Luther SPD gegen Amazon

Amazon würde Gewerbegebietspläne durchkreuzen

In Luthe sieht man die Amazon-Pläne sehr kritisch – sagt die SPD und stellt einen Forderungskatalog zusammen, der auf Projekte wie die des Internetriesen für Wunstorf reagiert.

Aus dem leerstehenden ehemalige Lidl-Lager möchte Amazon ein Paketzentrum machen | Foto: Daniel Schneider

Luthe (red). Amazon wird durch die Errichtung eines Verteilzentrums nicht nur die Wunstorfer Verkehrsinfrastruktur überlasten, sondern sich auch schädlich auf die weitere Entwicklung des neuen Gewerbegebiets auswirken: das ist der Tenor der SPD Luthe, wie Luthes Ortsbürgermeister Rolf Hoch und der Fraktionssprecher der SPD Luthe, Uwe-Karsten Bartling, in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärten. Die Entwicklung des Gewerbegebietes Wunstorf/Luthe Süd wäre bisher auf einem guten Wege gewesen. In den letzten Jahren sind dort 2.500 Arbeitsplätze entstanden, davon 75 % in Handel und Gewerbe sowie 25 % in klassischen Logistikunternehmen.

„Am 1. April 2019 soll es bei Amazon schon losgehen. Ein Aprilscherz? “SPD Luthe

Unterm Strich bewertet man die Ansiedlungspolitik der Wirtschaftsförderung positiv, denn für Wunstorf seien die hier erzielten Grund-, Einkommen- und Gewerbesteuern eine wesentliche Einnahmequelle und würden den Wegfall von Kali + Salz als bisher größtem Arbeitgeber kompensieren.

Amazon würde gehörig dazwischengrätschen

Amazon passe jedoch nicht in diese Strukturen: Die weitere Entwicklung des Gewerbegebiets sei auf 20 Jahre ausgelegt, mit schrittweiser Anpassung der Infrastruktur. Noch ist die Adolf-Oesterheld-Straße nicht verbreitert, der neue Kreisel gerade erst gebaut, aber noch ohne neue Verbindungsstraße, und in Kolenfeld fehlt ein weiterer Kreisel. Sogar die A 2 müsste noch an das erhöhte Verkehrsaufkommen angepasst werden, und die Nordumgehung, die das Stadtgebiet samt Luthe vom Verkehr entlasten soll, ist weiterhin nicht in greifbarer Nähe. Der Einzug von Amazon würde die Ansiedlungspolitik im Gewerbegebiet daher erheblich beeinträchtigen, denn mit einem Schlag wäre die weitere Gewerbeansiedlung in Frage gestellt.

„Man muss kein Prophet sein, um bei 900 Sprintern täglich in 12 Stunden von deutlicher Überlastung des lokalen Verkehrssystems auszugehen.“SPD Luthe

Amazon selbst würde berichten, dass innerhalb von 20 Minuten 82 Sprinter in 12-Stunden-Intervallen beladen werden sollen. Hinzu käme dann noch die Versorgung des Lagers durch Lastwagen. Dies würde nach Ansicht der SPD Luthe nicht nur direkt am Standort, sondern im näheren Umfeld (Wunstorf, Luthe, Garbsen, Seelze und Barsinghausen) täglich bis zu 2.000 Fahrzeugbewegungen zusätzlich bedeuten.

Forderungen

Verhandlungen hinter geschlossenen Türen, wie zwischen Amazon und der das Gelände vermietenden Immobiliengesellschaft geschehen, würden zu massiven Verwerfungen führen und zeigen, dass die Einbindung politischer Gremien und die Meinung der Bürger unwichtig seien. Die Stadt Wunstorf sei im Vorfeld nicht über die Amazon-Pläne informiert worden. Die SPD Luthe fordert daher die Einhaltung der kommunalen Spielregeln. Aber sie stellt auch einige neue Forderungen für die Gewerbeansiedlung auf:

• Die Erstellung eines Verkehrsgutachtens durch einen von der Stadt eingesetzten Gutachter, welches über Wunstorf hinausgeht und auch die Nachbargemeinden und die A 2 berücksichtigt.
• Ebenso die Erstellung eines Umweltgutachtens, mit dem Ziel, für Neuansiedler und Bestandsmieter nur noch Elektrofahrzeuge als Sprinter zuzulassen.
• Die bevorzugte Ansiedlung von Unternehmen, die mit ihren Steuern nachhaltig zur Stadtentwicklung beitragen.
• Eine Kosten-Nutzen-Analyse der geplanten Amazon-Ansiedlung.
• Die Erstellung eines Anforderungsprofils für Gewerbeparkansiedlungen und die Bewertung der sozialen Kompetenz von Unternehmen hinsichtlich Löhne und Arbeitsbedingungen.
• Die kurzfristige Erstellung eines Verkehrskonzeptes für Wunstorf, Seelze, Barsinghausen und Garbsen.
• Die Einsetzung eines Runden Tisches, um die A-2-Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen, z. B. die Verlängerungen der Auf- und Abfahrten oder der Aufbau einer Regionalspur auf dem Standstreifen.
• Die Einsetzung eines weiteren Runden Tisches, um die gewerbepolitische Entwicklung von Wunstorf und seiner Nachbargemeinden künftig zu koordinieren.

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17 Kommentare
  1. Frank Dahnke meint

    Arbeitsplätze ohne Autos , wie soll das gehen ???

  2. Micha Herr-Forder meint

    Bei dem Tempo, das die wunstorfer Politik für Infrastruktur vorgibt(Nordumgehung)hat Amazon woanders schon Milliarden von Paketen verteilt. Hier bereitet die wunstorfer Politik doch nur den nächsten Schildbürgerstreich vor

  3. Takis Karagounis meint

    Ob jetzt Amazon mit 82 Sprinter oder 10 andere Firmen mit 8 Sprinter da lang fahren… wo ist der Unterschied!?

    Das ist doch ein Gewerbegebiet!

    Wenn die Wunstorfer nein dazu sagen, dann gehen die eben 1 km weiter nach Barsinghausen und das Verkehrsproblem ist immer noch da, nur das Wunstorf die Gewerbesteuer flöten gehen…

  4. Basti g. meint

    Jetzt bekommt Wunstorf die Change auf neue Arbeitsplätze und schon sind Gegner da ! Wieso rollt der Verkehr durch luthe ? Normal kommen die bullis nur nach luthe wenn auch Luther was bestellen die anderen bullis fahren bestimmt Richtung a2 kolenfeld oder a2 luthe

  5. Sven Bruns meint

    Typisch Wunstorf, hauptsache erstmal dagegen. Stattdessen bauen Sie bestimmt noch mal 5 neue Ampeln auf.

  6. Takis Karagounis meint
  7. Uwe Kampe meint

    Der Zeitablauf für Amazon-Verkehrsaufkommen wird sich zeitlich an die Bearbeitung der Nordumgehung richten. Daher die Bitte, die Diskussion um Amazon im Jahr 2050 wieder aufnehmen. Bleibt bis dahin gesund und munter. Helau und ähnliches

  8. Michael Weihs meint

    Irgendwie ist das wunstorfer Verkehrskonzept doch vielleicht nicht ganz zu Ende gedacht, wenn man im Süden ein immer weiter expandierendes Gewerbegebiet betreibt, im Norden den Verkehr an der Stadt vorbei leiten will, und wenn eine Firma vorhandene, leerstehende Einrichtungen wieder beleben möchte, man verkehrstechnische Bedenken hat! Wäre eine Südumgehung da nicht sinnvoller, da wesendlich näher an der Autobahn?

  9. Cornelia Geerke meint

    Also ich frage mich gerade was das soll. Wie wichtig sind eigentlich der SPD die Bürgerinnen und Bürger. Da könnten neue Arbeitsplätze entstehen und was macht die SPD erst einmal dagegen sein. Na ich denke mal bei den nächsten Wahlen werden sie es hoffentlich ordentlich merken.

  10. Dierk Tussing meint

    Oh man… Der böse böse Händler aber auch…will der einfach hier Geschäfte machen

  11. John-Lee Großöhme meint

    Hää anstatt die sich freuen das wunstorf nicht weiter ausstirbt sondern neues Leben rein kommt. Ich bin dafür !!! Super Sache schafft neue Arbeitsplätze…

  12. Michael Ried meint

    Die nächsten Wahlen kommen und die SPD darf dann gerne unter 5% rutschen für ihre Dummheit!

  13. Uwe-Karsten Bartling meint

    Ohne schlüssiges Verkehrskonzept kann man Amazon oder auch andere Internethändler nicht auf die Bürger, insbesondere in Wunstorf und in Luthe,loslassen. Da die Nordumgehung nicht steht und die A2 ständig blockiert ist, muss man bei Gewerbeansiedlungen weitsichtig handeln. Arbeitsplätze wurden gerade in Wunstorf in den letzten Jahren sehr viele neu geschaffen (2.500). Neue Arbeitsplätze sollten aber auch entsprechende Qualität in Handel + Gewerbe bieten.

  14. Simone Behne meint

    Vielleicht mal ein bißchen Tempo machen mit der Nordumgehung…

  15. Basti g. meint

    Könnte wetten das die SPD Kollegen auch was bei Amazon kaufen und das jetzt abstreiten

  16. Georg Braunroth ,C D U Butteramt meint

    Georg „grantelt“dagegen
    Die Fa. AMAZON mag zwar weltweit die „Größte“sein.zahlt aber auch weltweit nirgends Steuern oder Abgaben.
    Wenn in Wunstorf ein Auslieferungsleger ,das sich wegen -leerstandes- anbietet ,übernommen wird, werden das Auslieferfirmen sein,,die nirgends zugeordnet werden können, und die wiederum Einzelbetriebe aus dem europäischem Ostblock beauftragen ,die als 1-Mann Firma selber fahren ,oder Fahrer zu Minderst – Mindestlöhnen beschäftigen. Mit Steuereinnahmen kann die Stadt Wunstorf kaum rechnen, wird sich aber um die Verkehrslogistik kümmern müssen ,und diese Ausgaben wahrscheinlich auch selber tragen müssen.
    Mit gutbezahlten Arbeitsplätzen ist nicht zu rechnen, aber mit immensen Kosten für eine bessere Verkehrsführung. Da die Fa. AMAZON in Garbsen ein riesiges Lager für Ferngeschäfte baut, ist damit zu rechnen
    ,das von Wunstorf aus ,sternförmig nur AUSLIEFERUNGEN IN kLEINLIEFERWAGEN erfolgen, die kaum über Autobahnen ausgeführt werden ,sondern die den Ballungsraum Hannover plus 100 km versorgen

  17. Georg Braunroth ,C D U Butteramt meint

    zu meinem Kommentar : Und wenn ,dann nur mit Nordumgehung

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