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Mit Barfußschuhen, Sternhimmellampen und ganz eigenen Ideen: Wunstorfs „Lütt & Kleen“ ist Niedersachsens „Lieblingsladen 2025“

19.11.2025 • Daniel Schneider • 5 Min.Kommentare: 0

Ein Wunstorfer Konzeptschuhgeschäft wurde über die Kampagne „Deutschland Kauf Lokal“ zum beliebtesten Laden Niedersachsens gewählt. Ein Schuhladen, der eigentlich gar nicht wie ein typisches Schuhgeschäft aussieht.

19.11.2025
Daniel Schneider
5 Min.
Das Team von Lütt & Kleen mit Bürgermeister und Citymanagerin | Foto: Deppe/Dombrowski

Wunstorf (ds). Wenn man junge Familien mit einem kleinen Schuhkarton aus der Mittelstraße kommen sieht, dann waren sie zuvor meist in einem ganz bestimmten Geschäft: Bei „Lütt & Kleen“. Der Laden, der vor drei Jahren in Wunstorf entstand, ist zur Anlaufstelle für Kinderschuhe in der ganzen Region geworden und lässt Kunden auch von weiter entfernt extra zum Kinderschuhkauf in die Auestadt kommen.

Barfußschuhe sind das Stichwort – und die dazu passende Beratung. Angefangen hatte Lütt & Kleen (plattdeutsch jeweils für „klein“) tatsächlich ganz klein: Ein kleiner Geschäftsraum in der Langen Straße war der erste Standort. Ein Fachgeschäft für Kinderschuhe – insbesondere für Barfußschuhe – sollte es werden. So etwas gab es noch nicht in der Gegend, und auch die Kombination mit Geschenkartikeln und Spielzeug war neu.

Lange blieb man nicht in der Langen Straße. Als der Kleiderladen der Diakonie aus dem Ladengeschäft in der Mittelstraße auszog, zog Lütt & Kleen ein – seit dem Frühjahr 2024 ist man dort vertreten. Inzwischen ist es auch dort fast schon wieder zu eng geworden: Das Konzept des Kinderschuhladens mündete in einer Erfolgsstory.

Auf einmal ist lütt und kleen ganz groß

Anfangs fragte sich mancher in Wunstorf, was der kleine Spezial-Schuhladen denn nun auf dieser großen Fläche in der Mittelstraße wolle, doch die Vergrößerung war die richtige Entscheidung. Auch wenn viele der Kunden zunächst noch am alten Standort suchten, wie Chefin Ninja Schreiber, die den Laden mit ihrem Mann Maik betreibt, im Gespräch mit der Auepost erzählt.

Das große Lütt & Kleen ist inzwischen zu so etwas wie einem Ankergeschäft für die Fußgängerzone geworden, obwohl es nicht einmal direkt in der Fußgängerzone, sondern in einer Parallelstraße liegt: Kunden wollen gezielt dorthin – und schauen bei dieser Gelegenheit auch noch spontan bei anderen Geschäften vorbei.

Die Trophäe im Laden | Foto: Deppe/Dombrowski

Geplant war das nicht, wie Schreiber ebenfalls berichtet: Mit ihrer damaligen Geschäftspartnerin hatte sie einfach nur im kleinen Stil verkaufen wollen. „Wir sind gar nicht mehr so lütt und kleen“, sagt sie nun lächelnd, als sie den Blick über den Laden schweifen lässt. Und auch die Teilnahme bei der Lieblingsladen-Kampagne war nicht geplant – man erfuhr erst davon, als offenbar jemand aus der Kundschaft den Laden vorgeschlagen hatte. Selbst beworben hatte man sich nicht. Man gab dann die Zustimmung zur Nominierung – und stellte sich der Wahl, neben vielen anderen Geschäften aus ganz Deutschland.

Gewonnen

Und man gewann. Mit 16 weiteren Läden – in jedem Bundesland wird ein Sieger bestimmt – darf man sich nun Lieblingsladen 2025 nennen – und ist die Nr. 1 in Niedersachsen geworden. Bürgermeister Carsten Piellusch, der mit Citymanagerin Tanja Berg zur Verleihung gekommen war, überreichte den Preis vor Ort direkt im Laden – im Rahmen der ebenfalls stattfindenden Laden-Geburtstagsfeier anlässlich des 3. Jahrestages am vergangenen Samstag.

Der Bürgermeister gratulierte dem Team zur Auszeichnung und betonte, dass es sich um „keinen kleinen Preis“ handeln würde – hier hätte man in der Nominierungsphase und der Votingphase „mit ganz vielen Geschäften aus ganz Deutschland“ konkurriert. Piellusch sprach auch an, dass es sich im „Wohlfühlladen“ eben nicht um „Gedöns“ handeln würde, wie sich der Laden selbst ironisch beschreibt, sondern dass hier professionell beraten würde. Der Verweis auf die Wand, an der die Zertifikate hängen, die den einzelnen Ladenmitarbeitern die entsprechende Kenntnis bescheinigen, fehlte nicht.

Carsten Piellusch (li.) gratuliert nach Überreichung des Awards an Ninja und Maik Schreiber | Foto: Deppe/Dombrowski

„Wir freuen uns auch richtig doll“, konnte Ninja Schreiber da nur bestätigend erwidern. Piellusch, dessen Kinder aus dem Kinderschuhalter längst herausgewachsen sind, hatte sichtlich Spaß im Laden – und nutzte den Termin, um sich direkt eine Sternenhimmellampe zum Geburtstagsangebotspreis zu kaufen.

Vor lauter Ehrung vergaß das Team, gemeinsam auf die Auszeichnung anzustoßen – und weil schon wieder jede Menge Kunden im Laden waren. Das wurde dann schnell noch nachgeholt, als die meisten Ehrengäste schon wieder gegangen waren. „Habt ihr toll gemacht“, so das spontane Lob dabei von Ninja Schreiber ans Team. Das ist mittlerweile auf 12 Personen angewachsen.

Das Konzept

Das Konzept ist ganz persönlich geblieben: Denn wie ein Schuhladen wirkt Lütt & Kleen eigentlich gar nicht, obwohl sich überall die kleinen Schuhe türmen. Eine Mischung aus Eltern-Café, Spielzeugladen, Kinderspielplatz, Einrichtungshaus und Geschenkeshop – und überall dazwischen Kinderschuhe. So könnte man es grob beschreiben. Das gehört zur Idee: Man soll nicht einfach nur Schuhe kaufen, sondern sich aufhalten, in Ruhe entdecken können. Kinder stören dabei nicht, sondern werden mit eingebaut. Beliebt sind die Miniroller, auf denen die Kleinen zwischen den Regalen herumsausen.

Anstoßen auf den Erfolg | Foto: Deppe/Dombrowski

Ungewöhnlich, aber pragmatisch ist auch das Beratungskonzept, mit dem man gleich am Eingang konfrontiert ist: Man zieht eine Nummer wie beim Arbeitsamt, im Bürgerbüro oder an der Fleischbedienungstheke, kann sich dann im Laden umsehen – und wird schließlich entsprechend der gezogenen Nummer nach einer Weile angesprochen für ein Verkaufsgespräch. Das wird gemacht, um auch wirklich für jeden angemessen Zeit zu haben, damit jeder eine gleichwertige Beratung bekommt. Schuh- und Laufberatung gehören dazu und sind gerade beim Barfußschuhkauf wichtig.

Barfußschuh-Irrtümer

Mit Zehenschuhen, den sogenannten „Fivefingers“, bei denen die einzelnen Zehen erkennbar werden und die manche mit Barfußschuhen assoziieren, haben die Schuhe dabei nichts zu tun. Zehenschuhe gibt es gar nicht im Sortiment von Lütt & Kleen. Die Barfußschuhe sehen aus wie „normale“ Schuhe, ermöglichen jedoch ein Gehen, das barfußähnlich ist: Flacher, ohne Absatz, mit weicherer Sohle und viel Platz für die Zehen. Der Trend dazu begann vor einigen Jahren in Deutschland vor allem für Kinderschuhe, inzwischen hat man aber auch Barfußschuhe für Erwachsene im Sortiment.

Die Leute würden sehr darauf achten, dass die Sohle besonders biegsam sei, sagt Ninja Schreiber und führt vor, wie man den Schuh einmal „rollt“, um die gewünschte Elastizität der Sohle zu testen. Das habe sich durch eine Influencerin so verbreitet, inzwischen würden alle diesen „Test“ machen. Über die Schuhqualität sage das allein aber noch nichts aus, deutet sie an und erklärt, worauf man beim Umstieg oder Einstieg in die Barfußschuhwelt achten muss. Denn wer bislang klassisches Schuhwerk gewohnt war, der braucht durchaus etwas Eingewöhnung. Das Laufen verändert sich, andere Muskeln werden beansprucht. Das alles gehört mit in die Beratung beim Ladenbesuch.

Die bundesweite Mitmach-Aktion „Deutschland sucht den Lieblingsladen“ der Initiative "Deutschland Kauf Lokal" lief bis zum 20. Oktober 2025: Shoppingfans aus ganz Deutschland konnten für ihren Lieblingsladen online abstimmen. Am 15.11.2025 wurden die „Kauf-Lokal“-Awards zum „Lieblingsladen 2025“ deutschlandweit vergeben.

Der derzeit beliebteste Artikel im Geschäft hat interessanterweise jedoch gar nichts zu tun mit Kinderschuhen oder Geschenkartikeln. Es ist ein Rutschauto, ein kleines Dreirad, das sich mit einem Handgriff auch in einen Tretroller verwandeln lässt.

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