Stromtrasse könnte genau durch Wunstorf verlaufen

Nachdem neue Planungen für den Verlauf der deutschlandweiten Nord-Süd-Stromtrasse zur Versorgung der südlichen Bundesländer mit Windenergie publik gemacht wurden, steht Wunstorf auf einmal als mögliches Gebiet für die Verlegung der Leitungen in der Diskussion.

Strommasten in der Region Hannover
Strom­mas­ten in der Regi­on Han­no­ver

Die Strom­tras­se, für die der­zeit meh­re­re mög­li­che Ver­läu­fe geplant sind, wird von der Küs­te bis in den tie­fen Süden ver­lau­fen. Von der Nord­see­küs­te in Schles­wig-Hol­stein bis hin­un­ter nach Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern soll die Tras­se füh­ren. Für die Regi­on Han­no­ver sind dabei zwei Tras­sen­ver­läu­fe skiz­ziert, von denen einer die Regi­on direkt durch­que­ren wür­de – wird der west­li­che­re Tras­sen­kor­ri­dor Rea­li­tät, könn­te davon auch Wunstorf direkt betrof­fen sein.

Strom für den Süden

Die Ener­gie­wen­de ist in vol­lem Gan­ge, bis das letz­te Atom­kraft­werk in Deutsch­land abge­schal­tet wird und kei­ne Ener­gie mehr lie­fert, ist nur noch eine Fra­ge der Zeit. Viel von letz­te­rer bleibt daher nicht mehr, um die Fra­ge zu beant­wor­ten, wie der Strom künf­tig aus dem wind­ener­gie­rei­chen Nor­den in den stromar­men Süden Deutsch­lands gelan­gen soll. Die Ant­wort lau­tet „Strom­tras­se“ – ein Hoch­span­nungs­ka­bel, das Gleich­strom ein­mal fast durch die gan­ze Repu­blik lei­tet. „Sued­Link“, so lau­tet der Name der gigan­ti­schen Strom­lei­tung.

Mit dem Bau die­ser Nord-Süd-Strom­lei­tung soll­te eigent­lich schon die­ses Jahr begon­nen wer­den, doch zahl­rei­che Ein­wän­de und Wider­stand aus Poli­tik und Gesell­schaft ver­zö­ger­ten das Vor­ha­ben. Letz­tes Jahr wur­de schließ­lich fest­ge­legt, dass es kei­ne Strom­mas­ten mehr sein soll­ten, die auf mög­lichst gera­der Linie in den Süden geführt hät­ten. Um das Vor­ha­ben in der Bevöl­ke­rung bes­ser durch­set­zen zu kön­nen, sol­len nun vor allem Hoch­span­nungs­lei­tun­gen in der Erde ver­legt wer­den – die das Land­schafts­bild nicht zer­stö­ren, aber die Kos­ten und den Auf­wand in die Höhe trei­ben.

Gemeinden hoffen, dass der Kelch an ihnen vorüberzieht

Die ursprüng­lich geplan­ten Rou­ten waren damit obso­let, die Kor­ri­do­re, in denen die Lei­tun­gen ver­legt wer­den könn­ten, wur­den neu geplant. Die neu­en Pla­nun­gen wur­den Anfang der Woche publik gemacht – und vie­le Gemein­den sehen sich nun auf ein­mal davon über­rascht und mit dem mög­li­chen Neu­bau von Erd­lei­tun­gen auf ihrem Gebiet kon­fron­tiert. Nie­mand will die Tras­se – und umfang­rei­che Bau­ar­bei­ten – vor der Haus­tür haben, aber irgend­wo wird sie schließ­lich ver­legt wer­den.

Die bei­den Netz­be­trei­ber „Ten­neT“ und „Trans­netBW“, die für die Umset­zung des Baus ver­ant­wort­lich zeich­nen, haben nun meh­re­re mög­li­che Rou­ten vor­ge­schla­gen, auf denen die Tras­se ver­lau­fen könn­te. Der größ­te Teil der Strom­tras­se wird quer durch Nie­der­sach­sen ver­lau­fen – und einer der skiz­zier­ten Ver­läu­fe wür­de die Regi­on Han­no­ver direkt durch­schnei­den – die wie­der­um in zwei mög­li­chen Ver­zwei­gun­gen gebaut wer­den könn­te. Eine davon wür­de auch Wunstorf direkt betref­fen.

Wunstorf ist in der Auswahl

Auch für Wunstorf ergibt sich damit nun eine neue Situa­ti­on. Wäre die Auestadt von der ursprüng­li­chen Pla­nung nicht betrof­fen gewe­sen, so kommt Wunstorf nun als Stand­ort für die Ver­le­gung der Lei­tun­gen in Fra­ge. Die Tras­se wür­de in die­sem Fall aus Rich­tung Neu­stadt kom­mend, west­lich über Frie­lin­gen und Schloß Rick­lin­gen ver­lau­fend, den öst­li­chen Teil von Luthe tan­gie­ren, um dann zwi­schen den Anschluss­stel­len Luthe und Kolen­feld die A 2 zu über­que­ren und, öst­lich des Deis­ters vor­bei, wei­ter in Rich­tung Göt­tin­gen zu wan­dern.

Alter­na­tiv wür­de der Kor­ri­dor öst­lich von Schloß Rick­lin­gen abzwei­gen, wei­ter über Garb­sen ver­lau­fen, um dann zwi­schen Gehr­den und Ron­nen­berg wie­der wei­te­ren Kurs Rich­tung Süden zu neh­men. In die­sem Fall wäre Wunstorf außen vor.

Auf diesem Wege würde die Stromtrasse durch Wunstorfer Gebiet führen | Graphik: Auepost
Auf die­sem Wege wür­de die Strom­tras­se durch Wunstor­fer Gebiet füh­ren | Gra­phik: Aue­post

Doch bei der ers­ten Vari­an­te, wie in der Gra­phik dar­ge­stellt, wür­de das öst­li­che Wunstorf durch­quert. Vor allem die Luther im Osten des Orts­teils wären dann von der Ver­le­gung des Kabels betrof­fen, theo­re­tisch könn­te es sogar den Orts­teil unmit­tel­bar schnei­den. Der Pla­nungs­kor­ri­dor schließt den öst­lichs­ten Bebau­ungs­be­reich Luthes ein­deu­tig mit ein.

Der ein­ge­zeich­ne­te Kor­ri­dor öst­lich von Kolen­feld ver­läuft dabei par­al­lel zu den dort bereits vor­han­de­nen über­ir­di­schen Hoch­span­nungs­lei­tun­gen, die den Mit­tel­land­ka­nal und die Auto­bahn über­que­ren. Hier wür­de die Strom­tras­se dann womög­lich auch ober­ir­disch gezo­gen wer­den, denn die neu­en Lei­tun­gen sol­len zwar vor­ran­gig unter­ir­disch ver­legt wer­den, was wei­te­re Hoch­span­nungs­mas­ten jedoch nicht aus­schließt. Die teil­wei­se bereits vor­han­de­nen Über­land­lei­tun­gen haben Wunstorf im Gegen­satz zur Rou­te über Garb­sen womög­lich gera­de des­halb für den Kor­ri­dor prä­de­sti­niert.

Noch ein weiter Weg zur Planfeststellung

2025 soll die Süd­link-Tras­se fer­tig­ge­stellt sein, doch nun beginnt erst ein­mal die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Bür­gern, Gemein­den und den Netz­be­trei­bern erneut. Bereits jetzt haben auch alle Bür­ger Gele­gen­heit, ihre Anmer­kun­gen und Beden­ken ein­flie­ßen zu las­sen. Zudem wird es Info-Foren in den betrof­fe­nen Regio­nen und Land­krei­sen geben, bei denen man sich über Pla­nun­gen und Tech­nik infor­mie­ren und eben­falls ein­brin­gen kann; eine Betei­li­gung ist auch online mög­lich.

Anfang 2017 wird dann die Geneh­mi­gung zur Bun­des­fach­pla­nung bean­tragt, die den wei­te­ren for­ma­li­sier­ten Abwä­gungs­pro­zess ein­lei­tet. Danach wer­den sich die Pla­nun­gen, wel­che Ver­läu­fe der mög­li­chen Kor­ri­do­re tat­säch­lich aus­ge­wählt wer­den, kon­kre­ti­sie­ren. Beglei­tet wer­den sie von öffent­li­chen Antrags­kon­fe­ren­zen, das Ver­fah­ren wird dann letzt­end­lich in der Plan­fest­stel­lung mün­den. Die Stadt Wunstorf hat bereits ange­kün­digt, die wei­te­ren Pla­nun­gen kri­tisch beglei­ten zu wol­len.

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