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Brücken statt Gräben: Zum Tod von Helga Bode

15.04.2023 • Achim Süß • Aufrufe: 1055

Im Alter von 97 Jahren ist Helga Bode gestorben. Sie war die erste Ortsbürgermeisterin Großenheidorns. Die heutigen Zeichen des Ortes gehen mit auf ihren Entwurf zurück.

15.04.2023
Achim Süß
Aufrufe: 1055
Helga Bode | Foto: privat/Hans Schettlinger

Mit Helga Bode ist eine der Persönlichkeiten gestorben, die nach der Gebietsreform 1974 tiefe Spuren in der Stadt hinterlassen haben. Zwanzig Jahre lang war sie in Großenheidorn Ortsbürgermeisterin. In diesem Amt, als Ortsbeauftragte und später als Mitglied des Rates der Stadt hat sie Kommunalpolitik betrieben, wie sie sie verstand: den Menschen zugewandt, herzlich, sachorientiert. Wo andere Gräben vermuteten, hat sie Brücken gebaut. So heißt es in einer Würdigung des Seglervereins Großenheidorn, dem sie tief verbunden und dessen Ehrenmitglied sie fast auf den Tag genau 30 Jahre lang war. Diese Charakterisierung trifft auf sie zu wie keine andere.

Bode wohnte seit 1967 in Großenheidorn Strand. Viele Wochenenden dort am Wasser waren dem Umzug von Hannover vorausgegangen. Ihre Familie gehörte zu denjenigen aus Hannover, die sich während des Weltkrieges am Strand verkrochen hatten, wie ihr Sohn Günter erzählt. An das Heim jener Zeit – „eine Holzbude mit Plumpsklo“ – hat er gute Erinnerungen. Ausgelöst wurde der Umzug von der Scheidung von ihrem Mann, dem Chef von Bode Feuerschutz. Die Firma war der größte Feuerwehr-Ausrüster des Landes. Auch das erste neue Löschfahrzeug der Großenheidorner nach dem Zweiten Weltkrieg kam von Bode: ein Opel-Blitz.

Meer und Gemeinschaft

Helga Bode wurde im Ort heimisch im besten Sinn des Wortes und begann, sich in der CDU zu engagieren. Dass die Wahl auf sie fiel, als es zwei Jahre nach der Gründung der großen Stadt darum ging, Kandidaten für die Ortsbürgermeisterämter zu finden, lag auch an ihrer gewinnenden und zupackenden Art. Wo ein paar Ortsgrößen abwinkten, sagte sie zu und wurde als politischer Neuling zur ersten Ortsbürgermeisterin gewählt. Sie blieb es zwei Jahrzehnte und setzte damit Maßstäbe.

So wie sie das Meer, das Segeln und ihr Idyll am Strand liebte, so schätzte sie Gemeinschaft. Das „Wir-Gefühl“ war ihr wichtig. Sie arbeitete in vielen Vereinen mit, stiftete den nach ihr benannten Pokal für Nachwuchssegler, initiierte die alljährliche Bootsfahrt der Ortsbürgermeister. In deren Runde, geprägt von Platzhirschen und Egozentrikern, hatte sie bald einen Platz. Stets gut gelaunt, immer freundlich, elegant und um Ausgleich bemüht, wirkte sie wie ein Katalysator. So handelte sie auch im Ort – für ihr Großenheidorn. Das heutige Ortswappen gestaltete sie gemeinsam mit dem Gastwirt Ernst Küker, einem Original am Zapfhahn wie im Leben.

Unangefochten

Der CDU kehrte sie bald den Rücken. Da fehlte es ihr an Solidarität. Die Querelen in Stadtverband und Fraktion, die Auseinandersetzungen zwischen Kernstädtern und Vertretern des Umlandes, die die frühen Jahre der neuen Stadt Wunstorf bestimmten, waren ihr schnell zuwider. Wie andere auch verließ sie die Partei. Geschadet hat es ihr nicht. Zunächst parteilos, schloss sie sich bald unabhängigen Wählergemeinschaften an. Ihre Position in Großenheidorn blieb unangefochten, ihre Stimmergebnisse herausragend.

Dass Großenheidorn in der neuen Stadt relativ schnell nicht mehr nur als die Gemeinde der Schuldenmacher und des Staatskommissars angesehen wurde, war und ist auch Helga Bodes Verdienst. Zu den vielen Ehrungen, die sie erhalten hat, gehören der Großenheidorner Ortspreis und der Ehrenring der Stadt. Ein Schlaganfall hat ihren vielen Aktivitäten vor Jahren ein Ende gesetzt. Jetzt ist Helga Bode mit 97 Jahren gestorben.

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