Registrieren statt verlieren: Fahrradcodierung in Wunstorf

Die Resonanz auf die Fahrradcodieraktion am Samstag bei der Polizei hat die teilnehmenden Beamten selbst überrascht: Über hundert Wunstorferinnen und Wunstorfer wollten am Samstag ihre Räder codieren lassen. Wir waren dabei und haben uns zeigen lassen, wie es genau funktioniert und welchen Sinn die Fahrradcodierung hat.

Vie­le War­ten­de bei der Codier­ak­ti­on | Foto: Dani­el Schnei­der

Zum Andrang bei­getra­gen hat­te sicher­lich auch das schö­ne Wet­ter, denn bei strah­len­dem Son­nen­schein kam gleich die rich­ti­ge Fahr­rad­sai­son-Stim­mung auf. Wer gehofft hat­te, ohne lan­ge War­te­zei­ten dran­zu­kom­men, muss­te daher Kom­pro­mis­se machen. Schon gegen Mit­tag stan­den die Codier­wil­li­gen in einer lan­gen Schlan­ge vor dem Wunstor­fer Kom­mis­sa­ri­at an, und sie wur­de im Ver­lauf der Ver­an­stal­tung auch nicht wirk­lich kür­zer. Die Poli­zei schätz­te die Zahl derer, die über den Tag ver­teilt ihre Räder codie­ren lie­ßen, am frü­hen Nach­mit­tag auf 100 bis 150 Per­so­nen. Am Ende der Akti­on waren es dann tat­säch­lich 180 Fahr­rä­der, die erfasst wur­den.

Muss man sich hin­ten anstel­len?“Eine Fahr­rad­fah­re­rin

Doch fast alle nah­men die War­te­zeit in Kauf und war­te­ten gedul­dig, bis sie an einen von ins­ge­samt 3 Tischen gebe­ten wur­den, an denen die Poli­zei­be­am­ten zunächst die Daten auf­nah­men und ver­gli­chen.

Ohne diese 3 Dinge geht nichts

Drei Din­ge muss­te man unbe­dingt dabei­ha­ben, wenn man nicht unver­rich­te­ter Din­ge wie­der weg­fah­ren woll­te: Einen Iden­ti­täts­nach­weis (Rei­se­pass oder Per­so­nal­aus­weis), den Kauf­be­leg und die rich­ti­ge Rah­men­num­mer. Dass das Fahr­rad selbst auch mit­ge­bracht wer­den muss, ist selbst­ver­ständ­lich. Wenn man sei­nen Aus­weis ver­ges­sen hat, kann die Poli­zei not­falls auch eine Abfra­ge der Mel­de­da­ten über den Poli­zei­com­pu­ter vor­neh­men, doch das dau­ert. Ohne Kauf­be­leg und Rah­men­num­mern­pa­pie­re geht jedoch nichts.

Poli­zei­haupt­kom­mis­sar Tegt­mei­er auf der Suche nach der Rah­men­num­mer | Foto: Dani­el Schnei­der

Widerspenstige Rahmennummern

Wer bereits weiß, wo sich die Rah­men­num­mer an sei­nem Rad befin­det und die ent­spre­chen­de Stel­le ggf. sogar zuvor säu­bert, beschleu­nigt das Ver­fah­ren deut­lich. Meist sind die Rah­men­num­mern unter dem Tret­la­ger oder am Gabel­schaft ver­steckt. Mit Rädern von gro­ßen Fahr­rad­la­den­ket­ten erle­ben die Wunstor­fer Poli­zis­ten aller­dings immer wie­der Über­ra­schun­gen, wie Poli­zei­haupt­kom­mis­sar Tegt­mei­er erklärt: Regel­mä­ßig käme es vor, dass die Rah­men­num­mern in den Kauf­be­le­gen nicht zur Rah­men­num­mer am Rad pas­sen wür­den. Dann hilft alles nichts, eine Codie­rung wird nicht durch­ge­führt und der Käu­fer muss sich erst beim Händ­ler die rich­ti­gen Doku­men­te besor­gen.

Das Procedere

Themenschwerpunkt: Radfahren in Wunstorf

Die Fahr­rad­be­sit­zer bekom­men einen Bogen zum Aus­fül­len, der inhalt­lich in etwa einem klas­si­schen Fahr­rad­pass ent­spricht. Hier wer­den alle wich­ti­gen Merk­ma­le des Fahr­ra­des ein­ge­tra­gen, neben der Rah­men­num­mer etwa die Far­be und Rah­men­grö­ße. Auch die per­sön­li­chen Daten wie die Anschrift wer­den hier ver­merkt. Dann wer­den die gemach­ten Anga­ben mit den Aus­weis­do­ku­men­ten, mit dem Kauf­be­leg und mit der Rah­men­num­mer ver­gli­chen. Dazu wird das Fahr­rad genau inspi­ziert. Gleich vor den Tischen liegt eine Mat­te, auf die die Fahr­rä­der gelegt wer­den kön­nen, um beschä­di­gungs­frei an die Rah­men­num­mer her­an­zu­kom­men, wenn sich die­se an ungüns­ti­gen Stel­len befin­det.

Abgleich der Daten und Ver­ga­be des Codes | Foto: Dani­el Schnei­der

Stimmt alles über­ein, dann gibt es für den Besit­zer noch einen Merk­zet­tel, auf dem noch ein­mal die Code­num­mer notiert ist – und das Fahr­rad bekommt die­sel­be Codie­rung als Schild­chen. Die Beam­ten fra­gen, wo der Hin­weis hin­soll, wischen noch ein­mal mit einem Lap­pen über die gewünsch­te Stel­le und brin­gen die Codie­rung dann auf. Es han­delt sich dabei um einen schma­len Strei­fen, auf ihm steht in Rot „Regis­triert“, die Code­num­mer sowie „Poli­zei­di­rek­ti­on Han­no­ver“ neben dem nie­der­säch­si­schen Poli­zei­stern.

Das Aus­fül­len des Daten­bo­gens ist der ers­te Schritt bei der Fahr­rad­co­die­rung | Foto: Dani­el Schnei­der
Poli­zei­ober­kom­mis­sa­rin Schul­ze beim Abgleich der Rah­men­num­mer | Foto: Dani­el Schnei­der

Vor allem hochwertige Räder werden codiert

Die War­te­zeit betrug je nach Posi­ti­on in der Schlan­ge eine gute Drei­vier­tel­stun­de, das eigent­li­che Codie­ren war dann in wei­te­ren 10 Minu­ten erle­digt. Neben der Fahr­rad­co­die­rung konn­ten sich die Teil­neh­mer auch mit Info­ma­te­ri­al ver­sor­gen, etwa zur Fahr­rad- und Ver­kehrs­si­cher­heit. Die Fahr­rä­der, die zum Codie­ren vor­ge­stellt wur­den, waren über­wie­gend neue und hoch­wer­ti­ge Räder. Mar­ken wie Pega­sus, Gude­reit oder Ral­eigh bestimm­ten das Bild. Auch das ein oder ande­re E‑Bike war zu bestau­nen, des­sen Neu­preis man­chen Gebraucht­wa­gen in den Schat­ten stellt. Vie­le Paa­re kamen vor­bei und lie­ßen ihre Räder gemein­sam regis­trie­ren, eben­so vie­le Ein­zel­fah­rer und auch Eltern mit ihren Kin­dern lie­ßen sich einen Auf­kle­ber anfer­ti­gen.

Noch schnell mit einem Lap­pen säu­bern … | Foto: Dani­el Schnei­der
… und schon kann der Code auf­ge­klebt wer­den | Foto: Dani­el Schnei­der

Aufkleber?

Dass die Fahr­rä­der mit Auf­kle­bern codiert wer­den, mag zunächst ver­wun­dern, hat aber sei­ne Grün­de. Frü­her wur­de auch bei der Wunstor­fer Poli­zei tat­säch­lich noch in den Rah­men hin­ein­gra­viert, doch die­se Metho­de gab man schon vor 15 Jah­ren auf. Gra­vie­ren dau­er­te ein­fach zu lan­ge. Die Schlan­ge von War­ten­den zog sich dann durch die gesam­te Fuß­gän­ger­zo­ne, wo die Akti­on vor­mals auch statt­fand.

Bereits alles aus­ge­füllt, fehlt nur noch der Auf­kle­ber auf dem Fahr­rad | Foto: Dani­el Schnei­der

Doch der sicht­ba­re Auf­kle­ber ist nur ein Teil­as­pekt der Regis­trie­rung. Er ist außer­dem so beschaf­fen, dass er nicht ohne Wei­te­res ent­fernt wer­den kann. Unmög­lich ist es nicht, doch der Spe­zi­al­kle­ber hin­ter­lässt dann in der Regel Spu­ren, wie Poli­zei­ober­kom­mis­sa­rin Schul­ze, die die Akti­on lei­te­te, erklär­te. Auf die Schnel­le ist er jeden­falls nicht zu besei­ti­gen. Da sich auch Gra­vu­ren ent­fer­nen, über­la­ckie­ren oder über­kle­ben las­sen, betreibt man die­sen Auf­wand nicht mehr, es wird nur noch geklebt.

Der Sinn dahinter

Gerät ein gestoh­le­nes, der­art gekenn­zeich­ne­tes Fahr­rad in eine Kon­trol­le oder wird es nach einem Dieb­stahl auf­ge­fun­den, dann kann es die Poli­zei sofort sei­nem Besit­zer zuord­nen und es ihm wie­der­be­schaf­fen. Die vor­han­de­ne Codie­rung wird bei Fahr­rad­kon­trol­len auch stets über­prüft, wenn sie den kon­trol­lie­ren­den Beam­ten auf­fällt. Mit der frü­her ver­wen­de­ten Gra­vur-Codie­rung war das deut­lich umständ­li­cher und wur­de daher nicht immer gemacht.

Mit dem Auf­kle­ber ist das Rad dezent, aber doch gut erkenn­bar für ande­re regis­triert | Foto: Dani­el Schnei­der

Der Kle­be­strei­fen wird daher auch mög­lichst an einer auf­fäl­li­gen Stel­le am Fahr­rad auf­ge­bracht. An die­sem Tag lan­den die meis­ten direkt auf dem Ober­rohr, in Len­ker­nä­he. Außer­dem kann der Auf­kle­ber abschre­cken­de Wir­kung auf Gele­gen­heits­die­be ent­fal­ten, wenn die­se erken­nen, dass ein Fahr­rad bei der Poli­zei regis­triert ist und ggf. schnel­ler als gestoh­len iden­ti­fi­ziert wer­den kann. Denn die Poli­zei spei­chert nicht nur die Daten des Fahr­rad­be­sit­zers und kann die­se der Regis­trie­rungs­num­mer zuord­nen, son­dern auch alle Eigen­schaf­ten und Merk­ma­le des Fahr­ra­des. Gewis­ser­ma­ßen hat die Poli­zei damit den frü­her übli­chen „Fahr­rad­pass“ nun immer im Com­pu­ter abruf­bar.

Eine Abfra­ge fin­det im Fall der Fäl­le bun­des­weit statt, einen Abgleich auf euro­päi­scher Ebe­ne gibt es jedoch nicht und wird es so bald wohl auch nicht geben. Die Poli­zei ist schon froh, dass es trotz der föde­ra­len Struk­tu­ren hier­zu­lan­de über­haupt in ganz Deutsch­land funk­tio­niert.

Kein Schutz gegen Profis

Ganz klar, gegen pro­fes­sio­nel­le Die­be, die gezielt auf „Fahr­rad­tour“ gehen, hilft die­se Codie­rung wenig. Lang­fin­ger, die gewerbs­mä­ßig Fahr­rä­der steh­len, haben es ohne­hin oft auf die wert­vol­len Anbau­tei­le und Ein­zel­kom­po­nen­ten abge­se­hen, aber vie­le Fahr­rä­der lan­den auch kom­plett im euro­päi­schen Aus­land, wo sich nie­mand um eine deut­sche Fahr­rad­co­die­rung schert. Bei Gele­gen­heits­dieb­stäh­len scheint die Abschre­ckung zumin­dest in Wunstorf jedoch zu funk­tio­nie­ren: Bei Fahr­rad­kon­trol­len war unter den als gestoh­len iden­ti­fi­zier­ten Fahr­rä­dern noch nie ein codier­tes Rad.

Den ver­ge­be­nen Code bekom­men alle Teil­neh­mer noch ein­mal gemein­sam mit wei­te­ren Hin­wei­sen aus­ge­hän­digt | Foto. Dani­el Schnei­der

Das könn­te jedoch auch dar­an lie­gen, dass Rad­fah­rer, die sich für eine Codie­rung ent­schie­den haben, auch ansons­ten mehr auf die Sicher­heit ihrer Räder ach­ten. Das war auch bei den Fahr­rad­be­sit­zern bei der Codier­ak­ti­on zu sehen: Vie­le hat­ten robus­te Schlös­ser am Rad, man­cher sogar mehr als nur ein mas­si­ves Ket­ten- oder Bügel­schloss.

Fahrradcodierungen auch ganzjährig

Wann die nächs­te Fahr­rad­co­die­rung statt­fin­det, steht noch nicht fest. Sie wird immer dann geplant, wenn genü­gend Beam­te dafür abge­stellt wer­den kön­nen. Zu den Herbst­fe­ri­en könn­te es viel­leicht noch ein­mal einen Ter­min geben, doch so lan­ge oder bis ins nächs­te Jahr muss nie­mand war­ten, der die Codier­ak­ti­on ver­passt hat und unbe­dingt noch sein Fahr­rad auf die­se Wei­se zusätz­lich absi­chern möch­te: Die Wunstor­fer Poli­zei codiert Räder auch ein­zeln außer der Rei­he, ein Anruf beim Kom­mis­sa­ri­at für eine Ter­min­ab­spra­che genügt.

Themenschwerpunkt: Radfahren in Wunstorf

Die­se Repor­ta­ge ist Teil unse­rer Serie „Rad­fah­ren in Wunstorf“. Lesen Sie dem­nächst: Wo in Wunstorf Fahr­rä­der nicht sicher sind und was man außer einer Codie­rung gegen Dieb­stahl tun kann.

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