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Softeis für Kolenfeld

13.08.2025 • Daniel Schneider • 5 Min.Kommentare: 0

In Kolenfeld ist eine Firma nebenbei unter die Eisverkäufer gegangen. Direkt am Geschäftssitz von „dreist“ gibt es nun 24 Stunden am Tag für alle Softeis am SB-Automaten. Nur Polizisten und Müllmänner im Dienst könnten Schwierigkeiten bekommen.

13.08.2025
Daniel Schneider
5 Min.
Agenturchef Sören Schnepel mit Softeis | Fotos: Daniel Schneider

Kolenfeld (ds). Seit dem Frühjahr steht ein neues Holzhäuschen an der L403 in Kolenfeld. Gegenüber der Tankstelle im Ort, an der Strecke von der Autobahn Richtung Haste, fast direkt am Straßenrand. Als es gebaut wurde, schossen direkt die Gerüchte durch den Ort: Was soll das werden? Ein Zoll-Häuschen? Wird die Ortseinfahrt jetzt mautpflichtig?

Schnell stellte sich heraus, dass die Sorgen der Verkehrsteilnehmer unbegründet waren – es wurde lediglich ein Verkaufsautomat aufgestellt. Das Häuschen ist Wetterschutz für den Automaten. Die örtliche Werbeagentur „dreist“ war unter die Eisverkäufer gegangen.

Die Auepost wollte wissen: Ist das jetzt ergänzende Geschäftsidee zum angestammten Business, Werbemaßnahme für sich selbst oder eher ein Dienst an der Ortsgemeinschaft? Firmenchef Sören Schnepel bejaht Letzteres. Er habe nichts dagegen, wenn der Automat in Zukunft auch ein paar Euro abwerfen würde, aber neues Standbein soll der Eisverkauf nicht werden.

Warum Eis am Ortsrand?

Im Grunde entstand die Idee aus einem alten Gag heraus. Wenn die Autobahn dicht sei, würden alle genau dort vorbeifahren auf der Umleitungsstrecke – da müsste man doch eigentlich etwas wie eine Bratwurstbude hinstellen, so die wiederkehrende Überlegung. Nun sei es eben ein Eisautomat geworden. „Was für eine bescheuerte Idee“, lacht der Unternehmer selbstironisch.

Aber sie wird gut angenommen im Ort – und die Verkaufszahlen gehen wirklich nach oben, wenn sich die Fahrzeuge auf der Ortsdurchfahrt stauen. Auch an Wochenenden ist der Automat gefragt, und sogar Nachtschwärmer ziehen sich nicht selten um 3 Uhr morgens in der Dunkelheit auch noch ein Softeis.

Waffelschacht im Automaten

Schnepel selbst räumt ein, dass beim Thema Softeis viele erst einmal direkt an Infektionsgefahr denken würden – „uaah, Salmonellen!“. Das sei jedoch unbegründet. Verwendet werde ein industriell hergestellter fertiger Eismix, der pasteurisiert sei – und zusätzlich pasteurisiere der Automat selbst auch noch. Alle vier Wochen werde zudem händisch alles abgelassen und das System grundgereinigt. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Sorte gewechselt. Grundsorte ist immer Vanille, dazu gibt es im Wechsel Schoko und Erdbeer.

Im Ort weiß es natürlich jeder, wer dahintersteckt, die im eigenen Hause designte Beklebung verrät es ebenso, aber darüber hinaus hat Schnepel sogar wenig Interesse daran, dass der Automat mit der Agentur in Verbindung gebracht wird. Die Geschäftskunden der Agentur sollen sich nicht wundern, warum da auch Eis verkauft wird.

Schokovanilleerdbeer

Auch Geld verdient wird damit erst einmal nicht, tatsächlich hat man zunächst einmal ordentlich investieren müssen. Die meisten würden die Kosten des Automaten auf 5.000 bis 6.000 Euro schätzen, erzählt Schnepel. Dabei waren es „eher so 30.000“. Starkstromanschluss und Wartung gehören auch dazu. Für die Kunden kostet der Spaß 2 Euro, das verlangt der Automat für eine Softeisportion. Dass das manche zu teuer finden, weiß Schnepel, aber um kostendeckend arbeiten zu können, müssten es 2 Euro sein. Dafür werde aber auch die gesamte Eiswaffel bis zum Boden gefüllt.

Der Automat am Straßenrand

Wie viele Eistüten müssen verkauft werden, bis sich der Automat amortisiert hat? „19.325“, sagt der Neueisverkaufsautomatenbetreiber wie aus der Pistole geschossen. „Das sagt zumindest der Hersteller“, grinst Schnepel. Das dürfte noch etwas dauern – in etwa zwei Jahren soll zumindest der Automat abbezahlt sein, hofft er. Funfact: Schnepel persönlich hatte zuvor tatsächlich noch nie ein Softeis gegessen. Erst jetzt als Automatenbesitzer ist er auch auf den Geschmack gekommen.

Kein Eis für Polizisten und Müllmänner

Die Eistüten sind das Einzige, was am Automat manuell bedient werden muss. Nach Bezahlung wird eine Eiswaffel – manchmal auch zwei – in den Ausgabeschacht ausgegeben. Dort muss man sie dann herausnehmen und in den Eisausgabeschacht einsetzen. Dafür gibt es dort eine Halterung. Danach geht alles automatisch weiter: Die Waffel wird zum Auslass geführt und befüllt.

Eine bestimmte Geschmacksrichtung wählen kann man am Automaten nicht, es ist immer eine Sorte fest vorgegeben: Die beiden jeweils aktuellen Eissorten kommen je zur Hälfte in die Tüte. Man müsse bei den Mainstream-Sorten bleiben, um möglichst auch alle irgendwie zu erreichen. Mit Pistazie komme man nicht weit, erklärt Schnepel.

Innenleben des Ausgabebereichs
In die Halterung wird die Waffel gesteckt, der Rest funktioniert dann automatisch – sofern der Sensor im Hintergrund mitspielt

Nur Polizisten und Müllmänner bekommen manchmal kein Eis. Das liegt nicht an den Berufsgruppen, sondern an deren Kleidung – in Verbindung mit dem Sensor am Automaten-Ausgabeschacht. Der prüft nämlich, ob sich auch eine Eiswaffel in der Halterung befindet, bevor der Eiseinfüllprozess in Gang gesetzt wird. Befindet sich jedoch im selben Moment ein Reflexstreifen auf Höhe des Sensors, wie ihn Polizeiuniformen und Müllwerkerkleidung normalerweise haben, dann stört das die Erkennung – und die Eiswaffel bleibt ungefüllt. Kleidung ablegen oder verdecken hilft in diesen Fällen. Sich entkleidende Beamte wurden vor dem Automaten bislang jedoch noch nicht beobachtet.

Bei Reklamationen sei man sehr kulant, verspricht der Firmenchef. Dann gebe es das Geld zurück – und ein Gratis-Eis noch dazu. Bezahlt werden kann bar oder mit Karte. Rückgeld wird nicht ausgegeben.

Als die Entscheidung anstand, ob man den Automaten nur mit Münzeinwurf oder auch mit bargeldloser Funktion nimmt, hat man letztlich beides genommen. Die Bargeldfunktion war von vornherein gesetzt, denn Kinder haben selten eine EC-Karte dabei.

Bargeld lacht

Doch die Entscheidung wird inzwischen etwas bedauert. „Wir haben ihn unglücklicherweise auch mit Kartenzahlung genommen“, sagt Schnepel. Denn die Kartenzahlung führt immer mal wieder zu Verwirrung. Ein richtiges Kartendisplay gibt es dazu nämlich nicht, und man kann deshalb nicht erkennen, wenn es Fehler bei der Kartentransaktion gibt. Was viele beispielsweise nicht wüssten: Mit Karte könne man fünfmal am Tag kontaktlos bezahlen, danach müsse man die PIN eingeben. Wenn man aber zufällig beim sechsten Mal am Kolenfelder Softeisautomaten steht, dann sagt einem das die Maschine nicht – und man fühlt sich plötzlich genau wie ein Polizist oder Müllmann.

Als Erster war der Ortsbürgermeister, der den Automaten ausprobieren wollte, allerdings auf die Bargeldfunktion hereingefallen, erzählt Schnepel: Daran sei man aber selbst schuld gewesen, weil man am Anfang vergessen hatte, das Preisschild mit dem genauen Preis anzubringen. Der Bürgermeister warf einen Euro ein – und nichts passierte, weil der Automat auf den zweiten Euro wartete, es aber nicht melden konnte. Der nächste Eisinteressent freute sich. Denn der bekam – auf Kosten des Bürgermeisters – dann sein Eis für nur einen Euro.

Der Automat wird mit zwei Eissortenmischungen befüllt

„Das Beste ist eigentlich Bargeld“, kommentiert es Schnepel, obwohl ihm auch das Sorgen bereitet. Den Aufwand, das ganze Kleingeld wieder in den Kontokreislauf zu bekommen, hat er unterschätzt. Nicht, weil es so viele Münzen wären, sondern weil die Banken so hohe Gebühren dafür nehmen. Wartung und Service machen sie bei „dreist“ selbst – nur bei einem technischen Defekt muss im schlimmsten Fall ein Techniker anrücken.

Zwischen Mitte März und Ende Oktober soll der Automat nun in Kolenfeld immer in Betrieb sein, dann wird er zur Winterruhe hereingeholt. Eisautomaten sind in der Tat nicht frostsicher. Hat Schnepel wegen des Bargelds Angst vor Automatensprengern? „Nein“, lautet die Antwort. Das Geldfach werde täglich geleert, und man habe den Automaten direkt vorm Firmensitz auch gut im Blick.

Was Schnepel nicht bedacht hatte, ist jedoch, dass er mit dem Angebot nun auch noch weitere Begehrlichkeiten im Ort geweckt hat. So wurde er bereits aus der Nachbarschaft angesprochen: „Kannst du nicht auch noch einen Pommesautomaten danebenstellen?“

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