Info­abend zum Flücht­lings­heim in der Bar­ne

Das Flücht­lings­heim an der Rudolf-Har­big-Stra­ße kommt. Nach­dem es Wunstorf bis­lang gelun­gen war, Flücht­lin­ge dezen­tral unter­zu­brin­gen, ist dies nach dem star­ken Anstei­gen der Flücht­lings­zah­len nun nicht mehr mög­lich. Daher wer­den im gesam­tem Stadt­ge­biet neue Flücht­lings­un­ter­künf­te errich­tet.

Der Stand­ort an der Rudolf-Har­big-Stra­ße in der Bar­ne, direkt zwi­schen Schul­zen­trum und Hal­len­bad gele­gen, war schon län­ger im Gespräch. Nun wer­den die Plä­ne kon­kret. Der aus­er­ko­re­ne Bau­platz, ein Park­platz, ist bis­her unter der Woche kaum genutzt wor­den und ledig­lich bei Sport­ver­an­stal­tun­gen stark fre­quen­tiert. Boden­ar­bei­ten wur­den bereits aus­ge­führt, der Bau­be­ginn soll ab Juli 2016 sein.

Das Flücht­lings­heim wird am süd­li­chen Ende der Bar­n­e­st­ra­ße, am Wen­de­kreis hin­ter den Bus­hal­te­stel­len, und neben dem Lebens­hil­fe-Kin­der­gar­ten lie­gen. Zwei Drit­tel des Park­plat­zes im nörd­li­chen Bereich wer­den dazu bebaut, ein knap­pes Drit­tel, der Rudolf-Har­big-Stra­ße zuge­wandt, bleibt als Park­platz erhal­ten. Wer den Stand­ort betreibt, ist noch nicht ent­schie­den.


Info­abend vor Ort

Wie üblich wur­den nun auch die Anwoh­ner auf einer Info­ver­an­stal­tung mit den Ein­zel­hei­ten ver­traut gemacht. Ver­an­stal­tun­gen die­ser Art sug­ge­rie­ren Bür­ger­be­tei­li­gung, jedoch wer­den die Anrai­ner wie über­all letzt­lich vor voll­ende­te Tat­sa­chen gestellt. Anwoh­ner, die gehofft hät­ten, dass sie den Bau noch beein­flus­sen kön­nen, wären ent­täuscht wor­den. Knapp 40 Inter­es­sier­te sowie die Lokal­pres­se waren in die Aula der Otto-Hahn-Schu­le gekom­men, um sich einen Ein­druck vom geplan­ten Bau ver­mit­teln zu las­sen.

Die­se Auf­ga­be über­nah­men der Ers­te Stadt­rat Cars­ten Piel­lusch, Bau­de­zer­nent Robert Leh­mann, Maren Mat­t­hies (Sozi­al­dienst) und Orts­bür­ger­meis­ter Tho­mas Sil­ber­mann (Kern­stadt), die sich auf dem Podi­um den Fra­gen der Anwoh­ner­schaft stell­ten.

Sie infor­mier­ten sach­lich, stell­ten den geplan­ten Bau aber auch in bes­tem Licht dar. Von mög­li­chen Pro­ble­men war nicht die Rede, im Gegen­teil wür­den die Erfah­run­gen mit dem Flücht­lings­heim in der Innen­stadt (ehe­ma­li­ges Vion-Gebäu­de) zei­gen, dass es zu kei­nen Schwie­rig­kei­ten käme und eine gute Nach­bar­schaft herr­sche. Glei­ches erhofft man sich nun für die Bar­ne. Gedul­dig wer­den die Hin­ter­grün­de ver­mit­telt, auch wird an das ehren­amt­li­che Enga­ge­ment der Anwoh­ner appel­liert.

Cars­ten Piel­lusch bemüht sich zudem, die Alter­na­tiv­lo­sig­keit des Vor­ha­bens zu ver­mit­teln. Für die Stadt kom­men als Behau­sung für Men­schen kei­ne Hal­len oder rei­ne Gewer­be­bau­ten in Fra­ge, groß­städ­ti­sche Zustän­de, wo Men­schen in ehe­ma­li­gen Bau­märk­ten schla­fen müs­sen, will man um jeden Preis ver­mei­den. Auch sol­len finan­zi­ell schwa­che Wunstor­fer und Flücht­lin­ge kei­nes­falls gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den, so dass die Anmie­tung von Woh­nun­gen zur Flücht­lings­un­ter­brin­gung Gren­zen hat. Bil­li­ger Wohn­raum soll auch für Nicht-Flücht­lin­ge ver­füg­bar sein.


Besorg­te Anwoh­ner

Neben ein­zel­nen kon­kre­ten Fra­gen zum Bau­pro­jekt selbst glitt die sich anschlie­ßen­de Fra­ge­run­de schnell ins Poli­ti­sche ab. Von Inva­si­on ist gar die Rede, oder von Befürch­tun­gen, dass eine Inte­gra­ti­on allein­ste­hen­der Jugend­li­cher nicht gelin­gen wür­de, wenn die­se nicht schnell eine Beschäf­ti­gung erhiel­ten. Sozi­al­neid macht sich bemerk­bar: Ob die Flücht­lin­ge eine Kli­ma­an­la­ge bekä­men, ob sie bekocht wür­den, ob dort Putz­frau­en sau­ber machen wür­den und wer das alles über­haupt bezah­le, wird etwa gefragt.

Wäh­rend sich bereits Kopf­schüt­teln im Raum aus­brei­tet, kön­nen Leh­mann und Piel­lusch der­ar­ti­ge Sor­gen schnell und mit einem Anflug von Sar­kas­mus zer­streu­en. Von einer Hotel­un­ter­brin­gung kön­ne kei­ne Rede sein, es gäbe kein Cate­ring – und wer (etwa beim Tag der offe­nen Tür) gol­de­ne Was­ser­häh­ne fän­de, dür­fe sie behal­ten. Außer­dem kämen als Flücht­lin­ge vor allem Fami­li­en mit Kin­dern nach Wunstorf.

Die Flücht­lin­ge wer­den sich selbst ver­sor­gen, müs­sen mit dem Geld zurecht­kom­men, das sie als Unter­stüt­zung erhal­ten, kochen selbst und müs­sen auch selbst den Besen schwin­gen. Die unmit­tel­ba­ren Bau­kos­ten von ca. 1,8 Mil­lio­nen Euro über­nimmt zunächst die Regi­on Han­no­ver – letzt­lich der Steu­er­zah­ler.

Auch die Sicher­heits­be­den­ken der Anwoh­ner wer­den im Keim erstickt. Auch wenn die gefühl­te Sicher­heit womög­lich sin­ken wird, wird die objek­ti­ve Sicher­heit sogar stei­gen. Denn die Poli­zei­prä­senz wird zuneh­men, die wegen des Schul­stand­or­tes sowie­so schon regel­mä­ßig Strei­fe fährt. Außer­dem wird es einen dau­er­haf­ten Sicher­heits­dienst im Wohn­heim geben. Die süd­li­che Bar­ne wird daher künf­tig zu den best­be­wach­ten Ecken in der Kern­stadt gehö­ren.

Den­noch soll jeder Ein­druck eines „Gefäng­nis­ses“ ver­mie­den wer­den. Der Zaun, der obgleich das Gelän­de dezent umsäu­men wird, dient dabei wohl­ge­merkt nicht dem Schutz der Anwoh­ner vor Flücht­lin­gen, son­dern dem Schutz des Gebäu­des und sei­ner Bewoh­ner vor Außen­ste­hen­den. Nur so kann die Bewa­chung des Objek­tes gewähr­leis­tet wer­den.


Refu­gees wel­co­me

Betrach­tet man die Fak­ten, ist der Stand­ort für ein Flücht­lings­heim fast ide­al: zwar liegt das Gelän­de nicht in der Stadt­mit­te, was als Ide­al für eine inte­gra­ti­ons­för­dern­de Umge­bung gilt, doch ist die Infra­struk­tur ver­gli­chen mit ande­ren Wunstor­fer Orts­tei­len, an denen Flücht­lings­bau­ten ent­ste­hen, per­fekt. Super­markt und ande­re Geschäf­te noch gut zu Fuß erreich­bar, die Bus­hal­te­stel­le liegt vor der Haus­tür, die Schu­len und das Schwimm­bad sind neben­an und zahl­rei­che Sport­ver­ei­ne haben hier eben­so ihr Domi­zil auf­ge­schla­gen.

Anders als etwa in Mes­mero­de, wo als Ers­tes ein Ent­fer­nen der Con­tai­ner­be­hau­sun­gen geplant ist, wenn sich die Flücht­lings­si­tua­ti­on ent­spannt, wird die Bar­ne wohl zum nach­hal­ti­gen Flücht­lings­heim­stand­ort. Zumin­dest für die nächs­ten 15 Jah­re, denn so lan­ge sol­len die neu­en Behau­sun­gen, die in Leicht­bau­wei­se ent­ste­hen und robus­ter sind als Con­tai­ner­dör­fer, min­des­tens stand­hal­ten. Das wird deut­lich, als auf Nach­fra­ge zum The­ma einer mög­li­chen Nach­nut­zung der Gebäu­de aus­wei­chend geant­wor­tet wird.

Für die Bar­ne könn­te es bei aller Rhe­to­rik durch­aus eine Chan­ce sein. Für das Vier­tel bedeu­tet es einen nicht zu unter­schät­zen­den Ein­woh­ner­zu­wachs – und neu ent­ste­hen­de Arbeits­plät­ze: Neben der Heim­lei­tung wer­den am Stand­ort Bar­ne Sozi­al­päd­ago­gen, ein Haus­meis­ter und Sicher­heits­kräf­te arbei­ten. Die Gewer­be­trei­ben­den vor Ort wer­den pro­fi­tie­ren. Auch der Bar­n­e­platz, der schon tot­ge­sagt wur­de, könn­te wie­der leben­dig wer­den.

Der Schluss­bei­trag eines Anwoh­ners ret­tet die Ehre der Bar­ne: Die Bar­ne, geprägt von Dut­zen­den von Natio­nen, hät­te sicher­lich kein Pro­blem mit den Flücht­lin­gen, die Bewoh­ner wer­den sich offen zei­gen gegen­über den Neu­an­kömm­lin­gen. Der Saal klatscht Bei­fall.


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Andreas Balleier Fotografie
2 Kommentare
  1. […] vor allem im Kom­mu­nal­wahl­kampf zeig­te. Doch zunächst bekam die Stadt­ver­wal­tung Anfang des Jah­res den Unmut man­cher Anwoh­ner zu spü­ren, die kei­ne Mas­sen­flücht­lings­un­ter­künf­te vor der Haus­tür haben woll­ten. Zunächst waren diver­se […]

  2. […] unter­zu­brin­gen. Das Flücht­lings­wohn­heim wur­de im Okto­ber 2016 als ein­zi­ges von drei geplan­ten Neu­errich­tun­gen für die Unter­brin­gung von 128 Flücht­lin­gen fer­tig­ge­stellt, bis jetzt aber nicht […]

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