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Pavel will Brücken bauen und das Rathaus zu den Menschen bringen

09.09.2026 • Schneider / Süß • 4 Min.Kommentare: 0

Wenige Tage vor dem entscheidenden Urnengang am 13. September hat Martin Pavel seine Auffassung von Amtsführung und konkrete Aktionen für die ersten 100 Tage erläutert. Der 41-Jährige ist gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von CDU, Bündnisgrünen und FDP. Seine Stichworte: neuer Stil, mehr Bürgernähe, mehr Selbstreflexion. Ein zentrales Vorhaben: „Das Rathaus kommt zu den Bürgern“.

09.09.2026
Schneider / Süß
4 Min.
Jens Zotzmann, Martin Pavel und Bernd Heidorn (v. l.) bei der Vorstellung von Pavels Rathausplänen im CDU-Wahlkampfquartier in der Südstraße |Foto: Schneider

Wunstorf (as/ds). Gemeinsam mit Bernd Heidorn, der in der Kernstadt Thomas Silbermann (SPD) als Ortsbürgermeister ablösen will, und dem Quereinsteiger Jens Zotzmann, beschrieb Pavel vor Lokaljournalisten, wie er sein Amt und die Stadtverwaltung führen und welche Schritte er zu Beginn gehen will.

Pavel ist seit 17 Jahren Vorsitzender der Wunstorfer CDU, seit 2011 Ratsherr und kandidierte bereits 2021 für das Amt des Bürgermeisters. Er unterlag Piellusch. Die Rolle des Rathauschefs definiert er als die eines Brückenbauers. Integrationskraft und die Fähigkeit, sich selbst ständig zu hinterfragen, sieht er als unerlässlich an. „Das Rathaus muss neutral sein“, ergänzte Pavel. Diesen Anspruch habe er „unmissverständlich“ an sich selbst. Er versprach, „immer zum Wohle aller“ zu agieren.

„Wählen und die Mitte stärken“

Vor der Vorstellung seiner „10 Ideen“ nutzte Pavel den Termin zunächst, Grundsätzliches anzubringen. Der Wahlabend in Sachsen-Anhalt sei ein „bitterer“ für die CDU gewesen. Es habe sich gezeigt, wohin maximale Polarisierung in der politischen Diskussion führe. Alle seien sich immer sicher, alles richtig zu machen. Das sei nicht sein Weg. Ausdrücklich in Richtung Friedrich Merz verlangte Pavel mehr Selbstreflexion und Integrationsvermögen. Er verband das mit dem Appell, am 13. September zur Wahl zu gehen und „die demokratische Mitte“ zu stärken.

Mit einer zweiten Vorbemerkung nahm er Bezug auf eine Äußerung von Carsten Piellusch (SPD). Der amtierende Bürgermeister hatte bei der Vorstellung seines 80-Punkte-Programms für die zweite Amtszeit die Stadt als Konzern bezeichnet, den er weiter führen wolle. Das sei nicht seine Auffassung, hielt Pavel dagegen. Die Stadt sei „viel, viel mehr“ als ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen.

Er sehe den Bürgermeister „nicht als König, nicht als Alleinherrscher, nicht als CEO“, sondern „als Diener“. Brücken zu schlagen und zu versöhnen sei die Aufgabe eines direkt gewählten Hauptverwaltungsbeamten. Die Konfrontation beim Thema Innenstadt zeige, dass Umdenken und neuer Stil nötig seien.

„Bürgermeister ist nicht König, nicht CEO“

Martin Pavel

Konkrete Folge dieser Überzeugung soll ein „Gipfel“ sein, den Pavel, sollte er das Amt „übernehmen dürfen“, schnellstens organisieren will: Alle relevanten Akteure, alle „mit veritablen Interessen“, sollen zusammenkommen und „einen Weg nach vorne finden“. „Und wenn es zwei Tage dauert“, so Pavel. Er will „so lange sprechen“, bis ein gemeinsamer Weg gefunden ist. Dafür werde er keinen Versuch unterlassen.

Pavels Agenda für die ersten 100 Tage seiner Amtszeit enthält Themen, die Bürger und Kommunalpolitik nicht erst seit gestern beschäftigen: die Bauvorhaben Vion und Viertel vorm Meer, der Zustand der Sportstätten, die Verkehrssituation auf der Hindenburgstraße, die Ganztagsschulen. Pavel will „Tempo und Konkretheit reinbringen“.

Gutes Signal für Vion-Gelände

Vion oder neuerdings „Oststadtbogen“: Pavel berichtete von einer Absprache mit dem Investor Björn Hiss, wonach der auf seinem Gelände am Luther Weg angesichts des Verlaufs der aktuellen Gespräche mit der Wunstorfer Bauverwaltung den ersten Spatenstich im Herbst 2027 für realistisch hält. Gestartet werden soll mit Sozialwohnungen. Für Pavel ist das ein „gutes, wichtiges Signal“.

Viertel vorm Meer in Steinhude: „Sehr zuversichtlich“ ist Pavel, dass dort 2027 die Verwirklichung des Bauprojekts beginnt: „Nicht mit Genehmigungen“, sondern mit dem Spatenstich!“

Sportstätten mit „Bordmitteln“ verbessern

Sportstätten: Viele Besuche bei Sportveranstaltungen und Gespräche mit Vereinsvertretern bringen Pavel zu der Erkenntnis: „Da müssen wir sofort rangehen.“ Beim MTV Großenheidorn, beim FC Wunstorf, in „Idensen und und und“ gebe es Probleme mit der Sauberkeit und der Funktionalität, berichtete Pavel, was ihm „immer wieder gespiegelt“ werde. Auch den Zustand der Schulsportstätten werde er in den Blick nehmen. Vieles lasse sich schnell mit Bordmitteln beheben.

„Man muss hinfahren und schauen“, forderte er. Das klappe nicht vom Schreibtisch aus. Pavel kritisierte auch die bürokratische Praxis: Es sei nicht nötig, für ein Plakat an einer Toilettentür einen Antrag an die Stadt stellen zu müssen. „Da ist Sand im Getriebe“, glaubt Pavel.

Hindenburgstraße: Die Verkehrsprobleme auf der Hindenburgstraße – vor allem die höchst gefährlichen Phasen, wenn der Unterricht am Hölty-Gymnasium beginnt und endet, wenn sich hunderte von Schülerinnen und Schüler am Fahrbahnrand drängen und viele Busse ihre Wege im Gedränge finden müssen – sei wieder aus dem Blickfeld geraten. Pavel will das ändern. Er will die „lebensgefährliche Situation“ dringend entschärfen.

Ganztagsschulbetrieb: Pavel will erreichen, dass im nächsten Schuljahr alle Eltern einer Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder sicher sein können. Baulich werde das nicht gelingen. Aber sein Ziel sei, schnellstens so „ready“ zu sein, dass die Nachmittagsbetreuung überall „mindestens interimsmäßig“ angeboten werde. Verwundert sei er, dass der Bürgermeister, der elf Jahre für die Schulen zuständig gewesen sei, „erst jetzt wenige Tage vor der Wahl“ die Vorlagen dazu vorlege und die Beratung starte.

„Da ändert sich was“

Pavels Programm zum Amtsantritt sieht nicht nur vor, Unerledigtes schnellstens zu bearbeiten. Seine „10 Ideen“ stehen für den Anspruch, einen neuen Stil im Rathaus zu etablieren. Er will „die Menschen spüren lassen: Da ändert sich was.“ Kommunikation ist Pavels Stichwort: „erklären, erklären, erklären“. Dabei sei das Telefon ein wichtiges Handwerkszeug. Im Bürgermeisterbüro müsse man sich fühlen wie im Callcenter, weil ständig die Drähte glühen.

Dazu passt sein Ideen-Katalog, dessen oberstes Ziel Bürgernähe und Zusammenarbeit sind. Zentral der Vorschlag „Rathaus trifft Stadt“: Viele Menschen aus Verwaltung, Handel, Handwerk, Vereinen und Politik arbeiteten täglich für die Stadt, würden sich aber nur aus Mails, Anträgen und Telefonaten kennen. Eine große „Auftaktveranstaltung“ soll diese Personen zusammenbringen: „nicht in einer langen Sitzung, sondern zum Kennenlernen und offenen Austausch“.

Während einer 100-Tage-Verwaltungsrunde will Pavel nicht nur die Führungskräfte treffen, sondern auch Sachbearbeiter, Teams und operative Bereiche. „Was läuft gut“, will er erfahren. „Wo hakt es? Was kostet unnötig Zeit?“ Seine Überzeugung ist: „Führung beginnt damit, die Menschen und ihre Arbeit zu kennen, für die man Verantwortung übernimmt.“

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