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Ein schwieriges Jahr für die Wunstorfer Bäume

12.11.2022 • Daniel Schneider • 3 Min.Kommentare: 0

Wunstorf wird zugepflastert – mit Bäumen. Der Ortsrat hat in den zurückliegenden Jahrzehnten schon so viele Gehölze angepflanzt, dass allmählich die geeigneten Flächen zur Neige gehen. Der vorhandene Baumbestand hatte unterdessen kein leichtes Jahr – manche beliebte Baumarten werden langfristig wohl verschwinden.

12.11.2022
Daniel Schneider
3 Min.
Baumpflanzaktion 2022: Ortsratsmitglieder und städtische Mitarbeiter an der Fährstraße | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). „Wollt ihr jemanden beerdigen?“, lachte ein vorbeifahrender Radfahrer angesichts der vielen Leute mit Schaufeln auf dem Feldweg am Rande der Kernstadt. Aber es war nur der Ortsrat, und es kam nur etwas in, nicht unter die Erde. Nicht erst seit der Klimawandel zum Topthema geworden ist, sondern bereits aus alter Tradition sind die Mitglieder des Wunstorfer Ortsrates aktiv: Seit Jahrzehnten werden in der Kernstadt jedes Jahr wieder neue Bäume für die Öffentlichkeit gepflanzt, wo zuvor noch keine gestanden hatten – der jährliche Termin steht parteiübergreifend fest im Kalender der Lokalpolitiker. Am Ende der Fährstraße, hinter der Kleingartenkolonie im Westen der Kernstadt, wurde diesmal eine weitere Baumreihe gepflanzt.

Sechs neue Bäume kamen in die Erde: zwei Linden, zwei Hainbuchen und zwei Feldahorne. Mancher der Politiker hatte neben festem Schuhwerk bereits einen Spaten dabei, andere bewiesen, dass auch ein schicker Bürodress keinen Hinderungsgrund darstellt, Erdarbeiten auszuführen. Unterstützung kam von der Stadt: Franz Kühnen vom Baubetriebshof hatte weitere Schaufeln im Gepäck, und Simon Schlüter von der Bauverwaltung kam gleich in Begleitung des Nachwuchses, der ebenfalls beim Baumpflanzen mithalf.

„irgendwie ist das anders als sonst“

Franz Kühnen

Ortsbürgermeister Thomas Silbermann betonte die Wichtigkeit des Bäumepflanzens, sagte aber auch: „Wir wissen bald schon nicht mehr, wohin“ – an fast allen der möglichen Stellen war man schon einmal gewesen. Denn Bäume brauchten auch Platz, es habe keinen Sinn, „alle 3 Meter“ einen Baum zu pflanzen, klärte Kühnen auf. Dass manche Bäume in ein Meter breiten Verkehrsinseln überlebten, sei fast ein Wunder.

Baum-Experte: Shih-Tzu-Rüde Kerberos, stetiger Begleiter von Ortsratsmitglied Alexandra Schimpf, überwacht die Arbeiten | Foto: Daniel Schneider

Aber nicht nur das Platzangebot ist wichtig für die Baumentwicklung, auch die Temperatur und Niederschlagsmenge: „Irgendwie ist das anders als sonst“, nahm Kühnen Bezug auf das sehr warme und trockene Wetter in diesem Jahr. Der stellvertretende Baubetriebshofchef glaubt „so langsam nicht mehr“, dass es sich dabei noch um eine Ausnahme handelt.

Der Klimawandel verändert auch das Baumangebot

Auch die richtigen Baumarten auszuwählen ist nicht immer leicht. Dabei wandelten sich die Arten, die sich in Wunstorf wohlfühlen, allmählich. Kastanienbäume werde es in der Zukunft wohl weniger geben in Wunstorf, so die Prognose von Kühnen. „Das wird nichts mehr.“ Ahorn- und Ginkgobäume, die man sonst früher eher aus dem Mittelmeerraum kannte, werden nun in der Auestadt heimisch und kämen „besser klar“. Innerorts müsse man sich künftig genau überlegen, welche Art von Baum man pflanze. Die typischen „heimischen Arten“ hätten es inzwischen schwer.

Sechs neue Bäume wurden am Feldweg unweit der Westaue in den Boden gebracht | Foto: Daniel Schneider
Ortsbürgermeister Silbermann organisiert Schaufelnachschub | Foto: Daniel Schneider
Sozialliberale Allianz: Majid Atris (re.), Dr. Robert Conrad und Klaus-Jürgen Maurer (vorn) sorgen für Halt im Boden | Foto: Daniel Schneider

Trockenheit setzt den Bäumen zu

Der Baubetriebshof tat in diesem Jahr alles, um den Wunstorfer Baumbestand gut durch die Trockenheit zu bringen: Fortlaufend wurde im Stadtgebiet bewässert, man nahm sogar externes Personal hinzu, um die Aufgabe zu bewältigen. Mit Erfolg: Alle Bäume kamen gut über die Trockenheit – nur acht Eichen überlebten nicht, allerdings aufgrund von Schädlingsbefall. Auch an der nahen Kommandeursallee, wo jeder Schützenfestkommandeur traditionell einen Baum stiftet, sind zuletzt Bäume verloren gegangen – jedoch aus unklarer Ursache. Möglicherweise sind auch hier Schädlinge verantwortlich. Die fehlenden Bäume in der Allee sollen nachgepflanzt werden.

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