
Wunstorf (red). Im vergangenen Jahr vergab die Auepost den inoffiziellen Titel „Wunstorfs zugebauteste Straße“: Im Bereich „Am Hasenpfahl“ wurde straßenverkehrstechnisch, abgesehen von der Nordumgehung, so viel saniert und neu gebaut wie sonst kaum irgendwo in der Stadt.
Bushaltestellen wurden verbessert, Mini-Verkehrsinseln in den Stichstraßen für besseren Fußgängerschutz errichtet und natürlich der berühmt–berüchtigte Barne-Kreisel fertiggestellt. Auch ein Tempo-30-Abschnitt wurde neu geschaffen, wo zuvor 50 km/h Höchstgeschwindigkeit galt.
Die größten Baumaßnahmen auf der Straße Am Hasenpfahl selbst sind jedoch der Rückbau der klassischen Dreiecks-Einmündungen, die bisher typisch waren für das Barneviertel. Diese Verkehrsführungen aus vergangenen Zeiten, die auch als „Y-Kreuzungen“ bekannt sind, waren einst das Nonplusultra für einen sicheren und umweltschonenden Straßenverkehr, entsprechen aber nicht mehr dem heutigen Stand im Straßenbau und werden nach und nach durch normale Einmündungen ersetzt.
Ziel ist dabei wiederum vor allem, mehr Schutz für Fußgänger zu schaffen, denn falsch oder unsicher fahrende Autos gefährden Passanten. Diese bekommen mit den Umbauten kürzere Überwege und mehr Platz auf den Gehwegen, wenn für Autos nur noch eine statt zwei Fahrbahnen vorgesehen ist. Die Ortspolitik hatte sich nach dem „Fußverkehrscheck“ als eine der Sofortmaßnahmen für diese Umbaumaßnahmen entschieden.
Nachdem bereits entsprechende Kreuzungen umgebaut wurden, geht es nun weiter mit dem nächsten Abschnitt: Die Kreuzung an der Ludwig-Richter-Straße wird zurückgebaut. Ab Montag, den 3. August 2026, wird dort mit den vorbereitenden Bauarbeiten begonnen.
Zunächst muss eine Wasserleitung umgelegt werden, um den darunter liegenden maroden Regenwasserkanal zu erneuern. Im Anschluss finden unter einer Vollsperrung Kanalbauarbeiten statt. Abgesehen von einer zwischenzeitlichen Vollsperrung der Straße Am Hasenpfahl wird eine halbseitige Sperrung eingerichtet.
Die Erreichbarkeit der Ludwig-Richter-Straße vom Hasenpfahl aus ist während der Baumaßnahmen nicht möglich. Anlieger müssen die Querverbindung zur parallelen Matthias-Grünewald-Straße nutzen.
Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Nach dem Umbau wird die Y-Kreuzung verschwunden und eine übliche Einmündung entstanden sein. Damit soll dann auch die gegenüberliegende Bushaltestelle „Deisterweg“ für Fußgänger barrierefrei erreichbar werden.
Mehr Schutz für Fußgänger???
Ich wohne Am Hasenpfahl und erlebe bald täglich, daß es durch die Baumaßnahmen zu viel mehr gefährlichen Situationen kommt.
Aber wie immer erst muss etwas passieren.
Auch der Rückbau der Y-Strassen und diese sog. Miniverkehrsinseln haben die Sicherheit nicht erhöht sondern mehr Unsicherheit und Gefahren für alle Verkehrsteilnehmer besonders den Fußgängern gebracht.
Wenn so etwas das Ergebnis eines „Fußverkehrschecks“ ist, sollte man doch die Zeit für sinnvollere Dinge
nutzen.
Über den Barne -Kreisel und den den Barne-Platz kann man nur den Kopf schütteln und sich wundern.
Was bedeutet hier eigentlich „zeitgemäß“?
Im Artikel wird behauptet, der Rückbau der Y-Einmündung diene vor allem dem Fußgängerschutz. Genannt werden kürzere Überwege, mehr Gehwegfläche und eine bessere Erreichbarkeit der Bushaltestelle. Was jedoch fehlt, ist die Beschreibung des konkreten Problems: Gab es dort Unfälle, dokumentierte Gefahrensituationen, Geschwindigkeitsmessungen oder Beschwerden von Fußgängern? Oder gilt die Einmündung allein deshalb als problematisch, weil sie nicht mehr der gegenwärtigen Planungsmode entspricht?
Wie passt dazu, dass die frühere Fußgängerampel am Barneplatz vor dem Barnekreisel abgebaut wurde? Dort gab es eine eindeutige und technisch gesicherte Querungsmöglichkeit. An anderer Stelle wird nun mit erheblichem baulichem Aufwand angeblich wieder eine „Verbesserung“ für Fußgänger geschaffen. Eine nachvollziehbare Gesamtstrategie ist darin kaum zu erkennen.
Ähnlich fragwürdig erscheinen die sogenannten Gehwegnasen und Mini-Verkehrsinseln in den Stichstraßen. Sie sollten Fußgängern mehr Orientierung ermöglichen und gleichzeitig Autos abbremsen. In der Praxis zwingen solche Einbauten Fußgänger jedoch teilweise in künstliche Zickzackwege, während Autos die Engstelle wie durch eine Düse passieren. Der Fußgänger muss stärker auf Kanten, Richtungswechsel und die bauliche Schikane achten, statt sich auf den Verkehr konzentrieren zu können. Eine Maßnahme wird nicht allein dadurch fußgängerfreundlich, dass sie so bezeichnet wird.
Die notwendige Kanalsanierung mag die gegenwärtige Baustelle und zeitweilige Sperrungen technisch erklären. Das beantwortet aber nicht, weshalb anschließend auch die bisherige Einmündungsgeometrie beseitigt werden muss.
Bei den zahlreichen Umbauten am Hasenpfahl entsteht zunehmend der Eindruck, dass zunächst lange Sperrungen, Behinderungen und neue bauliche Eingriffe erzeugt werden und anschließend eine Lösung präsentiert wird, ohne dass vorher nachvollziehbar erklärt wurde, welches konkrete Problem diese Lösung eigentlich beseitigen soll. Teilweise scheinen dadurch sogar neue Probleme zu entstehen.
Bevor erneut gebaut, gesperrt und umgestaltet wird, sollte die Stadt daher offenlegen: Welches konkrete Problem bestand vorher? Welche Unfälle oder Gefahrensituationen sind dokumentiert? Was kostet der Umbau? Welche Alternativen wurden geprüft? Und woran soll nachher gemessen werden, ob die Situation für Fußgänger tatsächlich besser geworden ist?
Anderenfalls bleibt „zeitgemäß“ lediglich ein Schlagwort für Maßnahmen, deren Nutzen behauptet, aber nicht nachgewiesen wird.