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Zwischen Blaupause und Nadelöhr: CDU schippert über den Schlamm

30.08.2022 • Achim Süß • Aufrufe: 598

Wasser und Schlamm sind die Themen der Stunde. Just als in Steinhude die Zusammenarbeit von FDP und CDU zerbricht, begibt sich die Steinhuder CDU auf die geplante traditionelle Bootsfahrt übers Meer. Den sinkenden Wasserstand erfahren die Teilnehmer hautnah, unter ihnen auch Landtagsabgeordneter Sebastian Lechner.

30.08.2022
Achim Süß
Aufrufe: 598
Christiane Schweer mit Bokeloher Abraumhalde. Doch die Probleme liegen nicht am Horizont, sondern im Steinhuder Meer. | Foto: Achim Süß

Steinhude (as). Das Boot ist voll: Seit mehr als 30 Jahren lädt die Steinhuder CDU im Sommer zu einer Partie mit dem Auswanderer ein, aber so viele Mitglieder und geladene Gäste wie diesmal waren es noch nie. Christiane Schweer, Parteivorsitzende und Ortsbürgermeisterin, hat allen Grund, zufrieden zu sein. Dass FDP-Frau Kerstin Obladen am Morgen desselben Tages eine Bombe gezündet und die Zusammenarbeit im Ortsrat Knall auf Fall gekündigt hat, spielt keine Rolle. Im Boot und abends beim Schaumburg-Lippischen Seglerverein e. V. verliert niemand ein Wort darüber. Wasserstand und Schlamm sind die Themen der Stunde.

Rund 36 Zentimeter fehlen

Auf den Baum des Auswanderers gestützt, stimmt Schweer die Gäste ein. Sie hat ihre Notizen von 2018 dabei und sagt, die Daten von damals seien wie eine „Blaupause für 2022“. 35 bis 37 Zentimeter fehlten dem Meer bis zum idealen Wasserstand von 1,23 Meter. Die aktuellen Werte ähnelten gefährlich den dramatischen Tiefständen von 1956. Dass das stimmt, merkt die Runde mehrfach an diesem Abend. Mehr als einmal knirscht es unter dem Boot, weil das Schwert den Grund berührt.

Die Notizen von 2018 passen noch | Foto: Achim Süß

Anders als geplant umrundet der Auswanderer nicht wie üblich den Wilhelmstein. Bootsführer Udo Toffel steuert auf geradem Kurs auf die Dükerstuben in Mardorf zu. Gut 100 Meter vor dem Nordufer dreht er bei und zeigt der Runde, wie groß das zweite Problem neben dem Wasserstand ist: Neben dem Steg kräuselt sich das Meerwasser nicht mehr, von Wellen kann keine Rede sein: Schlamm und Schlick haben die Oberfläche des Meeres erreicht. Der alte Fahrensmann mit dem wettergegerbten Gesicht steht auf und schildert die Lage: „Schauen Sie. Da wachsen Pflanzen aus dem Wasser.“

Udo Toffel | Foto Achim Süß

Im Boot wird es lebendig. Jeder Zweite hat eine eigene Erfahrung beizutragen: Segler wandern ab oder verlegen mit viel Mühe und Körperkraft ihre Boote an andere Stege, die teuren Krananlagen sind kaum noch nutzbar, an der Badeinsel ist ein großes Krautfeld entstanden.

Es geht ums Meer

Mitten im Boot sitzt Sebastian Lechner, Landtagsabgeordneter und Kommunalpolitiker aus Neustadt. Schweer spielt ihm den Ball zu, und Lechner erweist sich als sachkundiger Experte für das Steinhuder Meer. Detailreich erläutert er die diversen Bemühungen auf allen politischen Ebenen, dem größten norddeutschen Flachsee zu helfen. Er berichtet von Hemmnissen und Fehlschlägen ebenso wie von Erfolgen und hoffnungsvollen Perspektiven. 750.000 Euro seien bereitgestellt, so Lechner, um das Meer zu entschlammen. Aber aktuell sei noch keine Deponiefläche gefunden, um den Schlamm aufzubringen. Lechner nennt das „ein kleines Nadelöhr“. Die Masse zu trocknen und die Reste zur Bückeburger Deponie zu transportieren, sei auch keine wirklich gute Lösung. Aber: Viel sei zur Zeit in Bewegung. Wissenschaftliche Untersuchungen sollen belastbare Daten liefern, um langfristige Lösungen zu finden. Der Landtag habe „mit großer Einigkeit“ die Landesregierung aufgefordert, dem Schutz des Meeres Priorität einzuräumen. Erstmals sei ein Steinhuder-Meer-Plan in Arbeit.

Udo Toffel steuert den Auswanderer für die CDU und zeigt die verschlammte Uferstelle | Foto: Achim Süß

Der 41-jährige Volkswirt – auch Generalsekretär der Niedersachsen-CDU – will am 9. Oktober wieder in den Landtag gewählt werden. Das steht bei der Bootsfahrt und dem anschließenden Gespräch im Segelclub aber im Hintergrund. An diesem Abend geht es um das Meer. Die Gäste – die meisten leben seit Jahrzehnten in Steinhude oder Großenheidorn – kennen dessen Eigenheiten aus eigenem Erleben und auch die Höhen und Tiefen politischer Eingriffe und Lenkungsversuche. Lechner sieht sich vielen kritischen Bemerkungen und Fragen ausgesetzt, stellt sich aber, gut informiert, jeder Diskussion.

Für Christiane Schweer und ihre Vorstandskollegen ist es eine erfolgreiche Kahnpartie, die bei Sonnenuntergang im Klubhaus der Segler ausklingt. Das Szenario ist eindrucksvoll, und ein paar Fotoapparate und Mobiltelefone werden gezückt. Von einer möglichen Götterdämmerung für die Ortsbürgermeisterin, die seit ein paar Stunden ohne Mehrheit dasteht, spricht niemand.

von Achim Süß
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Kommentare


  • Basti g. sagt:

    Saugbagger rauf und den naturschlamm ins mardorfer Moor pumpen da ist genug Freifläche und naturschlamm passt in die natur und kann dort begrünt werden

  • Birgit sagt:

    Vielleicht wäre die Fahrt per Hovercraft effizienter gewesen, zumal keine Störfaktoren wie heftige Windboen oder gewaltiger Niederschlag gerade unterwegs waren. Ein Hovercraft ist ein stabiles Fahrzeug und trägt recht viel und geht nicht so schnell zu Grund!

    Und was die Schlammsache angeht: Es ist wertvolles Biomaterial. So sollte bedacht werden, wie man es ökologisch nutzbar verwendet. Zu trocknen und auf eine Deponie zu entsorgen, ist im Zuge der Nachhaltigkeit inakzeptabel.

    Eine anschließende „Sause“ beim Segelverein zu veranstalten, nachdem man die traurige Wahrheit der „doch tatsächlich vorherrschenden“ Dürre infolge Klimawandels zur Kenntnis genommen hat, ist geschmacklos.

  • Georg Braunroth CDU Butteramt sagt:

    Ich habe schon vor 40 Jahren gesagt ,es ist ein Fehler das Moorgebiet Neustadt zur Erdengewinnung abzubauen ,denn das Moor ist der letzte Wasserspeicher fürs Meer. Man könnte ja den Schlamm in die riesigen abgetorften Löcher verbringen, aber der Schlamm ist sehr mit Giftstoffen versetzt und zur Lagerung und Weiternutzung nicht zu brauchen. Er kann nur in ausgewiesenen Sonderdeponien gelagert Werden. Da das Meer ,im Gegensatz zu lange vorgetragenen Expertenmeinungen ,über keine eigenen Quellen verfügt und aus den Moorgebieten auch immer weniger Reserven zufließen können, müßte Wasser zugeführt werden. Meiner Meinung nach könnte aus der Aue bei Auhagen Wasser abgezweigt werden und evtl. über eine teilweise Druckleitung Richtung Hagenburg zur Einspeisung umgeleitet werden. Aber das ist Expertensache. Bei aller ökologischer Bewertung — wir brauchen das Meer auch zur Naherholung ,denn bei allem ökologischem Schutz brauchen wir auch ein wenig Menschenschutz

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