Die Poké­mons sind in Wunstorf

Die gan­ze Welt ist in die­sen Tagen im Poké­mon-Fie­ber, auch unser klei­nes Aue­städt­chen scheint von Spiel­ebe­geis­ter­ten über­rollt zu wer­den, die die gan­ze Stadt in einen ein­zi­gen, gro­ßen Aben­teu­er­spiel­platz ver­wan­deln. Wenn man jeman­den mit Smart­pho­ne her­um­lau­fen sieht, kann man sich nicht mehr sicher sein, ob er nur Mails checkt oder Face­book-Posts ver­folgt – oder gera­de „Poké­mon Go“ spielt. Die Wahr­schein­lich­keit dafür dürf­te jedoch rela­tiv hoch sein – und wei­ter stei­gen.

Verbotsschild in der Nähe des Stadttheaters | Foto: Michael U.
Ver­bots­schild in der Nähe des Stadt­thea­ters | Foto: Micha­el U.

Gera­de ein­mal seit 4 Tagen ist das Spiel auch in Deutsch­land offi­zi­ell ver­füg­bar – und die Aus­wir­kun­gen sind schon deut­lich zu spü­ren. Die Fol­gen sind nicht nur noch mehr Leu­te, die auf ihr Smart­pho­ne star­rend durch die Gegend lat­schen und ver­su­chen, unsicht­ba­re Wesen ein­zu­fan­gen, son­dern es erge­ben sich auch hand­fes­te Kon­flik­te mit Nicht-Spie­lern. Wer Pech hat, der wird von der Spie­ler-Lawi­ne gera­de­zu heim­ge­sucht: wenn etwa auf einem frem­den Grund­stück Poké­mons ver­mu­tet wer­den, weil die App ent­spre­chen­de Hin­wei­se in der Nähe anzeigt – oder sich sogar tat­säch­lich bzw. vir­tu­ell dort befin­den.

Unfrei­wil­li­ge Poké­mon-Besit­zer

In der Wunstor­fer Alt­stadt sah sich etwa Grund­stücks­be­sit­zer Micha­el U. genö­tigt, Ver­bots­schil­der an sei­ner Hof­ein­fahrt anzu­brin­gen, nach­dem meh­re­re Dut­zend Spie­ler auf der Suche nach Poké­mons auf das Pri­vat­ge­län­de vor­ge­drun­gen waren. Doch auch davon lie­ßen sich längst nicht alle Spiel­be­geis­ter­ten stop­pen. Auch jetzt noch wird das geschlos­se­ne Tor ein­fach bei­sei­te­ge­scho­ben. Teil­wei­se gab es sogar Aus­ein­an­der­set­zun­gen, als die Ein­dring­lin­ge nicht akzep­tie­ren woll­ten, des Grund­stücks ver­wie­sen zu wer­den.

Schilder sollen die Pokémon-Spieler aufhalten | Foto: Michael U.
Schil­der sol­len die Poké­mon-Spie­ler auf­hal­ten | Foto: Micha­el U.

Das Spiel

Vie­le spre­chen abwer­tend nur von einem Hype, doch eines ist wirk­lich neu: Bis­her kann­te man es qua­si nur von den Geo­cachern, dass Leu­te ihr Smart­pho­ne zum Spiel- und Sport­ge­rät umfunk­tio­nie­ren und damit in der Rea­li­tät auf aben­teu­er­li­che Schatz­su­che gehen. Auch Poké­mon Go ist im Grun­de nur eine Varia­ti­on der Schni­zel­jagd, aber ergänzt um wei­te­re span­nen­de Spiel­ele­men­te. Man folgt nicht nur Hin­wei­sen und ver­sucht, die klei­nen Geschöp­fe zu ent­de­cken, man muss sie auch ein­fan­gen, trai­nie­ren – und kann sie anschlie­ßend, in Teams ver­bun­den, gegen­ein­an­der zum Wett­kampf antre­ten las­sen. Die archai­schen Ele­men­te Sam­meln, Jagd und Wett­kampf sind hier naht­los mit­ein­an­der ver­eint.

Wie es funk­tio­niert

Tech­nisch ist das Spiel geni­al gemacht: Mit Hil­fe ech­ter Geo­da­ten (errech­net aus dem GPS-Signal) pro­ji­ziert die Poké­mon-Go-App künst­li­che Objek­te in die ech­ten Umge­bungs­bil­der der Han­dy­ka­me­ra. wer auf sein Smart­pho­ne schaut, sieht dann auf dem Dis­play nicht nur die tat­säch­li­che Umge­bung, so, als ob er foto­gra­fie­ren wür­de, son­dern die App fügt die vir­tu­el­le Rea­li­tät hin­zu. So scheint es dann, als ob auf der Stra­ße plötz­lich Poké­mons her­um­ste­hen.

Das Spiel erwei­tert damit das ech­te Umfeld um eine vir­tu­el­le Rea­li­tät, eben jene der Poké­mon-Welt, des Spie­le-Hits aus den 90er Jah­ren. Doch das jet­zi­ge Poké­mon-Go zwingt sei­ne Spie­ler gera­de­zu in die ech­te Welt, denn vom hei­mi­schen Sofa aus lässt es sich nicht spie­len. Hier­in liegt der beson­de­re Reiz: Man bewegt sich nicht nur in einer künst­lich geschaf­fe­nen Welt, wie es frü­her beim Game Boy oder auf der Spie­le­kon­so­le der Fall war, nein, die künst­li­che Welt wird der ech­ten über­ge­stülpt bzw. mit ihr ver­schmol­zen, wäh­rend man sie unter­wegs durch das Smart­pho­ne betrach­tet. Dadurch hockt man nicht nur pas­siv vor dem Bild­schirm, son­dern wird zum Teil der vir­tu­el­len Rea­li­tät. Ganz so, als wür­de man selbst durch das Spiel lau­fen – was man letzt­end­lich ja auch tut.

Die Spie­ler

Jeder mit einem halb­wegs aktu­el­len Han­dy kann das Spiel spie­len, er braucht nur die ent­spre­chen­de App her­un­ter­zu­la­den. Dann kann die Suche nach den nied­li­chen Fabel­we­sen los­ge­hen – Sucht­po­ten­ti­al inbe­grif­fen. Alters­gren­zen scheint es nicht zu geben, auf die Jagd gehen Alte wie Jun­ge.

Wunstorfer Pokémon-Gruppe bei Facebook
Wunstor­fer Poké­mon-Grup­pe bei Face­book

Die Poké­mon-Go-Spie­ler in Wunstorf haben sich bereits orga­ni­siert und eine eige­ne Face­book-Grup­pe ein­ge­rich­tet, um sich über die Poké­mon-Jagd in der Auestadt bes­ser aus­tau­schen zu kön­nen. Die Grup­pe hat bereits inner­halb der ers­ten 24 Stun­den ihres Bestehens fast 200 Mit­glie­der ver­zeich­nen kön­nen. Dort wer­den Tipps und Tricks aus­ge­tauscht, an wel­chen Ecken der Stadt sich die Jagd lohnt, und gemein­sa­me Aktio­nen ver­ab­re­det. Denn die gemein­schaft­li­che Poké­mon-Suche macht noch mehr Spaß.

Stein­hu­de etwa ist attrak­tiv, weil hier nicht nur – umge­bungs­ent­spre­chend – Was­ser­po­ké­mons zu fin­den sind, son­dern auch, weil es hier beson­ders vie­le Exem­pla­re zu fan­gen gibt. Für poten­ti­el­le Poké­mon-Trai­ner lohnt es sich durch­aus, ein­mal über die Pro­me­na­de zu schlen­dern. Aber auch in der Wunstor­fer Kern­stadt war­ten die schöns­ten Poké­mons der Regi­on – und auch wer am Bahn­hof gera­de auf einen Zug war­tet, kann sich noch schnell einen vir­tu­el­len Mit­rei­sen­den fan­gen.

Hype oder nicht Hype

Die Wer­be­wirt­schaft begreift das Spiel bereits als neu­es Mar­ke­ting­in­stru­ment, um Kun­den in die Läden lot­sen zu kön­nen. Im Gegen­satz zu den pri­va­ten Grund­stücks­be­sit­zern, die sich der unlieb­sa­men Besu­cher erweh­ren müs­sen. Die Aus­sicht, ein begehr­tes Poké­mon zu fan­gen oder eine Kampf­are­na zu errei­chen, ist oft­mals stär­ker als even­tu­el­le Hemm­schwel­len vor frem­den Grund­stücks­gren­zen.

So, wie es Auto­fah­rer gibt, die ihrem Navi blind ver­trau­en und dann über Brü­cken in Flüs­se fah­ren, weil es lei­der gera­de hoch­ge­zo­ge­ne Klapp­brü­cken sind, gibt es auch bei den App-Spie­lern sol­che, die nicht mehr mit der ange­mes­se­nen Auf­merk­sam­keit auf ihre Umge­bung reagie­ren. Doch das sind nur weni­ge, die ent­we­der dreist oder völ­lig ins Spiel ver­tieft sein müs­sen. Der über­wie­gen­de, gro­ße Teil der Poké­mon-Go-Spie­ler ver­hält sich rück­sichts­voll.

Ob es ein kurz­zei­ti­ger Hype bleibt und die unfrei­wil­lig in den Fokus der Spie­ler gera­te­nen Grund­stücks­be­sit­zer nach ein paar Wochen wie­der auf­at­men kön­nen oder sich Poké­mon zur dau­er­haft eta­blier­ten Frei­zeit­be­schäf­ti­gung mau­sert, ist noch nicht abseh­bar. Bis dahin soll­te man auf­pas­sen, dass man nicht aus Ver­se­hen im eige­nen Vor­gar­ten Poké­mon-Go-Spie­ler über den Hau­fen rennt.

Poké­mon-Schwer­punk­te in Wunstorf:

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