Die Werbegemeinschaft Wunstorf steckt in der Krise

Von Katastrophe zu sprechen wäre übertrieben, doch die Wunstorfer Werbegemeinschaft erlebt wohl gerade die schwerste Zeit seit ihrem Bestehen. Es gibt keinen Vorsitzenden mehr, niemand will den Posten übernehmen, vom Amtsgericht soll ein Notvorstand bestimmt werden. Verständlich, die Verantwortung für die Aufarbeitung der verschwundenen Citygutschein-Gelder will sich kein Einzelner aufbürden. Wie schnell man den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen kann, sieht man im Falle des bisherigen „Mr. Werbegemeinschaft“, der sich nun an den Pranger gestellt fühlt.

Aber wer trägt denn nun tatsächlich die Verantwortung und wer ist schuld? Aus Kreisen der Händler war schon vor Wochen unter der Hand gemunkelt worden, dass es auch einer der ihren sein könnte, der für das Versickern des Geldes verantwortlich sei. An gefälschte Gutscheine wollten da einige offenbar schon nicht mehr so recht glauben. Der Aufwand für Kriminelle wäre eigentlich auch viel zu hoch, im großen Stil systematisch Citygutscheine nachzudrucken oder zu verändern, auch wenn sich jetzt herausgestellt hat, dass Kontrollmechanismen offenbar nicht funktioniert haben – sonst wäre der Verlust wohl früher bemerkt worden und es ließe sich nun problemlos feststellen, an welcher Stelle das Geld abhanden kam.

Die Kunden interessiert dabei jedoch weniger, wer Schuld hat, wo das Geld geblieben ist oder wo es die Werbegemeinschaft nun auftreibt, sondern was mit ihren Gutscheinbeträgen letztendlich passiert, wie es endlich weitergeht: wann sie ihr Geld zurückbekommen, wann sie wieder damit einkaufen können – oder auch, ob es in Zukunft wieder neue Citygutscheine geben wird.

Doch die dürften erst einmal tot sein – das Kind ist in den Brunnen gefallen, das Vertrauen der Kunden hat womöglich gelitten, das Image der Werbegemeinschaft womöglich Schaden genommen, auch wenn die Händler von Anfang an so transparent wie möglich reagiert haben. Es wurde mit der Presse gesprochen, mit Aushängen über das Problem informiert. Aber die Kunden waren es schließlich, die unverschuldet das Malheur ausbaden mussten, indem sie ihre Gutscheinwerte nicht einlösen konnten und auch noch zur Registrierungsstelle zu laufen hatten, damit die Werbegemeinschaft überhaupt einen Plan davon bekam, wie groß der angerichtete Schaden ist.

Möglichst Stillschweigen zu bewahren, wie es offenbar auch diskutiert wurde, um den Ruf der Citygutscheine und damit auch den Einkaufsstandort Wunstorf nicht zu gefährden, wäre wohl ohnehin keine Option gewesen – die Nichteinlösbarkeit der Gutscheine hätte sich schnell herumgesprochen. Aber auch jetzt, ein knappes halbes Jahr später, weiß man noch immer nicht, wohin das Geld verschwunden ist – und solange das nicht geklärt ist, ist die Werbegemeinschaft zumindest in diesem Punkt praktisch handlungsunfähig. Von daher ist die Idee, parallel neue Strukturen aufzubauen und nicht im Rahmen des alten Systems weiterzumachen, vielleicht nicht die schlechteste. Die Werbegemeinschaft wird hier ganz neu anfangen müssen, um das Vertrauen der Kunden wiederherzustellen.

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