
Steinhude/Wunstorf (as). Auf zwölf Seiten – graphisch ansprechend gestaltet und pointiert formuliert – präsentiert die SPD ihren „politischen Masterplan“. Das Motto lautet: „Unser Meer. Unsere Verantwortung. Unsere Zukunft“. Was in Steinhude von Nils Hoffmann, dem Vorsitzenden der Ortsratsfraktion und Ortsbürgermeisterkandidaten, maßgeblich erarbeitet worden ist, wurde zum gemeinsamen Projekt: SPD-Vorstand und -Stadtratsfraktion stehen dahinter – es ist der Masterplan der SPD Wunstorf.
Erklärtes Ziel ist: Die Stadt soll das Papier aufgreifen, entwickeln, konkretisieren und schrittweise mit klaren Zuständigkeiten, definierten Zeitachsen und regelmäßiger Fortschreibung umsetzen. „Das geht über Steinhude hinaus!“, sagte Martin Ehlerding bei der Vorstellung im Weber- und Fischermuseum. Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion und Ortsbürgermeister von Großenheidorn nannte mehrere Botschaften, die mit dem Plan verbunden seien.
Das Meer stehe im Zentrum aller Überlegungen und Vorschläge. Die Projektsteuerung müsse nachhaltig verbessert werden: Zu viele Institutionen agierten „nebeneinander, nicht miteinander“. Positive Veränderungen seien nur mit den Betroffenen möglich und „nicht mit der Brechstange“. Der Tagestourismus, so Ehlerding, sei „sicher nicht der Kern des Ganzen“.
„Mehr Breite“ müsse das Ziel sein, und für die Winterzeit gelte es, „ganz anders aktiv“ zu werden. „Wir möchten ein Ganzjahreskonzept“, ergänzte Hoffmann. Die Aufenthaltsqualität müsse verbessert werden. Deshalb setze sich die SPD für eine Fußgängerzone ein. „Aber nicht ohne die Menschen, die dort leben und arbeiten“, betonte er.
Ein solcher Bereich sei wichtig, aber „nicht um jeden Preis“, heißt es im Plan. Vorgeschlagen werden verkehrsberuhigte Bereiche entlang von Altem und Neuem Winkel und Graf-Wilhelm-Straße. Das Ziel soll mit Testphasen, Evaluation und intensiver Bürgerbeteiligung erreicht werden. Leitgedanke: „eine starke Mitte für ein starkes Steinhude“.
Die Umgestaltung soll einhergehen mit „verkehrlicher Neuordnung“: Der Besucherverkehr soll frühzeitig „abgefangen“ und das Parken schrittweise an den Ortsrand verlagert werden, um Wohnstraßen zu entlasten. Intelligente Parkraumsteuerung und der Ausbau von Rad- und Fußwegen sind weitere Vorschläge.
Die SPD versteht ihren Plan nicht als starres Instrument. Vielmehr sollen die Schritte flexibel an ökologische und wirtschaftliche Entwicklungen angepasst werden. Mit einem „digitalen Fahrplan“ und „öffentlichen Meilensteinen“ soll der Fortschritt für alle nachvollziehbar sein. Mit „gemeinsamer Governance“ (Steuerungs- und Regelungssystem, Anm. d. Red.) sollen Stadt, Region und Tourismusorganisationen die „Marke Naturpark“ publik machen und fördern.
Für Hoffmann und seine Mitstreiter sind Meer und Steinhude „Naturraum und Wirtschaftsfaktor zugleich“. Das Meer sei essentiell und wichtig – für die gesamte Stadt. Ehlerdings Formel dazu: „Wunstorf ist nix ohne Steinhude!“
SPD-Ortsbürgermeisterkandidat Hoffmann verlangt, die Badeinsel mehr in den Blick zu nehmen: Im Sommer sei der Verkehr im Ort „eine reine Katastrophe“. Um dieses Problem und die übrigen zu lösen, bedürfe es einer Steuerungsgruppe. Hoffmann: „Alle Betroffenen an einen Tisch!“ Dabei gehe es nicht nur um die Verkehrsregelung. „Wir müssen jetzt überlegen, was wir für die Badeinsel brauchen, damit sie ein neuer Magnet werden kann“, so Hoffmann.
Er hat seit Jahresbeginn nach eigenen Angaben mit vielen Betroffenen in Einzelgesprächen Erfolg gehabt und Skepsis überwinden können. Er werde seine Strategie im Ort fortsetzen und sich auch weiter „ganz offen austauschen“.
Auch wenn die Umgestaltung des Ortskerns eine zentrale Rolle im Plan spielt: „Das Meer ist weit mehr als ein Ortsteil von Wunstorf“, ist im Papier zu lesen. Verschlammung, Nährstoffeinträge, Verlandung und zunehmende Nutzungskonflikte: Das seien die Probleme, die das Meer unter Druck setzten und schnelles Handeln verlangten. Der Masterplan geht nach Angaben der SPD über den aktuellen Seeentwicklungsplan II hinaus.
Dieses Dokument habe Lücken: Die Dynamik der Verlandung werde unterschätzt, und die historischen Strömungskanäle, die Deipen, würden in ihrer Bedeutung nicht ausreichend berücksichtigt. Schließlich würden Ökologie, Tourismus und Wirtschaft „nicht ausreichend zusammengedacht“. Ehlerding: „Die Herausforderungen lassen sich nicht getrennt voneinander lösen. Ökologie, Tourismus, Verkehr und Ortskernentwicklung hängen unmittelbar zusammen.“ Steinhude brauche nicht noch weitere Debatten über Einzelprobleme, sondern einen gemeinsamen Fahrplan.
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