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Karl-Heinz Saak: Gärtner, Gestalter, Nonkonformist

20.12.2022 • Achim Süß • Aufrufe: 1154

Er ist stets seinen Weg gegangen, hartnäckig, geradlinig, streitbar, konsequent – das Ziel im Blick: in der Politik für seine Heimatstadt Wunstorf, als Gärtner, als Fuchsienzüchter, als Mensch. Dieser Weg hat die Stadt geprägt, an manchen Stellen tief verändert und ist nun zu Ende gegangen: Karl-Heinz Saak ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

20.12.2022
Achim Süß
Aufrufe: 1154
Karl-Heinz Saak | Foto: Albert Tugendheim

„Hier ist Saak“, pflegte er sich am Telefon zu melden. Knapp und klar. So wie er war, und wie er jahrzehntelang Kommunalpolitik „betrieben“ hat. Die Vokabel passt perfekt zu ihm. Das Mitlaufen, das Zuschauen war nicht sein Ding – nicht im Beruf, nicht in der Partei, nicht im Rat. Mit 24 übernimmt Saak die Gärtnerei seines Großvaters. Er siedelt den Betrieb um, richtet sich an der Langen Straße ein und macht das Unternehmen mit seiner bayerischen Ehefrau zu einem Aushängeschild der Branche. Er investiert in eine große Gewächshausanlage neben der Stipsfabrik der Familie Reinhold, Am Hohen Holz. Dort ist er anzutreffen, vorzugsweise im karierten Hemd, mit Erde an den Händen.

Zupacken ist seine Devise, und gestalten will er auch seine Umgebung, sein Wunstorf. In der CDU hat er früh eine politische Heimat und Brüder im Geiste gefunden, und doch zeit seines Lebens in ihr und an ihr gelitten. Engstirnigkeit, die ihm begegnete, Eigennutz und Scheinheiligkeit machen ihm zu schaffen. Die Partei macht es ihm nicht immer leicht – und er es nicht der Partei. Er ist ein Zugpferd, holt Wählerstimmen, wie wenige andere. Der Listenplatz ist egal. Er hat sich schnell einen Namen bei den Bürgern gemacht, die Wunstorfer wissen, dass er sich einsetzt und dass sein Wort gilt. Er ist 36 Jahre alt, als ihn seine Engagement erstmals in ein politisches Gremium führt: 1972 wird er in den Rat gewählt. Er gehört dem Interimsrat an, einem eingesetzten Gremium für die Zeit zwischen Gebietsreform im März 1974 und Kommunalwahl im Juni.

Als Saak 2001 den Ehrenring der Stadt erhält, hat er 24 Jahre Ratsarbeit hinter sich, Tausende von Stunden im Rat, im Ortsrat, in der Fraktion, in Ausschüssen und Gremien. Zwei Jahrzehnte lang sitzt er im Bauausschuss des Rates, die meiste Zeit als Vorsitzender. Er leitet das Gremium mit unumstrittener Autorität und Kompetenz – in der ihm eigenen Art: sachorientiert, kundig, energisch und manchmal unkonventionell. Es ist in den ersten Jahren nach der Gründung der neuen Stadt, nach der „Eingemeindung“ der umliegenden Ortschaften, eines der wichtigsten Ämter in der Kommunalpolitik. Der unfreiwillige Zusammenschluss muss erst einmal verdaut, die neue Struktur der Verwaltung kennengelernt und gehandhabt, die unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Interessen der Ortsteile ausgependelt werden. Finanzielle Probleme als Erblasten aus vorher selbstständigen Kommunen sind zu bewältigen, und Animositäten zwischen wichtigen Akteuren müssen moderiert und überwunden werden.

Es gehört zu Saaks Verdiensten, in dieser Zeit das Wohl der neuen Stadt stärker im Blick zu haben als andere. Mit Gleichgesinnten innerhalb seiner Fraktion, vor allem aber auch in anderen politischen Lagern bringt er trotz aller Geburtswehen der jungen Kommune, trotz heftiger Streitigkeiten innerhalb der Stadtverwaltung und in der CDU wichtige Projekte auf den Weg – allen voran die Neugestaltung der Innenstadt. In Werner Dreyer und Peter Bertram aus der SPD-Fraktion hat er gleichgesinnte Partner, die mit ihm über Parteigrenzen hinweg die Sache in den Vordergrund stellen. Im Bauausschuss und als souveräner Vorsitzender des Arbeitskreises Fußgängerzone trägt er mit Geschick, Geduld und manchmal auch mit Raffinesse zum Erfolg des Vorhabens bei. So wie vor ihm Bertram und doch ganz anders. Nicht immer geht das ohne Blessuren, und vor allem bei manchem seiner Nachbarn in der Langen Straße muss Saak viel überzeugen – und auch einstecken. Er bleibt sich all die Jahre treu: konservativ, ohne rückwärtsgewandt zu sein, kantig, eigensinnig im besten Sinn. Zeitweise wird er in anderen politischen Lagern mehr geschätzt als in der CDU. Sein üppiger Vollbart und sein unbeirrtes Eintreten für seine Überzeugungen bringen ihm in der Fraktion den Spitznamen „Sauerkrautprofessor“ ein. Er erträgt es lächelnd und freut sich, manchmal erst Jahre später, dass er Recht hat.

Winterharte Blumen

Das ist oft passiert, auch außerhalb der Politik. Nonkonformist, der er ist, in der Politik wie im Leben, widmet er sich in späten Jahren mit Ausdauer der Fuchsie. Bei Fachleuten ist unumstritten, dass er der Züchter ist, der die Blume winterhart gemacht hat – trotz der anfänglichen Häme und des Spotts von Berufskollegen. Seine Züchtungen setzen sich durch, Saak wird in Fachkreisen berühmt und leitet einige Jahre den Fachverband.

Er ist um Ausgleich bemüht, um Gemeinsamkeit. Aber er scheut auch Konfrontationen nicht. Er ist ein Macher, in der Politik wie im Betrieb. Mit seinem T2 und seinen Collies gehört er zum Stadtbild. Ohne den VW-Transporter ist er fast nicht vorstellbar, und er hat kein Problem damit, den verbeulten Bulli neben den giftgrünen Lamborghini seines Fraktionschefs zu stellen. Dessen Gebaren und Geschäftsmethoden als Versicherungsvermittler bringt ihn Mitte der Siebzigerjahre derart auf, dass er gemeinsam mit einem Weggenossen die CDU-Stadtratsfraktion verlässt. Der Putschversuch misslingt allerdings, denn die Fraktion stellt sich auf Druck der hannoverschen Parteizentrale gegen die beiden Abtrünnigen. Sie erreichen spärliche Zugeständnisse und kehren in die Fraktion zurück.

Saak hat die Episode nicht geschadet, zu groß ist sein Renommee in der Stadt. Dennoch kandidiert er nach Ablauf der Ratsperiode nicht wieder, tritt erst nach einer fünfjährigen Pause wieder an. Nach seinem Ausscheiden aus dem Rat ein paar Jahre danach bleibt er noch einige Zeit als Bürgervertreter und Berater aktiv. Aufmerksam und kritisch bis ins hohe Alter, registriert er mit wachsendem Missfallen, wie die Innenstadt zurzeit umgemodelt wird. Wie Peter Bertram leidet er leise, spricht über sein Unverständnis nur mit wenigen Vertrauten.

In der letzten Phase seines Lebens, selbst bereits schwer erkrankt, erfüllt er eine Aufgabe, um die er sich nicht beworben hat, die er gern vermieden hätte. Er kümmert sich um seine ebenfalls schwer kranke Frau Helga, und er tut das auf seine Weise: unverzagt, voller Energie und fast immer mit dem typischen verschmitzten Lächeln.

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Kommentare


  • Andreas R. Niepel sagt:

    an Herrn Süß ein großes Dankeschön für diesen gefühlvollen und aufschlussreichen Artikel, der das Lebenswerk von Karl-Heinz Saak angemessen würdigt.
    Ich habe Herrn Saak noch bei seinem politischen Wirken erlebt; sein parteiübergreifendes Herangehen an Probleme war / ist ein gutes Vorbild für die derzeitige Kommunalpolitik.

    • Helga Reichow sagt:

      Ich möchte mich den Worten von Herrn Niepel anschließen und mich für den Nachruf bedanken. Ich bin die jüngere Schwester von Karl-Heinz Saak und ich habe mich über den Nachruf sehr gefreut.

  • Martin Pavel sagt:

    Sehr guter Nachruf. Danke!

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