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Gar nicht laut. Gar nicht niemand. Zum Tod von Bernd Riedel.

06.06.2023 • Achim Süß • Aufrufe: 2008

Er gehörte nicht zu den Lauten. Obwohl er viel zu sagen hatte. Obwohl er im Berliner Literaturlabor „lauter niemand“ Arbeiten veröffentlichte. Bernd Riedels Berichte in der Tageszeitung, seine Buchtexte und seine Vorträge, seine Reportagen und Kommentare offenbarten Sachkunde und Freude an feiner Formulierung. Wahrhaftigkeit war eines seiner Prinzipien. Im Alter von 65 Jahren ist er vor einigen Tagen nach kurzer Erkrankung gestorben.

06.06.2023
Achim Süß
Aufrufe: 2008
Bernd Riedel | Foto: Achim Süß

Riedel war ein Tageszeitungsredakteur alter Schule. Beharrliche Recherche war eine Selbstverständlichkeit für ihn. Als Autor in Wunstorf, Neustadt und Garbsen und als Produktionsredakteur standen Fakten für ihn an erster Stelle. Wie viele Journalisten vor ihm fand er auf Umwegen seine Berufung. Mitte der 90er Jahre legte er einen Beitrag zur Wunstorfer Geschichte in der Redaktion der Zeitung vor, der seine große Begabung offenbarte. Der Veröffentlichung des Textes folgten redaktionelle Mitarbeit als freier Autor, Volontariat in der Zentrale des Madsack-Verlags und eine jahrzehntelange Arbeit als Redakteur.

Einer von ihnen

Es war ein erfahrener und ambitionierter Lokaljournalist, der Riedels Talent erkannte: Klaus Oppermann förderte ihn – in einer Zeit, in der Handwerkszeug wie Neugier, Gründlichkeit, Spürsinn und nicht zuletzt Sprachgewandtheit als wichtiger eingeschätzt wurden als Internet-Resonanz und Online-Klicks. Riedel kam in eine Gruppe leidenschaftlicher Reporter und Blattmacher und wurde einer von ihnen, infiziert vom Geist der damaligen Redaktion. Er verband sein Wissen als Historiker und Germanist geschickt mit den Anforderungen des kleinstädtischen Lokaljournalismus.

Privat wie beruflich wurde er Wunstorfer. In Zittau geboren, fand Bernd Riedel in der aufstrebenden Stadt an der Aue die zweite Heimat, absolvierte die Hölty-Schule und fand früh die Liebe seines Lebens. Er wurde zu einem profunden Kenner der wechselvollen und spannenden Geschichte der alten Gemeinde. Viele Texte sind dafür Beweis. Ende 2001 brachte er für die Stadt mit Unterstützung der Stadtsparkasse seine Version einer Chronik heraus: „Wunstorf – Lebensnetze – Porträt einer Stadt“ legte er auf eine sehr persönliche Weise als Buch für Alteingesessene und Neubürger an. Es ist ein Lesebuch höchster Qualität, eine der intelligentesten Arbeiten über Wunstorf, seine Menschen und Eigenheiten, die es zu kaufen gibt. Beachtlich auch sein Porträt der Stadtsparkasse, für das er sich zwei Jahre Zeit nahm.

Sein Wunstorf

Sehr gehaltvoll sein Beitrag zu „Wunstorfer Aufbrüche“, der besonderen Chronik der Stadt, herausgegeben von Klaus Fesche und Hinrich Ewert aus dem Stadtarchiv. Riedel zeichnet darin für die Beschreibung der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Sein kluges Fazit: Die Bereitwilligkeit der Wunstorfer zur Mitgestaltung ihrer Stadtgesellschaft war nach dem Einmarsch der Alliierten am 7. April eine unfreiwillige. Riedel: „Die freiwillige sollte erst Jahre später folgen.“ Anspruchsvoll und erhellend waren auch die Vorträge über sein Wunstorf und dessen Vergangenheit, die er im Roten Lehmhaus oder in der Stadtkirche gehalten hat – zum Beispiel vor einem Jahr, als er zum Stadtjubiläum „einfache Gedanken“ zur Mitwirkung der Bürger an politischen Prozessen präsentierte.

Wer ihn kennenlernen durfte, wusste seine Freundlichkeit, Bescheidenheit und seinen subtilen Humor zu schätzen, Mitarbeiter und Kollegen loben seine Geradlinigkeit und Lauterkeit. Bernd Riedel hat für sein Leben gern geschrieben, war kunstbeflissen und ein talentierter Fotograf. Er kochte gern und gut, er tanzte gern und gut, vor allem argentinischen Tango. Seinem Wunsch, im Ruhestand seine Steckenpferde noch mehr zu pflegen und mit seiner Frau weiterhin viel zu reisen, hat die tödliche Krankheit, erst vor wenigen Wochen diagnostiziert, ein plötzliches Ende gesetzt.

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