Fahr­rad­dieb­stäh­le in Wunstorf

Wunstorf – Nicht nur Woh­nungs­ein­brü­che und Auto­dieb­stäh­le – auch gestoh­le­ne Fahr­rä­der sind immer wie­der ein Ärger­nis in der Auestadt. Ob man sein gestoh­le­nes Fahr­rad je wie­der­sieht, hängt dabei vor allem davon ab, ob es von Pro­fis oder Gele­gen­heits­die­ben gestoh­len wur­de.

Ein Para­dies für Fahr­rad­die­be: Fahr­rad­ab­stell­plät­ze auf der Süd­sei­te des Wunstor­fer Bahn­hofs | Foto: Dani­el Schnei­der

Fahr­rad­dieb­stahl ist ver­mut­lich so alt wie das Fahr­rad selbst – doch wen es trifft, der ver­liert nicht nur ein Fort­be­we­gungs­mit­tel oder Sport­ge­rät, son­dern oft auch ein lieb­ge­won­ne­nes, indi­vi­du­ell aus­ge­stat­te­tes Gefährt. Die­se Erfah­rung müs­sen auch Fahr­rad­be­sit­zer in Wunstorf immer wie­der machen.

Wo wer­den wel­che Räder gestoh­len?

Wunstorf gehört wie vie­le ande­re Städ­te zu den Orten, an denen die Gefahr sta­tis­tisch beson­ders groß ist, dass das Fahr­rad ver­schwin­det: am häu­figs­ten wer­den Fahr­rad­dieb­stäh­le in Mit­tel­städ­ten ab 20.000 Ein­woh­nern ver­übt. Geklaut wer­den dabei Fahr­rä­der jeden Alters, jeden Typs und jeder Mar­ke. Vom Sport­rad bis zum E-Bike, vom alten Damen­rad bis zum neu­en Kin­der­fahr­rad. Pro­fes­sio­nel­le Die­be haben es jedoch vor allem auf die hoch­wer­ti­gen Mar­ken­rä­der abge­se­hen. Dieb­stahl­schwer­punkt in Wunstorf ist die Kern­stadt – und hier wie­der­um ein­deu­tig der Bereich rund um den Bahn­hof: Am Wunstor­fer Bahn­hof ver­schwin­den die meis­ten Fahr­rä­der. Aber auch aus ande­ren Fahr­rad­stän­dern, Hin­ter­hö­fen, Gär­ten oder gar Fahr­rad­kel­lern wer­den Räder gestoh­len.

Den Die­ben wird es oft zu leicht gemacht

Bei den Fahr­rad­dieb­stäh­len ist es nicht anders als bei den Woh­nungs­ein­brü­chen: Wenn es zu lan­ge dau­ert, geben die Die­be auf und wen­den sich lie­ber dem nächs­ten Objekt zu. Das Pro­blem bei Fahr­rä­dern ist aller­dings, dass das Kna­cken vie­ler Schlös­ser nicht län­ger dau­ert als ein paar Sekun­den. Den Die­ben wird es dabei mal ein­fa­cher, mal schwe­rer gemacht. Teil­wei­se wur­den unver­schlos­sen abge­stell­te Räder gestoh­len, aber auch mit star­ken Schlös­sern an fes­te Gegen­stän­de ange­ket­te­te Fahr­rä­der waren vor Dieb­stahl nicht sicher.

Doch vie­le Fahr­rad­fah­rer sichern ihr Rad meist noch zu sorg­los. Hoch­wer­ti­ge Bügel­schlös­ser sind das Non­plus­ul­tra, um es den Die­ben mög­lichst schwer zu machen, doch viel zu oft sind Fahr­rä­der mit dün­nen Kabel­schlös­sern „gesi­chert“. Dabei sind die­se Schlös­ser nicht mehr als ein leich­ter Weg­schie­be­schutz – sogar Gele­gen­heits­die­be öff­nen sol­che Kabel mit einem klei­nen, unauf­fäl­li­gen Sei­ten­schnei­der in Sekun­den­schnel­le.

Spi­ral­ka­bel und nicht am Stän­der ange­schlos­sen: Ein nur so abge­stell­tes Rad wäre in Sekun­den geknackt oder könn­te ein­fach weg­ge­tra­gen wer­den | Foto: Dani­el Schnei­der

Kabel­schlös­ser kön­ne man alle­samt ver­ges­sen, nur star­re Schlös­ser stel­len einen eini­ger­ma­ßen wirk­sa­men Dieb­stahl­schutz dar, ist von der Wunstor­fer Poli­zei zu hören. Auch wer­den Fahr­rä­der oft nicht an einen fes­ten Gegen­stand ange­schlos­sen, son­dern nur in sich selbst gesi­chert, indem z. B. das Schloss um Fahr­rad­rah­men und Rei­fen geschlun­gen wird. Ein so abge­schlos­se­nes Rad lässt sich dann ein­fach weg­tra­gen – und wird spä­ter in Ruhe auf­ge­bro­chen.

Bei Sport­rä­dern mit Schnell­span­nern wie­der­um machen tat­säch­lich vie­le Fahr­rad­fah­rer den Feh­ler, nur das Vor­der­rad mit dem Fahr­rad­stän­der zu ver­bin­den, wie von der Wunstor­fer Poli­zei zu erfah­ren war: Ein Hand­griff reicht dann – und das Vor­der­rad ist gelöst, bleibt ange­schlos­sen am Fahr­rad­stän­der zurück, und das rest­li­che Rad ist ver­schwun­den.

Gerin­ge Chan­cen, das Rad wie­der­zu­se­hen

Ermitt­lungs­er­fol­ge sei­tens der Poli­zei gibt es eher sel­ten, vor allem die Fahr­rä­der, die von pro­fes­sio­nel­len Die­ben gestoh­len wer­den, blei­ben meist für immer ver­schwun­den. Eine Fahr­rad­co­die­rung, wie sie auch von der Wunstor­fer Poli­zei ange­bo­ten wird, hilft in der Regel nur gegen Gele­gen­heits­die­be. Denn auch die Ein­zel­tei­le von Fahr­rä­dern sind begehrt, Fahr­rä­der wer­den mit­un­ter gezielt wegen ihrer hoch­wer­ti­gen Anbau­tei­le gestoh­len. Ein codier­ter Rah­men ent­fal­tet bei pro­fes­sio­nel­len Die­ben daher kein gro­ßes Abschre­ckungs­po­ten­ti­al. Viel Hoff­nung dür­fen sich die Besit­zer des­we­gen auch nach einer Anzei­ge bei der Poli­zei nicht machen – die Auf­klä­rungs­quo­te bei Fahr­rad­dieb­stäh­len lag in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bun­des­weit stets unter 10 Pro­zent.

Regis­trier­te Fahr­rä­der sol­len vor allem Gele­gen­heits­die­be abschre­cken | Foto: Dani­el Schnei­der

Gestoh­le­ne Fahr­rä­der im Feld ver­steckt

Der Wunstor­fer Poli­zei gelang in jün­ge­rer Zeit nur ein grö­ße­rer Schlag gegen Fahr­rad­die­be: Eine Die­bes­ban­de hat­te im gro­ßen Stil Fahr­rä­der geklaut – und vor dem Abtrans­port der Räder die­se zunächst ein­mal zwi­schen­ge­la­gert – das pro­vi­so­ri­sche Ver­steck war eine abge­le­ge­ne Stel­le auf dem Feld am Ran­de der Bar­ne. Ein auf­merk­sa­mer Spa­zier­gän­ger ent­deck­te die Fahr­rä­der, infor­mier­te die Poli­zei – und die Beam­ten leg­ten sich auf die Lau­er. Als die Die­be die Fahr­rä­der abho­len woll­ten, schnapp­te die Fal­le zu.

Pro­fi-Die­be vs. Klein­kri­mi­nel­le

In den Wunstor­fer Face­book-Grup­pen z. B. taucht regel­mä­ßig die Bit­te auf, nach einem geklau­ten Fahr­rad Aus­schau zu hal­ten – meist ver­geb­lich. Anders­her­um wer­den bis­wei­len her­ren­lo­se Fahr­rä­der irgend­wo gefun­den, die dann über die­sem Wege wie­der zum Besit­zer fin­den. Die­se Dis­kre­panz bei Ver­lust und Fin­den hat mit den unter­schied­li­chen Täter­ty­pen zu tun: Wenn man Glück im Unglück hat, dann war es nur ein Gele­gen­heits­dieb, der ein nicht­ver­schlos­se­nes oder nur schlecht gesi­cher­tes Fahr­rad ein­fach als schnel­le Fort­be­we­gungs­art genutzt und es dann spä­ter acht­los irgend­wo abge­stellt hat. So erklärt sich, dass manch­mal irgend­wo an Grund­stü­cken Fahr­rä­der auf­tau­chen, die die Anwoh­ner dort noch nie gese­hen haben – manch­mal sogar an den Zäu­nen ange­schlos­sen.

Die meis­ten Fahr­rä­der wer­den am Bahn­hof gestoh­len | Foto: Dani­el Schnei­der

Der grö­ße­re Teil der gestoh­le­nen Fahr­rä­der geht jedoch auf das Kon­to von pro­fes­sio­nell agie­ren­den Ban­den. Die­se Täter­grup­pe ist mit ent­spre­chen­dem Werk­zeug unter­wegs und stiehlt gezielt Fahr­rä­der. Nicht sel­ten wer­den so gestoh­le­ne Fahr­rä­der dann last­wa­gen­wei­se weg­ge­schafft, um sie ins Aus­land zu trans­por­tie­ren. Oder sie wer­den von Zwi­schen­händ­lern aus­ge­schlach­tet, die ein­zel­nen Bau­tei­le zu neu­en Fahr­rä­dern zusam­men­ge­setzt – und als Gebraucht­rä­der wei­ter­ver­kauft. Hoch­wer­ti­ge Tei­le lan­den oft ein­fach auch bei Inter­net­auk­tio­nen. Die­se letz­te­re Form des Fahr­rad­dieb­stahls ist in der Regel straff orga­ni­siert, und die Täter gehen kaum ein Risi­ko ein. Die Chan­cen, ein ein­mal von die­sen Tätern gestoh­le­nes Rad wie­der­zu­be­kom­men, sind äußerst gering.

Am Wunstor­fer Bahn­hof abge­stell­te Fahr­rä­der | Foto: Dani­el Schnei­der

Reui­ge Die­be

Doch es gibt auch kurio­se Fäl­le von Fahr­rad­dieb­stäh­len in Wunstorf: So stand ein ent­wen­de­tes Fahr­rad, das unver­schlos­sen auf einem Grund­stück gestan­den hat­te, in der dar­auf­fol­gen­den Nacht wie­der an Ort und Stel­le – der Täter hat­te offen­bar ein schlech­tes Gewis­sen bekom­men und das „geborg­te“ Fahr­rad zurück­ge­bracht. Die Regel ist das jedoch lei­der nicht bei Wunstor­fer Fahr­rad­dieb­stäh­len. Daher bleibt wei­ter nur, Fahr­rä­der so gut es geht zu sichern – und mög­lichst nicht am Bahn­hof zu par­ken.

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