Die Müllmänner

Friedlies trifft … Jürgen Matschina und Wilhelm Cordes

Seit über 28 Jahren sammelt Jürgen Matschina zusammen mit 3 weiteren Kollegen vom Baubetriebshof den Müll in Wunstorf ein. Aus Büschen, aus Grünanlagen, vom Straßenrand und natürlich auch aus den öffentlichen Papierkörben.

Jürgen Matschina und Wilhelm Cordes
Jürgen Matschina und Wilhelm Cordes vom Baubetriebshof der Stadt Wunstorf. | Foto. Friedlies Reschke

Jährlich fallen etwa 300.000 kg öffentlicher Müll in Wunstorf an. Wenn ich das auf die Einwohnerzahl von 42.000 umrechne, sind das 7,15 kg pro Person im Jahr. Dazu kommt noch der Hausmüll, der von Aha und Remondis abgeholt wird. Und es wird jährlich mehr Müll. Jürgen Matschina und seine Kollegen sind täglich im Einsatz – wirklich täglich. Von den 365 Tagen im Jahr wird nur an einem Tag kein Müll eingesammelt: am Neujahrsmorgen. „Ich will den Bürgern die Chance geben, nach dem Ausschlafen selbst noch den Müll von der Silvesternacht einzusammeln“, erklärt der Leiter des Baubetriebshofs, Wilhelm Cordes. An jedem Wochenende werden die Papierkörbe geleert und der wilde Müll in der „schönsten Innenstadt der Region“ und in Steinhude eingesammelt.

„Wenn jeder Wunstorfer ein einziges Taschentuch wegwirft, ergibt das 102 kg Taschentuch-Müll“

Ich bin über die Menge schockiert und habe mal gerechnet: Ein Papiertaschentuch wiegt 2,43 Gramm. Wenn jeder Wunstorfer ein einziges Taschentuch wegwirft, ergibt das 102 kg Taschentuch-Müll – und ein Papiertaschentuch braucht 5 Jahre zum verrotten! Ein Zigarettenfilter braucht übrigens 7 Jahre (einige Quellen sprechen sogar von 15 Jahren). Dabei kann nur eine achtlos weggeworfene Kippe schon 40 Liter (oder auch mehr) Grundwasser verseuchen.

Müll im Meer
Zersetzungszeit von Abfall im Meer. | Quelle: NABU

Ertrinkende Mini-Vögel

Flaschen, Plastiktüren, Essensreste, Papiertüten, aber auch ganze Schlafzimmer finden Matschina und seine Kollegen in der Natur. Und nicht nur, dass so die Natur verschandelt wird – viele Tiere, insbesondere Vögel, leiden sehr unter dem Müll. Sie nutzen Plastik oder auch Zigarettenkippen zum Nestbau. Sie wissen ja nicht, dass Plastik im Gegensatz zu Blättern, Zweigen, Tierhaaren, Gräsern und Moos nicht wärmt. Zudem ist Plastik nicht regendurchlässig, so dass die Nester überflutet werden und die Eier oder die Mini-Vögel nicht überleben können.

Atommüll und Leichen

Auf meine Frage, wo denn besonders viel Müll anfällt, nannten mir beide auch sofort einige Ecken und Straßenzüge. Dort finden Gespräche mit Vermietern und Mietern statt, um das Problem besser in den Griff zu bekommen. Und wenn Sturm und der Abholtermin auf einen Tag fällt, dann ist der wilde Müll gleichmäßig in der ganzen Stadt verteilt.

„Warum stellen die Wunstorfer ihre gelben Säcke schon am Nachmittag vor dem Abholtag raus?“, fragt sich Jürgen Matschina. Die dünnen gelben Säcke samt Inhalt sind nicht dafür gedacht, vom Wind durch die Gegend gepustet zu werden. Die Säcke platzen, und der Müll liegt auf der Straße und wird vom Wind weiterverteilt. Und ist ein Sack erst mal geplatzt, dann fühlt sich auch niemand mehr dafür zuständig. Gleiches gilt auch für die schwarzen Säcke, die ja nur alle zwei Wochen abgeholt werden. Natürlich kann jeder mal den Abholtermin verwechseln – aber dann sollte es doch ein Leichtes sein, den Sack auch wieder bis zur nächsten Woche unterzustellen.

„Warum stellen die Wunstorfer ihre gelben Säcke schon am Nachmittag vor dem Abholtag raus?“Jürgen Matschina

Mehrfach in der Woche werden auch die Glas- und Papiersammelstellen angefahren. Oft steht dort normaler Hausmüll vor den Containern. Auf meine Frage, warum die Einwurfsöffnung der Papiercontainer so klein sei, bekam ich eine einfache Antwort: Als die Öffnungen größer waren, wurde alles in den Containern entsorgt. „Außer Atommüll und Leichen haben wir schon alles in den Papiercontainern gefunden“, erklärt mir Cordes.

Pfandflaschen und Dosen

Aber eines findet Matschina immer weniger: Pfandflaschen und Dosen. Diese werden doch tatsächlich eingesammelt. Seine Idee: Pfand auf alle Getränkeflaschen.

Es gibt auch Positives: Einige Wunstorfer sammeln in ihren eigenen Wohngebieten regelmäßig den Müll ein. Wer auch mithelfen will, dass unsere Stadt sauberer wird – ich vermittele gern den Kontakt zum Baubetriebshof. Und am 9. März bei „Wunstorf swingt den Besen“ mitzumachen ist doch wohl Ehrensache!

Nun war ich so schockiert von den ganzen Müllgeschichten aus Wunstorf, dass ich glatt vergessen habe, was Jürgen Matschina und Wilhelm Cordes in ihrer Freizeit machen. Aber das wird nachgeholt.

 

Was ist Wunstorf für Jürgen Matschina und Wilhelm Cordes?

W – Wasserzucht
U – Umgehungsstraße
N – Naturerlebnisbad
S – Steinhuder Meer
T – Tienberg
O – Ortsbürgermeister
R – Rathaus
F – Fliegerhorst

Sie kennen auch jemanden, den ich mal vorstellen sollte? Der oder die in Wunstorf aktiv ist? Dann bitte eine E-Mail an mich: reschke@auepost.de

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4 Kommentare
  1. Basti g. meint

    Gut das tempos und Papier sich fast spurlos auflösen ! Schlimm sind diese spraydosen unter der hochstrasse rumfliegen (Tunnel hindenburgstr) die vergammeln nicht und die Fußgänger stolpern im Dunkeln drüber !

    1. friedlies reschke meint

      Das ist leider ein Irrtum. Ein Papiertaschentuch braucht ca 5 Jahre zum verrotten. Papier ungefähr genauso lange

      1. Basti g. meint

        Ok das wusste ich nicht ! Habe gestern Herrn matschina gesehen wie immer fleißig er berichtete mir das es mit dem Müll in und um Wunstorf immer mehr wird echt traurig so was

        1. Reschke Friedlies meint

          Das wissen leider die meisten nicht. Auch ist es ein Irrglaube, dass Papiertüten besser sind…. Am besten wäre es: Müll vermeiden

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