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Ehemaliger Bürgermeister Fritz Röbbing gestorben

28.01.2022 • Achim Süß • Aufrufe: 1426

Luther Original, Landwirt und talentierter Diplomat: Friedrich-Wilhelm Röbbing wurde 1974 erster Bürgermeister der neu entstandenen Stadt Wunstorf und setzte Zeichen.

28.01.2022
Achim Süß
Aufrufe: 1426
Fritz Röbbing
Friedrich-Wilhelm „Fritz“ Röbbing

Wunstorf (as). Interviews führte er gern vom Steuerrad seines Treckers aus. Aber nie von oben herab. Weggefährten traf er regelmäßig am Misthaufen. Das war wie ein Ritual, wie eine feste Einrichtung. Wer etwas mit ihm besprechen wollte, ging am Sonnabendvormittag zu seinem Hof an der Schloß Ricklinger Straße: Fritz Röbbing hantierte dort mit der Forke. Da wurde geklönt oder auch handfeste Politik gemacht. Immer wieder waren diese Gespräche Thema in der CDU, musste er sich dafür rechtfertigen. Er hat es sich nicht verbieten lassen: „Niemand sagt mir, wann ich mit wem zu reden habe. Auch nicht, worüber!“ Kein Satz beschreibt den Politiker, den Menschen Fritz Röbbing besser.

Er war ein charmanter, aber zuweilen kantiger Mann mit feinem Humor. Groß, schlank, eine auffällige Erscheinung: Sein markanter Schnurrbart à la Magnum, die fein karierte Schiebermütze – man hätte ihn leicht für einen englischen Landjunker halten können oder für einen pensionierten Colonel. Aber er war ein niedersächsischer Bauer durch und durch, bodenständig, seiner Heimat und der Tradition im besten Sinn verbunden. Er war offen für Menschen und Ideen. Wer sein Vertrauen erworben hatte, konnte sich auf ihn verlassen. Ebenso konsequent war er umgekehrt: Wer ihn enttäuscht hatte, musste Groll und Distanzierung ertragen.

Wegbereitend für Luthe …

Alles andere als engstirnig, hat er sich früh für sein Dorf, für sein Luthe, eingesetzt. Immer wieder ersann er neue Vorhaben, setzte sie mit anderen in die Tat um und nutzte dabei seine Verbindungen und Möglichkeiten. In mehr als 50 Jahren Arbeit in und für Luthe hatte er an vielen Einrichtungen seinen Anteil, die das Leben im Ort ausmachen: Sportanlagen, Schwimmbad, Flutlicht, Traglufthalle, Straßen- und Bauplanung.

Fritz Röbbing stammte aus einer Zeit, die von Selbstverständlichkeiten bestimmt war: „Man“ übernahm den väterlichen Hof, man ging in die Kirche und zum Frühschoppen, man half dem Nachbarn und der Dorfgemeinschaft, man war im Landvolk – und in der CDU. Bei den Christdemokraten, die sich in den 70er Jahren in vielen Regionen erst zu organisieren begannen, war Fritz Röbbing bald eine feste Größe. Seine Stimmergebnisse brachten und sicherten Mehrheiten, viele Jahre lang im Ort, in der Stadt und im Kreis.

Als die neue Stadt Wunstorf 1974 bei der ungeliebten Gebietsreform entstand, gehörte Röbbing zu den profiliertesten Vertretern des sogenannten „Umlandes“. Mit dem Wunstorfer Bernhard Kleefeld, einem Sozialdemokraten alter Schule, hatte er Luthe für die Fusion mit Wunstorf weitsichtig und listig fit gemacht. Während die Kommunalaufsicht die Kassen anderer Gemeinden mit Argusaugen unter die Lupe nahm und auch schon mal einen Staatskommissar entsandte, war Luthe mit den damals noch florierenden und steuerstarken Fulgurit-Werken und Marley finanziell gut aufgestellt. Wie Gemeindedirektor Kleefeld war Röbbing als Luther Bürgermeister kein Freund der Reform, ein Freund der Wunstorfer ohnehin nicht.

… und Groß-Wunstorf

Dennoch wurde er 1974 für zwei Jahre Bürgermeister der neuen, großen Stadt. Nach dem sogenannten Interimsrat amtierte der Rat der Stadt nur zwei Jahre lang, weil die Landesregierung den ursprünglichen Rhythmus der Wahltermine aufrechterhalten wollte. Als 1974 die Stimmen ausgezählt waren, hatte die CDU überraschend die ersten Wahlen in den geänderten Stadtgrenzen gewonnen. Fritz Röbbing war eines der Zugpferde und hatte mit seinem persönlichen Ergebnis einen wesentlichen Beitrag daran. Es war schnell klar, dass er der erste Bürgermeister werden würde.

Trotz gesundheitlicher Probleme und kurzer Amtszeit setzte er Zeichen. Parteifreunde und politische Gegner bescheinigen ihm Geradlinigkeit und Empathie, auch Kritiker würdigen sein Format und sein diplomatisches Talent. Luthe und der dortige TSV waren und blieben für Fritz Röbbing Hauptaugenmerk. Röbbing gehört aber auch zu denen, die in der jungen Stadt voller Kirchturmspolitiker dazu beigetragen haben, so etwas wie ein Stadtbewusstsein zu bilden. Seine lange Erfahrung aus der Luther Kommunalpolitik, nicht zuletzt als selbstständiger Landwirt, hat ihm in dieser Zeit geholfen.

Diese ersten Jahre der neuen Stadt waren schwer. Es waren viele weitreichende Entscheidungen zu treffen, Rat und Verwaltung mussten ein neues Selbstverständnis entwickeln und vor allem Misstrauen überwinden. Es war eine Zeit, in der es in der Kommunalpolitik oft hieß: Alle gegen die Wunstorfer, die Prahlbürger. Röbbing hat stets versucht, ausgleichend zu wirken. Zu denen, die ihm das nicht erleichtert haben, gehörten Parteifreunde aus Steinhude und dem Butteramt ebenso wie ein neuer, junger Stadtdirektor, der die Ratsmitglieder gern mal beim Tennis als „39 Hanseln“ bezeichnete und die Verbindungstür zu seinem Stellvertreter zumauern ließ.

Friedrich-Wilhelm Röbbing, den alle nur Fritz nannten, ist jetzt, kurz vor seinem 88. Geburtstag, nach langer Krankheit gestorben.

von Achim Süß
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Kommentare


  • Homberti sagt:

    Ich habe viel von Dir gelernt! Danke nochmal dafür, Ruhe in Frieden.

  • Rudolf sagt:

    Trotz oder eventuell auch wegen einiger konservativen Positionen hatte ich als Youngster Respekt gegenüber Fritz R.
    Unsere unterschiedlichsten Meinungen/Haltungen zur damaligen Kommunalpolitik haben wir regelmässig bei einem Glas Rotwein diskutiert.
    Er war ein Kommunalpolitiker mit Rückgrat!

  • Christian-O. Heyner sagt:

    Als Neuluther (Jan. 1971) habe ich durch Fritz Röbbing sehr schnell Anschluss an die Luthe Einwohner (damals ca. 2.800) , die CDU und den TSAV, gefunden. Ich war Teilnehmer an den „Misthaufengesprächen“, denn auch regelmäßig der Gemeindedirektor B. Kleefeld, angerhörte. Fritz war eine wesentliche Kraft mit persönlichem Einsatz und politischer Initiative für die Kernsportanlage und den TSV. Er hat sich voll für Wunstorf und seine Ortsteile eingesetzt und wurde mit der Gebietsreform dann erster Bürgermeister der Stadt Wunstorf mit allen 10 Ortschaften. Er hat dazu getrieben, die Tennisanlage der Kernsportanlage zu beleben und mich dazu 1972 „verleitet“, deren Gründungsspartenleiter zu werden. Mehrere bemerkenswerte Jahre Jahre saß ich in Führungspositionen zusammen mit Fritz im TSV. Die Umstellung des TSV bez. neu gestalteter Satzung und rasanter Entwicklung der Tennissparte, wäre ohne seine Mitwirkung und die es damaligen 1. Vorsitzenden Hans Sommer, wohl nicht so einfach gewesen. Ich hatte die Freude in den letzten Jahren Fritz jährlich mehrfach zu besuchen.
    Besten Dank an A. Süß für seinen liebvollen und so treffenden Nachruf!
    Ich bedauere es außerordentlich, dass wir Fritz Röbbing in Wunstorf und Luthe – außer seinem Portrait im Ratssaal – bisher keine sichtbare Ehrung haben zuteil kommen lassen.
    Zum 100-jährigen TSV-Jubiläum bestünde nun die Möglichkeit die Kernsportanlage nach ihm zu benennen!

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