
Wunstorf (as/ds). Vor dem Ernst der Pressekonferenz steht Persönliches an. Das Team des CDU-Bewerbers um das höchste Amt in der Stadt hat den Tisch gedeckt. Kaffee, Wasser und Kekse stehen bereit. Und Kuchen. Der ist vor allem für einen der Lokaljournalisten gedacht. Der Mann hat Geburtstag. So gibt es erst einmal eine Gratulationscour: Von den sieben haben noch drei weitere in diesen Tagen Grund zum Feiern gehabt.
Die persönlich-freundliche Atmosphäre im ehemaligen Fräulein-Fröhlich-Laden bleibt auch erhalten, als es um die Politik geht. Martin Pavel – dunkelblauer Anzug, hellblaues Hemd, weißes Einstecktuch – sitzt in der Mitte zwischen einem alten und einem neuen Weggefährten: Bernd Heidorn und Jens Zotzmann.
Heidorn ist gerade 73 geworden. Mit mehr als 30 Jahren in der Kommunalpolitik ist er ein CDU-Urgestein. Der Kandidat Pavel baut auf seine Erfahrung – und das Netzwerk, das Heidorn über Jahre geknüpft hat. In der Feuerwehr, die er lange als Ortsbrandmeister geführt hat, in der Werbegemeinschaft, deren Vorsitzender er ist, seit die Gemeinschaft vor einigen Jahren kurz vor dem Aus stand.
Als Logistikchef eines großen Getränkehändlers noch ein paar Tage beruflich aktiv, will Heidorn es noch einmal wissen und kandidiert am 13. September für Stadt- und Ortsrat. „Mit mir gibt es keine Bevormundung der Bürger“, verspricht er. Das Rathaus sei für die Menschen da, nicht für die Amtsträger. „Vernünftige Kommunikation“, die Modernisierung der Innenstadt bei Bewahrung des historischen Charakters, Wohnungsbau und Verkehrssicherheit nennt er als seine Schwerpunkte.
Als „Newcomer“ ist Jens Zotzmann Dritter im Bunde. Der Chef einer hannoverschen Privatbank mit langer Tradition ist Wunstorfer, „eigentlich SPD-Wähler“ und hatte bisher nach eigenen Worten mit Kommunalpolitik „nix im Sinn“. Erst die Kontakte zu Investor Rainer de Groot und Pavel, sein Besuch einer Ratssitzung und der Verlust der Stadtsparkasse haben ihn motiviert.
Die ehemalige Hausbank der Stadt, inzwischen von der Sparkasse Hannover geschluckt, stuft Zotzmann als das „wertvollste Asset“ der Stadt ein. Dass es zur Aufgabe der Sparkasse gekommen sei, nennt er eine „sehr unglückliche Entwicklung“. Zotzmann sagt auch, wem er das anlastet: „Die Verantwortung trägt immer der Verwaltungsratsvorsitzende!“
Damit deutet er, ohne ihn beim Namen zu nennen, auf Carsten Piellusch, den Bürgermeister. Unter ihm habe sich im Rathaus „die Kultur total geändert“. Dem will er entgegenwirken und seine Kontakte in die Wirtschaft nutzen, in Wunstorf mehr Wohnungsbau auszulösen: „Wir müssen die mitnehmen, die investieren wollen.“ Die Verwaltung sieht er als Dienstleister und erkennt ein Defizit. Nach seinem Eindruck gibt es zu viel Obrigkeitsdenken.
Der Banker ist mit seiner Lagebeurteilung nah bei Pavel. In der Stadt gebe es viele qualifizierte Experten, erklärt der Bürgermeisterkandidat. Deren Potential will er heben: „Wir müssen die Schwarmintelligenz nutzen.“ Dazu dienen soll unter anderem die Idee „Rathaus trifft Stadtgesellschaft“: Im Rathausinnenhof soll es zu einem breit angelegten Gedankenaustausch kommen.
Der Ort sei bestens geeignet, und deshalb wolle er dafür sorgen, dass das große Sonnensegel erneuert und wieder angebracht werde. Pavel beschreibt das als eines der Ziele für die ersten 100 Tage. Zur Kommunikationskultur zählt er auch ein regelmäßiges Forum mit Bauexperten: „Der Bürgermeister bringt die zusammen, die in Wunstorf tatsächlich bauen können.“

Als Betriebswirt, im „Kommunalmanagement der Energiewirtschaft“ und mit vielen Jahren Verantwortung im Rat kenne er Verwaltung, Wirtschaft und kommunale Entscheidungswege aus der Praxis, schreibt Pavel in seinem Ideenpapier. Er will „führen ohne Arroganz“, zuhören, am Ende entscheiden und Ergebnisse sichtbar machen.
Um die Kommunikation zu verbessern, will Pavel das „Rathaus zu den Menschen kommen lassen“: Als Bürgermeister werde er regelmäßig mit Verwaltungsexperten in die Ortsteile gehen, um Anliegen der Bürger, Probleme und Ideen anzusprechen. Innerhalb von zwei Wochen erhalte der Ortsrat eine schriftliche Rückmeldung – auch dann, wenn etwas nicht sofort umgesetzt werden könne.
Ein mobiles Bürgerbüro soll ein Stück Rathaus in die Ortsteile bringen. Mitarbeiter des Bürgerbüros sollen ausgewählte Leistungen direkt im Ort anbieten. Vorbild sei der „Bürgerkoffer“ der Bundesdruckerei, ein mobiles Büro mit Laptop, Scanner, Fingerabdruckleser und sicherer Verbindung. Fertige Dokumente will Pavel als Bürgermeister über ein sicheres Dokumentendepot nach dem Muster der DHL-Packstationen rund um die Uhr bereithalten lassen.
Teil seines Ideenpakets sind zudem eine „Familien-LeihBar“, in der vom Bollerwagen bis zum Beamer Dinge bereitgehalten werden sollen, die nur selten gebraucht werden. Eine „Vereins-Leihbar“ könne, so Pavel, Ausrüstung vorhalten, die nur wenige Male im Jahr genutzt werde. Das ermögliche auch kleinen Organisationen Veranstaltungen, ohne teures Gerät anschaffen zu müssen.
Pavel trägt seine Vorschläge ruhig und sachlich vor. Er formuliert klar, aber behutsam. Kritik an der politischen Konkurrenz kommt in homöopathischen Dosen. Aus seinem Wahlkampfteam ist ihm geraten worden, bei diesem Pressetermin einmal die Boxhandschuhe anzulegen und auszuteilen. Er entscheidet sich offensichtlich dagegen.
Wie immer bei solchen Gelegenheiten ist es wichtig, das zu beachten, was nicht gesagt wird. Der CDU-Kandidat spricht nur einmal ansatzweise von der Jamaika-Konstellation mit Grünen und FDP. Eine spätere Koalition mit den beiden Partner steht nicht auf seiner Agenda, macht er klar. Die Reizthemen Hallenbad und Entschlammung spart er ebenso aus wie die von seinem Rivalen Piellusch ins Spiel gebrachte Rathausreform, bei der die Zahl der Referate auf vier erhöht werden sollte.
„Das ist Unsinn“
Einmal – ganz zum Schluss des Frage-und-Antwort-Spiels – werden die drei noch deutlich: Auf eine Frage aus dem Kreis der Journalisten hin bezeichnen sie eine Äußerung von Piellusch als „Unsinn“. Der SPD-Politiker hatte während seines Pressegesprächs über seine Pläne für die achtjährige Amtszeit unter anderem erklärt, die Initiativen der Kritiker und Gegner der Pläne für die Fußgängerzone würden politisch gesteuert. Piellusch hatte zwar die CDU nicht beim Namen genannt, seine Botschaft war aber nicht misszuverstehen.
Wer die Protagonisten von Bürgerinitiative und Notgemeinschaft kenne, sagt Pavel, der wisse, dass die sich nicht steuern und instrumentalisieren lassen würden. Das stimme „schlichtweg nicht“.
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