nicht um menschliche Zähne. Es geht um „uns“ im Namen unserer Stadt. Otto Waalkes‘ Sketch „Vier fahren nach Lodz“ kommt einem in den Sinn und die essentielle Frage: „Ist es nicht der Theo in uns allen?“ Das ist es wieder, das „Uns“, das „Uns“ in uns allen.

Und stirnrunzelnd fragt sich der irritierte Vorbeigehende: „Uns? Ist nicht ‚wir‘ gemeint? Soll nicht an das Wir-Gefühl appelliert oder erinnert werden, an das Wunstorf-Gefühl?“ Mit Waalkes ließe sich sagen: Vier wissen es nicht. Oder mit Hanns Dieter Hüschs Tante Mariechen, der stattlichen Frau im beigen Übergangsmantel: „Wat ne Quatsch.“

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Kommentare


  • Birgit N. sagt:

    Smiley – eigentlich ein Begriff für etwas Ansprechendes, positiv untermalendes Etwas, was belustigt oder aber eine Ansage hinterlassen soll. Bei jedweder Namensnennung eventuell vorhandener „Namensverwandtschaften“ ist es doch ein bedeutendes Symbol für eine Stimmung, eine Grundausrichtung. Hier zu sprechen von „W-UNS-TORF“ und dabei das „UNS“ als Bild für eine Gemeinsamkeit, eine Verbundenheit von Stadt zu Bürger, von Bürger zu Einwohner, von Einwohner zu Passant zu sprechen, ist weit gefehlt, denn unter der Prämisse der Werbewirksamkeit des Smiley-Symbolanhängsels „UNS“ ist eigentlich eine andere Verbindung als das schlichte „WIR“ sinnbildlich für kooperative Gemeinschaft absolut verfehlt. Ein „UNS“ ist nicht das „WIR“ eines kollektiv bestimmenden Zusammenhaltes in dieser Stadt inklusive ihrer Ortsteile. Dazu sind die Unterschiede Derer, die sich hier zugunsten „UNS“ einen Namen machen wollen, zu denen, die das „WIR“ bevorzugend einzusetzen vermögen, wohl doch zu groß und abstrakt.

    Ein „WIR“ steht für eine Gemeinschaft. Ein dieses als Zugeständnis abgebildeter Smiley – Hintergrund für ein Selfie, was – wenn auch manchmal unter Vorbehalt – weiter in social media kursiert- passt wohl kaum unter dem Begriff der Gemeinschaft, des „“WIR`S“ – egal, wieso überhaupt hier Selfies gemacht werden. Und das sollte sich jeder fragen, der sich vor die Abbildung setzt. Es gibt auch noch andere nette Plätze, wo ein Selfie auch gut rüberkommt – ohne Werbewirksamkeit, bewusst eingesetzt, und noch nicht mal schlecht.Und es gibt auch andere Vereinigungen, die es schaffen, sich ohne Smiley mit UNS-Einbindung einen Namen zu schaffen, durch Anerkennung und Achtung.

  • Andreas R. Niepel sagt:

    Wenn schon über die Filmrollen von Alec Guinness geschrieben wird, darf dessen Auftritt als „Jamesir Bensonmum“ in der Krimiparodie „Eine Leiche zum Dessert“ aus dem Jahr 1976 nicht fehlen …
    (Den Kult-Film anzusehen, macht wirklich Freude – mit gutgelaunten Schauspielern wie David Niven, Peter Falk, Peter Sellers – und der Selbstparodie von Truman Capote … man merkt den Schauspielern an, dass ihnen das Drehbuch Spaß gemacht hat.)

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