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Piellusch mit Überraschung: Hilfsfonds soll Händler und Gastro beim Innenstadtumbau schützen – Bürgerentscheid für Detailplanung vorgeschlagen

21.02.2026 • Achim Süß • 4 Min.Kommentare: 6

In der Debatte um die Fußgängerzonensanierung schlägt der Bürgermeister nun einen eigenen Bürgerentscheid vor: Die Wunstorfer sollen über die Feinplanung der Fußgängerzone abstimmen. Zudem soll für Händler und Gastronomen ein Hilfsfonds aufgelegt werden. Unzulässig ist für Piellusch dagegen der zweite Anlauf der „Freunde der Innenstadt“ für ein Bürgerbegehren.

21.02.2026
Achim Süß
4 Min.
Carsten Piellusch | Foto: Deppe/Dombrowski

Wunstorf (as/red). Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) hat seine überraschenden Vorschläge in einer interfraktionellen Runde am Freitag präsentiert. Nach dem Gespräch veröffentlichte die Stadt eine Erklärung unter der Überschrift „Bürgermeister baut eine Brücke für eine Einigung zum Thema Innenstadtsanierung“.

In Pielluschs Dienstzimmer haben sich danach die Vorsitzenden von SPD, CDU, Grünen und AfD versammelt. Teilgenommen hat auch Klaus Maurer, der einzige FDP-Ratsherr. Nicht präsent war Kerstin Obladen, die Ratsfrau der Freien Wähler. Die Stadtverwaltung bezeichnet den „Austausch“ als konstruktiv und sachorientiert. 

Weiter heißt es: Der Bürgermeister habe zwei Vorschläge unterbreitet. Sein Ziel sei, jetzt einen Kompromiss zu finden, um in der Ratssitzung am Mittwoch, dem 25. Februar 2026, wie vorgesehen einem Büro die Planung der Umgestaltung zu übertragen. Der Auftrag soll auf der Grundlage des städtebaulichen Wettbewerbs im vertraulichen Teil der Sitzung vergeben werden. 

Damit nicht einverstanden sind die Fraktionen von CDU, AfD, FDP-Mann Maurer, Obladen (Freie Wähler) und nach Informationen der Auepost auch Teile der grünen Fraktion. Sie wollen erreichen, dass die Auftragsvergabe verschoben wird. Zu viele Fragen seien ungeklärt. In dieselbe Richtung geht der Versuch der Bürgerinitiative „Freunde der Innenstadt“, mit einem Bürgerbegehren Zeit zu gewinnen.

Dazu Piellusch wörtlich: „Es ist aus meiner Sicht entscheidend, dass zum jetzigen Zeitpunkt ein Planungsbüro beauftragt wird und ein detaillierter Plan für die Innenstadtsanierung unter Einbindung von Arbeitskreis Fußgängerzone und Sanierungsbeirat erarbeitet wird.“ Erst dann gebe es eine Grundlage für eine „verantwortungsvolle und demokratische Entscheidung durch die Bürgerschaft.“

Hilfsfonds für Händler

„Vor dem Hintergrund der anstehenden Innenstadtsanierung ab dem Jahr 2028“ sei in der interfraktionellen Runde „ausführlich über mögliche Belastungen für die ortsansässigen Händlerinnen und Händler diskutiert“ worden. Konkret schlägt der Bürgermeister nach Angaben der Stadtverwaltung Folgendes vor: 

Dem Rat soll „zeitnah“ eine Art Hilfsfonds vorgelegt werden, um Händler und Gastronomen, „falls diese trotz aller Maßnahmen zur Reduzierung von baustellenbedingten Belastungen in die Gefahr einer Insolvenz geraten sollten, finanziell zu unterstützen“. Die Bauphase solle nicht dazu führen, dass inhabergeführte Betriebe aus der Innenstadt verschwinden, erklärt Piellusch: „Hier möchte ich gerne ein Hilfsangebot schaffen.“

„Ratsbürgerentscheid“

Pielluschs zweite Idee sieht einen „Ratsbürgerentscheid“ vor. Spätestens nach der Leistungsphase 4 der geplanten Umgestaltung soll über den Rat ein Bürgerentscheid initiiert werden, um „die Bürgerinnen und Bürger Wunstorfs über das Ergebnis der dann vorliegenden Feinplanung abstimmen zu lassen“. Die Arbeiten von Planungsbüros sind entsprechend ihrer Vergütung in verschiedene Leistungsphasen eingeteilt.

Leistungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure: 
LP1: Grundlagenermittlung
LP2: Vorplanung
LP3: Entwurfsplanung
LP4: Genehmigungsplanung

Die Stadt stellt in der Presseerklärung klar: Der Rat habe am 25. Februar eine Vorlage zur Beauftragung eines Landschaftsplaners mit den Leistungsphasen 1 bis 4 (bis zur Genehmigungsplanung) zur Beschlussfassung auf der Tagesordnung. Eine Beauftragung weiterer Schritte stehe nicht zur Entscheidung an und bedürfe einer neuerlichen Entscheidung des Rates.

Der „kleine Rat“ berät

Was Piellusch den Fraktionen am Freitag überraschend vorgelegt hat, könnte am Montag im Verwaltungsausschuss beraten werden. Dieses Gremium, das der Bürgermeister neuerdings stets den „kleinen Rat“ nennt, tagt vertraulich und bereitet unter anderem die Ratssitzung vor. Ebenfalls überraschend ist am Freitag in der städtischen Übersicht über Sitzungstermine ein außerordentliches Treffen des Verwaltungsausschusses am 25. Februar eine halbe Stunde vor der Ratssitzung angesetzt worden.

Welchen Verlauf die Ratssitzung nimmt, ist derzeit völlig unklar. Nach dem Scheitern der Großen Koalition gibt es keine eindeutige Mehrheit im Rat mehr. Das ist für Piellusch offenbar auch das Motiv, zum interfraktionellen Gespräch zu bitten. Nach dem Aus der Koalition, die sich regelmäßig im „Trialog“ mit dem Verwaltungschef beraten hat, sollen künftig Vertreter von SPD, CDU, Grünen und AfD in regelmäßigen Abständen zusammenkommen. Eingeladen sind auch Maurer und Obladen. 

Bevor die Vorsitzenden am Freitag ihre Fraktionskollegen über Pielluschs Vorschläge informieren konnten, verbreitete die Stadtverwaltung die Ideen bereits über Instagram. Pielluschs Initiative würde, wenn sie wirklich ständig etabliert wird, ein weiteres Instrument für Information und Meinungsbildung darstellen. Maurer und Obladen, die im Verwaltungsausschuss keinen Sitz haben, würde es mehr Mitwirkungsmöglichkeiten einräumen. 

Der Verwaltungsausschuss der Stadt besteht aus neun Ratsmitgliedern, die Beigeordnete genannt werden, und dem Bürgermeister, der den Vorsitz hat. Aktuell entsendet die SPD vier Mandatsträger und die CDU drei. Hinzu kommt eine Vertreterin der Grünen und ein AfD-Ratsmitglied mit Grundmandat. Der Verwaltungsausschuss bereitet die Beschlüsse des Rates vor und koordiniert auch die Arbeit der Fachausschüsse. Der Verwaltungsausschuss entscheidet zum Beispiel Grundstücks-, Vertrags- und Personalangelegenheiten. Die Sitzungen des Verwaltungsausschusses sind immer nichtöffentlich.

Die Vorbereitung der Ratssitzung ist nicht die einzige drängende Aufgabe der Stadtverwaltung in diesen Tagen: Erneut hat das Rathaus geprüft, wie es mit dem Bürgerbegehren der „Freunde der Innenstadt“ weitergeht. Die Bürgerinitiative hat ihren ersten Entwurf nach dem negativen Bescheid aus der Verwaltung zurückgezogen, modifiziert und erneut vorgelegt. Die Stadtverwaltung hat am Freitag mitgeteilt, auch der neue Entwurf sei nicht rechtskonform. Dem Verwaltungsausschuss wird die Ablehnung vorgeschlagen.

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Kommentare


  • Wunstorf Fan sagt:

    Soso, der Herr Bürgermeister möchte einen Hilfsfonds initiieren. Und woher sollen die finanziellen Mittel kommen? Etwa aus unseren Steuergeldern?
    Er möchte also Pannen im Projekt „Sanierung der Fußgängerzone“, somit unzureichendes Baustellencontrolling und andere Nachlässigkeiten seiner Verwaltung mit unseren Steuern ausgleichen? Denn woher soll das Geld sonst kommen?
    Und wer beurteilt eigentlich, ob finanzielle Schwierigkeiten eines Händlers durch die Baustellen ausgelöst wurden oder evtl. ganz andere Ursachen haben? Und ab welcher Größenordnung greift denn so eine „Hilfsleistung“, auf Zuruf oder fundierter Bilanz- und Ursachenanalyse? Die Kompetenz dafür ist doch gar nicht vorhanden. Sorry, nicht mit unseren Steuergeldern!
    Mir wird immer unwohler in dieser Stadt.

  • Wunstorf ist bunt sagt:

    Warum richten die Händler nicht untereinander so einen solidarischen Hilfefonds ein? Wenn die Stadt das (mit Steuergeldern) bezahlen soll, setzt überall automatisch eine Selbstbedienungsmentalität ein und alle wollen direkt was aus dem Topf haben.
    Und wer soll dann noch nein sagen…

  • fred sagt:

    Kauft man sich si WählerInnenstimmen?

  • Birgit sagt:

    Einen Hilfsfond einzusetzen, also eine finanzielle Unterstützung getragen durch staatlichen Stellen, hier wohl kaum von gemeinnützigen Organisationen oder Stiftungen (wie es in KI heißt), um das wiedergutzumachen, was vorab Schaden anrichtete, ist keine Hilfe für Diejenigen, die gerade durch die Schuld Anderer in finanziellen Engpässe gerade erst schlitterten.

    Eine Vorabprävention gleich der Aussage, es wird schon gerichtet, was kaputt geht, eine merkwürdige Denkungsart.

    Hilfsfonds werden eingesetzt für unverschuldet in Not geratenen Personen, Unternehmen oder Regionen. Oft durch Umweltkatastrophen, sozialen Missständen, Krisen.

    Es zeigt doch hier einmal wieder die Absicht, die dahinter steht, nämlich dass von dem eigentlichen Plan der durch die Verwaltung schon beschlossenen Aktionen festgehalten wird.

    Auch interessant, dass die zu bewilligten Hilfen schon jetzt eingeschätzt werden, da hat man ja anscheinend vorher viel vor.

    Die Tendenz, einem kurz vor Brunnenfall stehendem Kinde Hilfe anzubieten, dass man es da auch wieder herausholen wird, ist kein Hilfefond. Es ist eine versuchte Abschleifung der sich mittlerweile bei vielen Bürgern breitgemachte Furcht vor genau den Aktionen, die geplant sind.

    Diese durchzulassen mit der Aussicht auf einen die Schäden wiedergutzumachenden Hilfefond – Nein, danke.

    Betrachtet man die geplanten finanziellen Bereitstellungen der neuen Aktionen und die dadurch entstehenden Kosten, die der dadurch notwendig gewordenen Hilfefond benötigen wird, ist doch eigentlich ein klares Resümee zu ziehen, oder?

  • Anonymus sagt:

    „Frau Obladen war nicht anwesend.“

    Demnächst wird wieder mit Bürgernähe geprahlt und sich zugleich beklagt, nicht eingebunden zu werden.

  • Birgit sagt:

    Hallo, Anonymus, Frau Obladen war sicherlich aus beruflichen Gründen nicht anwesend, Betreuerin und Immobilien(verwalter-)maklerin, wie passend(…).

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